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Mit Handicap ins Arbeitsleben

01.10.2012 | 21:00 Uhr
Mit Handicap ins Arbeitsleben
Lisa Stein zeigt Bildungsbegleiter Ulrich Frohlof die Verkaufstheke im Bistro, für deren Befüllung sie zustädig ist. Foto3: Dennis Braun ist ein wichtiges Glied in der Produktionskette. Gemeinsam mit weiteren Kollegen baut er Pumpen für Waschmaschinen zusammen.Foto: AWO

Kredenbach/Deuz/Siegen. Millimetergenau zerschneidet die Säge die Holzleisten aus Buche. Feine Sägespäne rieseln herab. Mit voller Konzentration bedient Sascha Schmidt die Maschine, denn beim Herstellen von Betten, Stühlen oder Garagentoren aus Holz ist höchste Präzision gefragt. Für die Arbeit in einer Schreinerei auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches.

Doch bei dem 21-jährigen Sascha Schmidt lohnt in jedem Fall ein zweiter Blick. Aufgrund seiner Behinderung begann er seine Berufsausbildung zum Holzbearbeiter zunächst in der AWO-Werkstatt Deuz. Im Mai absolvierte er dann mit großem Erfolg ein Praktikum bei der Firma Holztechnologie Bald in Geisweid, sodass er dort seine berufliche Bildung fortsetzen kann.

Freude an Herausforderungen

„Wenn jemand ein Handicap hat, hat er Stärken an anderen Stellen. Die gilt es zu finden“, macht Volker Bald interessierten Betrieben Mut, Menschen mit Behinderung eine berufliche Chance zu geben. „Hier habe ich viele Herausforderungen“, sagt Sascha Schmidt und tatsächlich: ob hobeln, sägen, lackieren oder bohren – sein Einsatzfeld ist vielfältig, erfordert aber auch gewissenhaften Einsatz. „Wenn man schnell arbeitet, passieren öfters Fehler“, lacht der junge Mann.

Bildungsbegleiter Ulrich Frohlof und Christian Mau, Mitarbeiter des Sozialen Dienstes der AWO-Werkstatt Deuz, besuchen ihren Schützling regelmäßig im Betrieb. Im zentralen Berufsbildungsbereich der Werkstatt für Menschen mit Behinderung werden die Grundfertigkeiten gelegt, um dann die Ausbildung extern fortsetzen zu können. „Wir können die Menschen mit Behinderung dann sehr passgenau vermitteln“, sagt Ulrich Frohlof.

So wie auch bei Lisa Stein, die ebenfalls vor wenigen Monaten den Sprung in die externe Berufsbildung schaffte. Seit Mai ist sie als angehende Hauswirtschaftshelferin der gute Geist im Bistro der Schule für Wirtschaft und Verwaltung in Siegen, wo die Maßnahme über einen Kooperationsvertrag mit dem katholische Jugendwerk Förderband getragen wird. „Eigentlich macht alles Spaß“, erzählt Lisa Stein. Joghurt zubereiten, Getränke und Essen auffüllen, die Spülmaschine bedienen – die junge Frau hat inzwischen schon viel Routine. Doch Ziele hat sich Lisa Stein, die ihre Liebe zur Hauswirtschaft bei einem Praktikum im Bistro der AWO-Werkstatt Deuz entdeckte, auch noch gesteckt: „Ich will nach den Herbstferien das Kassieren lernen.“

Spaß am selbstständigen Arbeiten

Auf gute Chancen hofft auch Dennis Braun. Seit Anfang September ist der 23-Jährige aus der AWO-Werkstatt im externen Berufsbildungsbereich tätig und lernt bei der Kredenbacher Firma Kessler Plastics sein persönliches Handwerkszeug als Montagehelfer. Gemeinsam mit 12 weiteren Beschäftigten mit Behinderung, die im Rahmen ihrer Außenarbeitsplätze hier tätig sind, baut er Pumpen für Waschmaschinen zusammen. 2000 Stück pro Tag. „Selbstständig zu arbeiten gefällt mir“, sagt Dennis Braun, der schon in die Zukunft schaut. „Mein größter Wunsch wäre auf jeden Fall, hier zu bleiben.“

Im Rhythmus von 14 Tagen treffen sich alle Werkstattbeschäftigten, die einen externen Berufsbildungsplatz haben, in der AWO-Werkstatt Deuz, um mit Ullrich Frohlof und Christian Mau die erforderlichen Module des Ausbildungsrahmenplanes zu besprechen. Mit Präsentationen und Übungen werden Schlüsselqualifikationen vertieft, aber auch Kulturtechniken und soziale Kompetenzen eingeübt. Ebenso stehen fachspezifische Kenntnisse wie Hygiene, Arbeitssicherheit oder Umweltschutz auf der Tagesordnung. „Es ist schön, die positive Entwicklung zu sehen“, freuen sich die Fachkräfte der Arbeiterwohlfahrt über die Fortschritte ihrer Schützlinge.



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