Mit Vollgas auf die Datenautobahn

Sie ziehen alle an einem Kabel — der Erfolg hat viele Mütter und Väter:  Am Verteilerkasten, wo das neue Glasfaserkabel ankommt, feiert Herzhausen seinen Anschluss an die Datenautobahn.Foto:Steffen Schwa
Sie ziehen alle an einem Kabel — der Erfolg hat viele Mütter und Väter: Am Verteilerkasten, wo das neue Glasfaserkabel ankommt, feiert Herzhausen seinen Anschluss an die Datenautobahn.Foto:Steffen Schwa
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Herzhausen..  So viel Hartnäckigkeit nötigt dem Breitbandkoordinator des Kreises Respekt ab: Netphen sei da schon „herausragend im Kreisgebiet“, lobt Michael Krämer das Engagement für schnelleres Internet — nicht nur der Verwaltung, sondern auch der Bürgerschaft. Einer der Hartnäckigsten ist wohl der CDU-Stadtverordnete Alfred Oehm, der am Donnerstag mit einem schlichten „Danke“ vor dem grauen Kasten an der Hilchenbacher Straße Bilanz zog — für die Zeit seit jenem 30. Oktober 2008, an dem die Telekom Herzhausens Freischaltung Mitte November desselben Jahres angekündigt hatte. „Wir sind den Weg mit vielen Höhen und Tiefen weitergegangen.“

Auch das Telefon geht wieder

Unter dem neuen, von Allenbach kommenden Radweg hat RWE eine 10-kV-Stromleitung verlegt — und ein Leerrohr für die Telekom, die dort ihr Glasfaser hineingepackt und ihrerseits eine neue Leitung von Hof Maustal bis zur Deponie gebaut hat, nun mit freiem Platz für das Stromkabel. Und auf einmal hat Herzhausen nicht mehr höchstens schlappe drei, sondern bis zu 50 Megabit Download.

Telefonieren können Einwohner auch wieder — was wegen des alten, maroden Telefonkabels gelegentlich tage- oder wochenweise ausfällt. Das neue Netz, verrät Telekom-Beauftragte Reinhard Rohleder, „kann sogar schon 100 Megabit“. Sobald es, anders als nebenan in Dreis-Tiefenbach, von der Bundesnetzagentur nicht mehr ­herunterreguliert wird.

Entsprechend groß sind die Worte, die Bürgermeister Paul Wagener wählt. Schnelle Netzanschlüsse „schaffen Standortsicherheit für Unternehmen und Zugänge zu Bildung“, sagt er, „Netphen wird damit als Wohn- und Arbeitsort noch attraktiver.“ Mehr als 90 Prozent der 280 Herzhausener Haushalte haben sich die Beschleunigung auf mindestens 16 MB gewünscht.

Michael Krämer weiß, wer solche Leistung braucht: „Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, dass Leute zu Hause arbeiten können“ — das geht nur mit entsprechender Netzleistung. Bei dem Breitbandkoordinator melden sich auch junge Leute, die ihren Youtube-Kanal nicht bespielen können, weil der Upload zu langsam ist: „Das fängt fast schon im Kinderzimmer an, dass man ausgebremst wird.“

Als der Kreis in die kommunale Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen (TKG) eingestiegen ist, war die „Grundversorgung“ Arbeitsauftrag. Bis zu 16 MB schafft die von der TKG eingesetzte, weil schnell realisierbare Richtfunktechnik, die auch in Netphener Dörfern installiert wurde. „Die meisten sind damit zufrieden“, berichtet Torsten Häuser, der im Netphener Rathaus die Breitband-Projekte bearbeitet. Wie lange Herzhausen auf seine 50 MB stolz sein darf? „Ein paar Jahre“, schätzt Michael Krämer. Dann wird der nächste Gang im Daten-Turbo eingelegt.

Von allein passiert gar nichts

Wer in Herzhausen schneller surfen will, muss nun die Umschaltung seines Telefonanschlusses beantragen und einen Vertrag über die gewünschte Geschwindigkeit abschließen. Weil die Telefonie aufs Internet umgelegt wird („Voice over IP“), wird der Router ausgetauscht oder erstmals installiert, nicht allzu alte „Endgeräte“ (Telefone) können weitergenutzt werden.

Glasfaser bringt die Telekom bis 2017 auch nach Netphen, Brauersdorf, Frohnhausen und Eschenbach. Fördermittel zur Schließung einer errechneten „Wirtschaftlichkeitslücke“ wird die Stadt für Oelgers- und Eckmannshausen beantragen. In Herzhausen stecken 151 000 Euro öffentliche Fördermittel: 90 Prozent vom Land, 10 von der Stadt.