Mit neuen Ideen zurück zu alten Glanzzeiten

Siegen..  Tausend Mal sei er über die Sandstraße gefahren; tausend Mal sei ihm die alte Hagelauer-Villa nicht aufgefallen. Eines Abends aber, erzählt Prof. Henning Zoz, fiel sein Blick doch auf das Haus, dem die Zeit sichtlich zugesetzt hatte. Und es geschah: „Ich habe mich in dieses Gebäude verguckt.“

Rund fünf Jahre und sehr viel Geld später geht der Chef der Zoz Group durch die Räume. Nach dem Kauf des Areals – einschließlich des Grundstücks und des Nachbargebäudes – laufen an allen Ecken und Enden Arbeiten. Viel hat sich getan, innen wie außen. Aber viel ist auch noch zu tun. Dabei ging Zoz ursprünglich von zwei Jahren vom Kauf bis zum Abschluss der Sanierung aus. „Ich hatte null Erfahrung mit Denkmälern“, räumt er ein. „Dass das schwierig wird und viel Geld kosten kann, war mir klar. Aber es ist ein Fass ohne Boden.“

Gut gelaunt trotz aller Hürden

Seiner Laune tut das aber keinen Abbruch. Wenn er durch die Villa geht und Feinheiten und Maßnahmen erläutert, wirkt er wie ein Junge, der seine Lego-Ritterburg vorführt und für die kniffligsten Probleme Lösungen gefunden hat. Vor allem die Auflagen des Denkmalschutzes seien es, die ihn dauernd gefordert hätten. Sein persönlicher Geschmack und die Vorstellungen der Behörde befinden sich nämlich nicht immer in Einklang. „Bei Denkmalschutz geht es nicht um ,schön’, sondern um ,historisch’“, sei die Erkenntnis, die er gewonnen habe. Verbittert ist Zoz aber nicht, eher scheint er motiviert: „Ich sehe das als einen sportlichen Wettstreit.“

Die 1902 gebaute Villa wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Zoz ließ den Turm wieder errichten und setzte einen neuen Ziergiebel ans vordere Dach. Den sollen Figuren zieren – Jeanne d’Arc und Brunhild stehen dort Seit’ an Seit’. Die aber will das Denkmalamt nicht haben. Gleichwohl harren die Damen aus, nachts sogar illuminiert. Während der Bauphase sei dies möglich, alles Weitere bleibe abzuwarten: „Wir sind auf dem Weg, das mit den Figuren als Hingucker hinzukriegen“, sagt der Bauherr.

Ein Herz für Hingucker beweist Zoz nicht nur hier. Die Details der Fassade, von denen etwa die Hälfte weggebröckelt war, ließ er nachformen – dutzende Arabesken und sogar zwei steinerne Eulen am Erker; die Stuckgesichter über den Fenstern zur Hofseite sind entgegen der Vorgaben des Denkmalamts goldfarben gestrichen – „deswegen musste ich zur offiziellen Anhörung“; mittelfristig soll ein 2,60 Meter hoher Zaun das Areal umspannen, den an der Straßenseite zwei vier Meter hohe Pfeiler zieren, die einerseits die Strahler zur Beleuchtung des figurenbewährten Ziergiebels tragen – und andererseits jeweils einen goldfarbenen Adler.

Einer der mondänen Vögel ist im Schaufenster des Zoz-Geschäfts an der Ecke zu sehen, „aber der ist mir zu klein“, sagt der Chef. Die doppelte Größe schwebt ihm nun vor. Hinter dem Haus soll jede Etage eine Terrasse erhalten, der Garten zu einem kleinen Park mit Wasserspielen umgestaltet werden. Vorne raus ist die Rekonstruktion eines Balkons aus den Anfangsjahren der Villa geplant. „Wenn das Gerüst erst einmal entfernt ist: Das wird Wahnsinn“, ist Zoz überzeugt.

Art der Nutzung ist noch offen

Wann es so weit sein wird, steht noch nicht fest. Die bisherigen Verzögerungen nimmt Zoz gelassen. „Ich muss gestehen: Wenn es bisher nicht so lange gedauert hätte, wäre das Ergebnis nicht halb so gut.“ Die Auseinandersetzungen mit dem Denkmalamt machten es immer wieder erforderlich, Ideen zu entwickeln: „Wenn Sie um jedes Eckchen ringen müssen, sind sie gezwungen, sich ganz anders damit auseinanderzusetzen.“

Was genau mit dem fertigen Haus geschieht, ist ebenfalls noch unklar. Ursprünglich hatte Henning Zoz „repräsentative Besprechungsräume“ für sein Unternehmen unterbringen wollen. Durch den Kauf einer anderen Immobilie in Olpe sei diese Funktion aber inzwischen anderweitig ausgefüllt. „Was ich damit machen soll, weiß ich noch nicht“, sagt er über die Villa Hagelauer. Fest steht nur: Erst einmal fertig werden.