Mit Artistik in Balance bleiben

Siegen..  Bunte Bälle und silberne Keulen wirbeln durch die Luft. Diabolos tanzen um dünne Schnüre in kleinen Händen. Die Aula im ersten Stock des Lyz’ gleicht an diesem Wochenende der Pausenhalle einer Zirkustruppe. Kleinkünstler „Mo de Bleu“ hat wieder einmal zum Workshop für Jonglage-Interessierte „von 8 bis 99“ eingeladen. Und er hat auch wieder eine recht bunte Truppe zusammenbekommen. „Ich hebe den Altersdurchschnitt deutlich“, sagt der 40-jährige Jost Schleifenbaum, der den Wochenendkurs mit seiner Tochter Lara besucht. Die ist gerade mal elf und lässt die Bälle trotzdem schon wie „ein Alter“ fliegen, zur Abwechslung wirbelt sie auch mal einen Hulahoop-Reifen um die Hüften. Dabei hat sie in jeder Hand einen Ball und noch einen auf dem Kopf. Nicht schlecht!

Weihnachtsgeschenk mit Effekt

„Wir haben den Kurs zu Weihnachten geschenkt bekommen“, erklärt der Vater. Die beiden haben Mo alias Michael Weiland vor ein paar Monaten bei einem Auftritt in der City-Galerie getroffen. „Er ist da ja sehr direkt, hat ihr gleich ein paar Bälle in die Hand gedrückt“, sagt der Papa lächelnd in Richtung seiner Tochter. Offenbar hat es aber nicht nur bei Lara sofort geklickt. Auch der Vater ist von Mo und vom Jonglieren begeistert. „Das ist garantiert nicht das einzige Mal“, fügt er hinzu.

Genau so hat der Künstler seine Schüler gern. Lernbegierig, offen und mit Spaß bei der Sache. „Von denen hat sich heute Morgen praktisch noch keiner gekannt“, sagt Mo de Bleu in den Raum, in dem sich überall kleine und große Gruppen gebildet haben, wo Jungen und Mädchen einzeln und gemeinsam üben, sich im Wortsinne die Bälle zuspielen oder für sich mit kleinen Balance-Akten beschäftigt sind. Einige machen Pause, essen, fachsimpeln. Nur wenige hatten noch gar keine vorherige Berührung mit den Spielgeräten. So wie Vater und Tochter, die allerdings trotzdem „schon zu Hause ein bisschen geübt“ haben. Andere der überwiegend jungen Teilnehmer kennt Michael Weiland aus seinen diversen Schulprojekten. Fünf Schulen besucht er jede Woche. „Auch Förderschulen“, betont der Jongleur, um deutlich zu machen, dass auch Kinder mit motorischen Einschränkungen von solchen Programmen profitieren und sehr gut darin sein können. Es gehe auch gar nicht primär darum, „dass jeder von denen hier Kleinkünstler wird“. Es würden „neue Nervenzellen gebildet“. Das Arbeiten mit beiden Händen und das Konzentrieren wirke sich auch positiv auf Fächer wie Mathe und damit die Schule im Ganzen aus. Und das Leben.

Als er selbst vor mehr als 20 Jahren mit dem Jonglieren begann, gab es solche Workshops nicht, erzählt der Künstler mit unüberhörbaren Berliner Wurzeln, der seit einiger Zeit in Betzdorf lebt, aber nach wie vor an Siegen und dem Lyz hängt. Er habe damals in einer Kleinkunstgruppe in Siegen angefangen, sei dann auf Einladung zu seinem ersten Treffen nach Italien gefahren. „2000 Verrückte in einer Turnhalle“, lacht Weiland.

Spaß steht im Vordergrund

Seither war er immer wieder auf solchen Treffen, hat selbst intensiv gelernt und geübt und ist heute stolz, wenn er seinerseits junge Menschen begeistern kann. Einige kennt er auch aus der Nachbarschaft, nach und nach seien ganze Familien in seinen Kursen aufgetaucht. Ein Teil komme immer wieder zu den Kursen, sei mittlerweile durchaus reif für Auftritte. Aber vor allem soll es Spaß machen, sollen sich die Kinder und Jugendlichen wohl beim Trainieren fühlen. Wobei er auch hofft, dass noch mehr Ältere den Weg finden.

Die Saison dauert immer von September bis Mai. Nächstes Jahr feiert Weiland das 20-jährige Bestehen seines Kursprogramms. Da freut er sich schon drauf. „Das hier ist der Termin für die ganz Harten“, beschreibt er den Januartermin lachend. Und wendet sich wieder seinen Schützlingen zu, die schon wieder 1000 Sachen zu fragen und zu zeigen haben.