Nach dem Einbruch bleibt die Angst bei Siegener Ehepaar

Die Einbrecher wühlten auch durch die Hochzeitsgeschenke und hinterließen ein Chaos.
Die Einbrecher wühlten auch durch die Hochzeitsgeschenke und hinterließen ein Chaos.
Foto: privat
Ehepaar aus Siegen wurde Opfer eines Verbrechens. Seither hat das Paar keine Nacht mehr in der Wohnung geschlafen. Ihnen wurden auch Hochzeitsgeschenke gestohlen.

Siegen.. „Zuhause ist kein Ort, Zuhause ist ein Gefühl“, steht auf dem Schlüsselbrett im Flur. Dieses Zuhause-Gefühl haben Wilhelms verloren mit dem Augenblick als Stefanie Wilhelm* am Montagabend die Haustür aufschloss. „Ich sah nur das da überall Sachen auf dem Boden lagen“, erzählt die 25-Jährige. Dann fiel der Blick auf die Balkontür. Ihr war sofort klar: Hier war jemand drin. Sie bricht in Tränen aus, er ruft die Polizei.

Die junge Mutter leidet seither. Das Gefühl, dass jemand in ihrer Wohnung war, lässt die 25-Jährige kaum noch schlafen. Seit dem Einbruch übernachtet sie bei den Eltern. Den dunklen Keller betritt sie nicht mehr allein, sie schreckt zusammen, wenn in der Wohnung über ihr ein Stuhl verrückt wird. Diese Reaktionen kennt sie nicht von sich. „Ich bin froh, dass mein Mann gerade mit mir in Elternteilzeit ist“, sagt sie. An die Zeit, wenn er wieder arbeiten geht, mag sie noch gar nicht denken.

Sohn kam vor vier Wochen zur Welt

Vor vier Wochen kam Sohn Max zur Welt. Am Montag war das Ehepaar zum ersten Mal wieder zusammen unterwegs. Der Kleine wurde so lang von der Oma beschmust. „Der Täter muss das genau abgepasst haben“, sagt Stefanie Wilhelm. Das Gefühl, ausgespäht worden zu sein, ist ihr unheimlich. Die 25-Jährige spricht schnell, sitzt angespannt auf dem Küchenstuhl. Ihr Blick fällt immer wieder auf die Balkontür.

Diese Tür hebelte der Täter am Montag auf. Die Kerben im Kunststoffrahmen sind deutlich zu sehen, ebenso das schwarze Pulver der Spurensicherung. Die Polizei suchte erfolglos nach Fingerabdrücken. Der Täter trug Handschuhe.

Untere Etagen sind gefährdet

Laut Polizei sind die unteren Etagen besonders gefährdet. Auch Wilhelms Wohnung liegt im Erdgeschoss, sie ist von überall gut einsehbar. Die Nachbarn in der Winchenbach haben am Montag dennoch nichts gesehen. Die Mieterin im ersten Stock nichts gehört. „Wir sind alle geschockt“, sagt Stefanie Wilhelm. Noch ein paar Tage vorher hatte sie mit einer Freundin über die vielen Einbrüche in der Gegend gesprochen. In der Uhlandstraße zum Beispiel. Der Polizist, der die Anzeige aufnahm, kam gerade von einem Einbruch bei seinen Eltern...

Die Tür in Wilhelms Wohnung ist modern, der Vermieter war selbst erschrocken, dass sie so wenig Schutz bietet. Die Beschläge sind nicht mit den einbruchssicheren Pilzkopfzapfen ausgestattet, zu denen die Polizei bei Fenstern und Türen im Erdgeschoss immer wieder rät. Diese Beschläge machen es den Einbrechern schwer. Für sie zählt nämlich der Faktor Zeit. Wenn Kriminellen es innerhalb von zwei bis fünf Minuten nicht geschafft haben einzusteigen, lassen sie von ihrem Vorhaben ab. Der Vermieter versprach die Türen nachzurüsten.

Martin Wilhelm arbeitet bei einer Versicherung. Schadensfälle gehören zu seinem Alltag. „Vielleicht reagiere ich deshalb emotionsloser“, sagt er. Auch der Schaden sei nicht so tragisch, das werde die Hausratversicherung begleichen. Das Schlimmste für ihn sei, dass die Hochzeitsgeschenke gestohlen wurden. Freunde und Familie hatten ihnen zur Hochzeit im Oktober eine kleine Truhe geschenkt, die sie am ersten Hochzeitstag öffnen sollten. Aufmerksamkeiten wie eine Wärmflasche waren darin, aber auch Kuverts mit Geld. Um die Schadenssumme festzulegen, telefoniert er nun alle ab. „Was hast du uns geschenkt?“ Das sei schon unangenehm.

Der Einbrecher knackte das Schloss an der Truhe, riss alle Geschenke auf und hinterließ ein großes Chaos im Schlafzimmer. Martin Wilhelm zeigt Fotos davon. Hier haben die Wilhelms seither nicht mehr geschlafen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen. Stefanie Wilhelm sagt traurig: „Wo sonst, wenn nicht in der eigenen Wohnung sollte man sich sicher fühlen?“
*Name von der Redaktion geändert

- 80 Prozent der Einbrecher hebeln Fenster und Türen im Erdgeschoss auf. Je besser die Außenhaut gesichert ist, desto eher bricht der Einbrecher ab. Denn die Zeit ist entscheidend.

- Kriminalhauptkommissar Uwe Seidel bietet kostenlose Sicherheitsberatungen im eigenen Zuhause an. Info unter 0271/ 70 99-48 00, hans-uwe.seidel@polizei.nrw.de.

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