Mikrowellen beobachten Klimawandel
20.06.2007 | 09:24 Uhr 2007-06-20T09:24:39+0200Siegerland. (wp) Vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur ist am Freitag um 4.14 Uhr mitteleuropäischer Zeit der deutsche Beobachtungssatellit TerraSAR-X, gestartet. Dessen Technik und Ergebnisse werden auch von Wissenschaftlern des Zentrums für Sensorsy
Die Siegener Forschungsgruppe um den ZESS-Vorsitzenden Prof. Dr. Otmar Loffeld kooperiert mit dem in Werthhoven bei Bonn residierenden Forschungsinstitut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR).
Mit zwei Vorhaben sind die Siegener Forscher an der TerraSAR-X-Mission beteiligt: Die von TerraSAR-X abgestrahlten und von der Erdoberfläche reflektierten Radarimpulse sollen von dem flugzeuggetragenen SAR-System PAMIR, das den Satellit für kurze Zeit unterfliegt, aufgefangen und dann mit Hilfe absolut neuer Verarbeitungsverfahren zu so genannten bistatischen Bildern verarbeitet werden. Der Clou der Sache: Gelingt das Experiment, stehen der Umwelt- und Fernerkundung völlig neuartige Möglichkeiten der Bildgewinnung zur Verfügung.
TerraSAR-X, wird die Erde als eine Art Vergrößerungsglas in einer Höhe von 514 Kilometern umrunden und in den kommenden fünf Jahren detaillierte Bodenaufnahmen der Erdoberfläche liefern, die in der zivilen Satellitentechnik ihresgleichen suchen. Gegenüber fotografischen Aufnahmen verfügen diese Radarbilder bei vergleichbarer Qualität über den Vorteil unabhängig von jeglichen Witterungsbedingungen zu sein. Aufgrund der geringen Wellenlänge und eines aktiven Sensorprinzips durchdringen die Mikrowellen des Satelliten selbst dichte Wolken und ermöglichen die schnelle Erfassung großer Flächen trotz schlechten Wetters oder Dunkelheit. Das technische Auge des Radars soll so neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Vegetationen und Küsten- und Meeresregionen, aber auch städtischer Infrastrukturen liefern. So könnte z.B. die Untersuchung der Eisbewegungen in den Weltmeeren im Zusammenhang mit dem Klimawandel ein Einsatzgebiet des Satelliten sein.
Zum anderen geht es um die hochauflösende Erstellung von 3D-Höhenmodellen der Erde. Aus zwei SAR-Bildern des gleichen Gebietes, die aus zwei verschiedenen Umlaufbahnen des Satelliten gewonnen wurden, sollen hoch aufgelöste digitale Höhenmodelle gewonnen werden. Das Projekt wird für drei Jahre vom Bundesministerium für Wirtschaft finanziert.
Das rund 185 Millionen Euro teure Projekt wird im Rahmen einer Public Private Partnership gemeinsam von dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) sowie dem Raumfahrtunternehmen Astrium finanziert. Der TerraSAR-X ist der erste deutsche Satellit, der von öffentlicher und privater Hand getragen wird.
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