Mit Christoph Biemann in der Kirche lernen

Christoph Biemann predigt seit Jahrzehnten die Freude am Lernen. In der „Sendung mit der Maus“ erklärt er Kindern und Erwachsenen die Welt – und  in der Martinikirche bewies er, dass er das auch live sehr gut kann.
Christoph Biemann predigt seit Jahrzehnten die Freude am Lernen. In der „Sendung mit der Maus“ erklärt er Kindern und Erwachsenen die Welt – und in der Martinikirche bewies er, dass er das auch live sehr gut kann.
Foto: Max Amos
Was wir bereits wissen
Wissenschaftsgläubige zieht es normalerweise nicht in Kirchen. Bei der Nacht der Wissenschaft war das anders. Und einen Stargast gab es auch.

Siegen..  Es herrscht eine eigentümliche Atmosphäre in der Martinikirche. Die Türen stehen offen, die warme Luft strömt von außen herein. Durch die hohen Buntglasfenster fällt das Licht der Nachmittagssonne auf die zu dieser Zeit üblicherweise leeren Stuhlreihen. Dort sitzen, noch etwas spärlich verteilt, überraschend viele junge Menschen zwischen Herrschaften älteren Semesters. Sie essen Bockwürste und trinken Bier.

Am Podium steht Dr. Hans Jürgen Christ, Leiter des Lehrstuhls für Materialkunde und Werkstoffprüfung an der Uni Siegen. Auf der Leinwand hinter ihm läuft ein Film, der die Entwicklung des Fahrrads zeigt. Der Film ist Teil des Vortrags, für den Christ auf Einladung der Fachschaft der naturwissenschaftlich-technischen Fakultät hier ist. Die Fachschaft hat eine „Nacht der Wissenschaft“ organisiert, in deren Rahmen Professoren einem breiten Publikum Einblick in die Welt der Wissenschaft und ihre Bedeutung für das tägliche Leben geben sollen.

Der erste Vortrag steht bereits um 16 Uhr auf dem Plan, ihr Ende findet die Veranstaltung gegen Mitternacht. „Der Eindruck der Studierenden ist, dass der durchschnittliche Siegener die Uni bestenfalls suspekt findet“, erklärt Mitorganisator Benedikt Schmitz. „Wir erachten es als wünschenswert, dieses Verhältnis zu verbessern.“

Zudem habe man mit dieser Veranstaltung den Leuten etwas zurückgeben wollen, die mit ihren Steuergeldern die Universität schließlich zu einem Großteil finanzierten, so Schmitz. Dr. Christ spricht nun über Werkstoffe im Automobilbereich, ein Thema, das augenscheinlich nicht jeden der Anwesenden interessiert.

Zum Ende seines Vortrags füllt sich die Kirche plötzlich. Wo eben noch 40 Leute waren, sind es binnen einer halben Stunde rund 300. Grund ist der Stargast des Abends, Christoph Biemann. Vielen ist er besser bekannt als Christoph von der Sendung mit der Maus, den ohne grünen Pullover und Schnauzbart wohl kaum jemand erkennen würde. Jetzt steht er da in Jeans und T-Shirt und verspeist vor seinem Auftritt noch eine Bockwurst. „Ich wurde gefragt und habe ja gesagt“ beschreibt er seine Entscheidung, hier aufzutreten, kurz und knapp.

Auch Erwachsene strahlen

Ob ihm das Erklären noch immer Spaß macht? „Ich mache das seit 40 Jahren und habe nicht vor, etwas Anderes zu machen“ sagt er. Und man glaubt ihm sofort. „Wenn man etwas Neues erfährt, was man vor fünf Minuten noch nicht wusste, dann bereitet das ein Lustgefühl“, beschreibt er den Reiz des Lernens. „Mir macht es Spaß, Leuten etwas zu vermitteln und ihnen dadurch Spaß zu bereiten.“

Das zeigt auch sein Auftritt, zu dem vorne extra ein Tisch samt Kamera, sowie zahlreiche Haushaltsgegenstände aufgebaut werden. Inzwischen hat Biemann den obligatorischen grünen Pullover übergestreift. Er ist natürlich nicht gekommen, um nur zu reden. „Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne experimentiere“, sagt er. Und so geht es bald laut und unterhaltsam zu in der Kirche. Es wird gelacht und geklatscht, während Biemann gekochte Eier aus Flaschen saugt oder die Funktionsweise einer Schlauchwaage demonstriert. Viele Erwachsene sind mit kleinen Kindern gekommen und strahlen mit diesen um die Wette.

Im Anschluss an Biemanns Auftritt geht es weiter mit Vorträgen aus den Bereichen Physik, Maschinenbau und Elektrotechnik. Als der letzte um Mitternacht endet, haben sich die meisten schon längst in die laue Siegener Sommernacht verabschiedet. Benedikt Schmitz jedenfalls ist zufrieden: „Für die Uhrzeit waren es mehr als erwartet.“

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