Mit Ahorn, Buchen und Eichen durchs Jahr

Burkhard Patt fotografiert Bäume in Hilchenbach
Burkhard Patt fotografiert Bäume in Hilchenbach
Foto: WP

Hilchenbach..  Burkhard Patt sammelt Bäume. Vor vier Jahren hat er begonnen, auf seine Wanderungen, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Skiern, die Kamera mitzunehmen. Zuerst hat er die geschützten Bäume fotografiert, dann viele andere auch. In den Ortskernen, auf Weidekämpen, an Alleen, im Wald. Weil sie besonders originell gewachsen sind, weil sie besonders groß, dick, bunt sind. Oder einfach schön. Jetzt teilt der 72-Jährige seine Sammlung zum ersten Mal mit anderen. „Um das Bewusstsein dafür zu erhalten, was man da für einen Schatz hat.“ 80 Baum-Bilder sind ab Montag im Rathaus zu sehen.

Lob für Grundstückseigentümer

Wilhelm Münker, der 1970 im Alter von 95 Jahren gestorbene große Naturfreund und Ehrenbürger, und Patts waren fast Nachbarn. Die Kinder fragte er gern nach Baumarten. Wenn die die Antwort nicht wussten, erinnert sich Burkhard Patt lächelnd, „dann hat er geschimpft.“ Für den Kaufmann, der längst im Ruhestand ist, spielt die Erinnerung an Münker schon eine Rolle — auch, wenn er auf das schaut, was die Stadt mit dem Vermächtnis ihres großen Sohns anfängt. „Sie gibt sich Mühe“, findet Patt, der das Lob aber auch vielen Eigentümern von Privatgrundstücken zollt. „Man muss den Hausbesitzern dankbar sein.“ Sie tragen ein Risiko, müssen für Sicherheit sorgen, haben manchmal zu viel Schatten und einmal im Jahr Laub. Letzteres weiß Burkhard Patt auch von der Hainbuche vor der eigenen Tür: „Damit habe ich im Herbst richtig Arbeit.“

„Sich Zeit nehmen, bewusst hinschauen“, rät Burkhard Patt. Dann bleiben Blicke hängen. An dem Fast-nur-noch-Baumstumpf oben am Goldenen Zapfen, an dem immer noch irgendetwas austreibt. „Den beobachte ich seit Jahren.“ An der mächtigen Buche am Ende von Müsen hinter dem Sägewerk. „Ein toller Baum.“ An dem schon der Pilz nagt. Manchmal bleiben nicht nur Blicke hängen, sondern auch Gedanken. An Bäumen, die schon Jahrzehnte vor der eigenen Geburt wuchsen und die auch den Betrachter noch lange überleben können, die verlässlich Jahr für Jahr blühen, Blattwerk entfalten, bunt werden und alles Laub wieder abwerfen.

Dass dieser nur vermeintlich ewige Kreislauf vom Menschen abrupt unterbrochen wird, hat Burkhard Patt in Hilchenbach auch erlebt. Und sich dabei nicht über alles aufgeregt, was für Erregung sorgte. Die Platanen in der Gerbergasse, die auf Wunsch der Anwohner gefällt wurden? „Verstanden habe ich das nicht. Vielleicht hat man einfach nicht den richtigen Standort gefunden.“ Der kleine Ahorn auf der Bruchstraße, der so oft von Autos angestoßen wurde, dass er schließlich Zuflucht im Garten des Forstamts fand? Patt nennt die Laterne nebenan beim Gasthof Engelbert: „Die wurde auch bestimmt schon fünf Mal umgefahren.“ Soll heißen: Einfach der falsche Platz. Die 1866 vor die Kirche gepflanzte Friedenseiche, die 2008 auf Wunsch der Kirchengemeinde gefällt werden sollte, nach einer Protestwelle dann aber doch stehen blieb? „Die nimmt schon den Blick auf die Kirche weg“, räumt Burkhard Patt ein, „das ist ja auch kein so toller Baum.“

„Eklatantes Versagen“

Wirklich wichtig ist anderes: Alpenvereins- und SGV-Mitglied Burkhard Patt hat sich in der Aktionsgemeinschaft Naturpark Rothaargebirge engagiert, als vor zehn Jahren eine Nordumgehung für Hilchenbach ins Gespräch kam. Unvergessen ist die Rotdornallee, die die Herrenwiese zierte, bis daraus die Bundesstraße 508 wurde. „Das hat schon wehgetan.“

Schließlich die Villa Kraemer und der Park, auf dem heute der Netto-Discountmarkt steht. Zum Abriss der Villa vor 25 Jahren und der Rodung des Parks um 2006, dem „traurigen Kapitel der Stadtgeschichte“, hat Patt seinen Klartext schriftlich formuliert: „Es zeugt von einem eklatanten Versagen der Denkmalschutzbehörde, dass die Jugendstilvilla samt dazugehörigem Park, Kastanienallee und kleinem Weiher in einer Nacht- und Nebelaktion dem Erdboden gleichgemacht wurde.“

Hilchenbachs besondere Bäume

Vorspanneiche: ein Hilchenbacher Baum auf „kölschem Gebiet“. Dort oben, an der Landstraße nach Brachthausen, wurden zusätzliche Zugtiere vor die schwer beladenen Wagen gespannt, die von Hilchenbach herauf ins Sauerland kamen.

Friedenseiche: Sie wurde 1866 zum Ende des preußisch-österreichischen Krieges vor die 20 Jahre zuvor errichtete Kirche am Marktplatz gepflanzt. Heute ist sie 20 Meter hoch.

Wotanseiche: Mit einem geschätzten Alter von 400 bis 500 Jahren ist der Baum am Stift-Keppe-Weg mit dem Stamm von fünf Metern Umfang wohl der älteste Hilchenbacher Baum.

Kronprinzeneiche: am 16. Oktober 1833 vom preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich-Wilhelm IV gepflanzt. An den Jahrestagen war hier Vogelschießen und Tanz. 1837 wurde der „Schützenverein Zur Kronprinzeneiche“ gegründet.