Martin Steiner stellt im Haus Seel aus

Martin Steiner aus Düsseldorf zeigt seine Ausstellung "Vor Ort" ab Sonntag, 29. März, im Haus Seel.
Martin Steiner aus Düsseldorf zeigt seine Ausstellung "Vor Ort" ab Sonntag, 29. März, im Haus Seel.
Foto: WP
Erste Ausstellung nach der Erweiterung im Haus Seel lenkt den Blick nach unten.

Siegen.. Mit einem flüchtigen Blick ist es bei Martin Steiners Werken nicht getan. Die Bodenarbeiten, die der Düsseldorfer Künstler seit Sonntag im Haus Seel zeigt, erfordern vom Betrachter Bewegung, Perspektivwechsel. Dafür ergeben sich mit jedem Schritt neue Eindrücke, neue Formen, neue Farbnuancen „Es hat sehr stark mit dem Auge zu tun, damit, wie wir wahrnehmen“, sagt der 47-Jährige.

„Vor Ort“ heißt diese erste Ausstellung, die der Kunstverein Siegen nach seinem Umzug ins Haus Seel und der Erweiterung der Präsentationsflächen dort (wir berichteten) zeigt. Martin Steiner ist dafür ein idealer Akteur, weil die Einbeziehung des Raums in seiner Arbeit so ein maßgeblicher Faktor ist, dass die Architektur zwangsläufig ins bewusste Blickfeld rückt, die erweiterten Ausstellungsräume also ihrerseits einen großen Auftritt haben.

Erlebnis von physischer Qualität

Im Erdgeschoss ist das besonders beeindruckend. Steiner hat das Hellblau des Bodens

als Grundlage genommen und die Farbe seiner Installation in Abstimmung darauf gewählt. „Roter Platz“ heißt das Ergebnis, das aus 48 identischen Blechquadraten besteht, zudem aus acht Rechtecken und zehn Dreiecken, die jeweils exakt den halbierten Quadraten entsprechen. Von beiden Seiten des Raums legt er diese orange-roten Bleche im Schachbrettmuster so aus, dass durch die Leerstellen zwischen ihnen der Bodenbelag zu sehen ist. Und weil die beiden Schachbretter jeweils in sich akkurat, im Verhältnis zueinander aber um 45 Grad verdreht liegen, ergeben sich in ihren Überschneidungen in der Raum-Mitte völlig neue Formen: Dreiecke, Verwinkeltes, Sterne.

„Die Bleche verschmelzen mit dem Boden zu einem Werk“, sagt Steiner. Hinter der extrem geometrischen Arbeit steckt eine aufwändige Konzeption. „Das hat sich über Monate entwickelt, ich zeichne unheimlich viel. Das scheinbar Einfache braucht viel Zeit.“

Das intensive Rot der Bleche, beleuchtet durch die Oberlichter, lässt nicht nur das Hellblau des Bodens viel kräftiger erscheinen; es strahlt auch einen Rotschimmer an die Wände, die Säulen und die Decke ab, wobei die Effekte je nach Standpunkt im Raum sehr variieren. Wer inmitten der Installation steht, erlebt beim Blick zum Boden noch etwas Heftigeres: Der Kontrast von Boden- und Blechfarbe ist bewusst daraufhin komponiert, dass vor dem Auge ein Flimmern entsteht, eine eigenwillige Irritation. Wie vertraut dieser Raum im Haus Seel dem Betrachter auch sein mag – in Steiners Arrangement ist er Teil eines unbekannten Werks.

Spiel mit dem Raum

Im Untergeschoss, das nach der Umgestaltung nun erstmals als Ausstellungsfläche für die Öffentlichkeit zugänglich ist, geht es etwas weniger physisch zu – aber dennoch knallig bunt, „im Kontrast zu dem dunklen Boden“, erklärt Steiner. Hier hat der Wahl-Düsseldorfer, der aus Nenkersdorf stammt, mit 16 Blechrechtecken den Untergrund ausgelegt – in einer Anordnung, die grob an die Seitenwände angelehnt, aber um die Mitte des Raums verschoben ist und damit dessen rechtwinklige Ordnung konterkariert.

„Das hat wirklich etwas Kindliches – dieses mit den Formen spielen“, betont Steiner. Diese kindliche Offenheit und Neugier wünscht er sich auch von den Besuchern. Zu Recht: Wer sich auf Steiners Werk einlässt, kann die sinnliche Verschmelzung von geometrischer Logik und visuellem Genuss erleben.

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