Mit Freifunk überall online – für lau

Einfach den Router einstöpseln – und los geht’s: Klaus Stricker erklärt, wie Freifunk funktioniert.
Einfach den Router einstöpseln – und los geht’s: Klaus Stricker erklärt, wie Freifunk funktioniert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wenn jeder ein wenig von seiner heimischen Internetkapazität abgibt, wäre freies Wlan flächendeckend möglich. Die Initiative „Freifunk Siegerland“ sucht Mitstreiter.

Siegen..  Wenn geteilte Freude doppelte Freude ist – was ist dann geteiltes Internet? Es hängt von der Zahl der Nutzer ab. Die Initiative „Freifunk Siegerland“ möchte möglichst viele Menschen beglücken und – im Idealfall flächendeckend – freies Wlan in Siegen und drumherum auf die Beine stellen. Dazu suchen die Technikfans Privat- und Geschäftsleute, die bereit sind, einen Teil ihrer Internetkapazität für den öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise, so die Hoffnung, ließen sich beispielsweise auch Flüchtlingsunterkünfte ohne zusätzliche Kosten versorgen.

„Es ist ein bürgerschaftliches Engagement, das auf Gegenseitigkeit beruht“, erklärt Klaus Stricker von der Freifunkgruppe. Die Motivation, die eigene Verbindung zu teilen, liege im Gemeinschaftsansatz: „Sie haben dann auch woanders freies Internet.“

Das Vorhaben ist keine Idee nach dem Motto „Wir machen’s, weil es geht“. „Es ist nicht Technik als Selbstzweck, sondern um Lebensqualität zu verbessern“, sagt Stricker. Die Nutzer von Smartphones und sonstigen internetfähigen Endgeräten haben zwar in der Regel eigene Verträge – aber deren Datenvolumen ist begrenzt. Ist die Grenze erreicht, sinkt für den Rest des Monats spürbar das Verbindungstempo. Freies Wlan schafft da Abhilfe. Und Menschen, die zwar ein Endgerät besitzen, sich aber keinen Internetanschluss leisten können, ermöglicht ein solches Modell erst den Zugang.

Einstieg für 20 Euro

Das Teilen der eigenen Verbindung wird über einen modifizierten Router ermöglicht. Das Einstiegsmodell kostet laut Stricker etwa 20 Euro. Der entscheidende Punkt ist, dass auf diese Art die eigene Internetverbindung von der öffentlich bereitgestellten getrennt ist: Sie wird quasi abgekoppelt und läuft parallel. Der Anschlussinhaber ist auf diese Art rechtlich auf der sicheren Seite. Hinter dem Projekt steht nämlich der Verein „Freifunk Rheinland“, der das so genannte Provider-Privileg besitzt.

Die Störerhaftung ist damit kein Thema für die Mitglieder der Community – sie haften also nicht, falls Fremde über die geteilte Verbindung Unlauteres treiben. Außerdem, so versichert Stricker, bestehe durch die strikte Trennung der privaten und der öffentlichen Kapazitäten auch kein Risiko für wechselseitige Übergriffe. Weder kann der Anschlussinhaber bei den Nutzern mitlesen, noch umgekehrt.

Die Reichweite der einzelnen Router variiert allerdings sehr. Tut die Technik auf einem Berg ihren Dienst, kann ein relativ großer Umkreis versorgt werden. In dicht bebauten Gebieten ist das anders. Im Fall der Flüchtlingsunterkünfte, die den Freifunkern besonders am Herzen liegen, käme es deshalb je nach Standort vor allem auf das Engagement der unmittelbaren Nachbarn an.

Für Flüchtlinge habe das Internet besondere Bedeutung. „Die Menschen wollen Kontakt nach Hause haben, sie wollen sehen, wie es ihren Familien geht. Und sie wollen sich informieren“, sagt Julia Dombrowski. Die Werbetexterin kennt die Freifunker über den Verein Hackspace Siegen (HaSi) und war von der Idee der Freifunker gleich angetan. Die 34-Jährige hat Einblick in die Situation einiger Flüchtlinge. Seit August gibt sie zusammen mit Markus Möller kostenlose Deutschkurse in der Unterkunft in Burbach. Für die Bewohner der Einrichtung Am Dreesch in Eiserfeld bot sie bereits mehrfach Stadtführungen an.

Verbindung in die Heimat

Die digitale Kommunikation sei für die Menschen oft die einzige direkte Verbindung, die sie noch in ihre Heimat haben. Smartphones oder ähnliche Geräte besäßen einige ohnehin, denn die digitalen Gewohnheiten seien in vielen Herkunftsländern „nicht anders als bei uns“, so Dombrowski. Bei der Flucht sei die Technik außerdem aus logistischen Gründen hilfreich – zur Kommunikation, Information, Orientierung.

In Deutschland angekommen gebe es dann allerdings das finanziell bedingte Verbindungsproblem. Dombrowski kennt das Beispiel einer Familie, die sich einen Surfstick für 15 Euro leistete – und dann nach wenigen Minuten des Skypens feststellte, dass der Traffic verbraucht war.

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