Marode Kreisstraßen in Siegen im Fokus

Ein Bündnis von IHK, IG Metall und Arbeitgeberverbände nimmt den jämmerlichen Zustand der heimischen Infrastruktur in den Fokus.
Ein Bündnis von IHK, IG Metall und Arbeitgeberverbände nimmt den jämmerlichen Zustand der heimischen Infrastruktur in den Fokus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein Bündnis von IHK, IG Metall und Arbeitgeberverbände nimmt den jämmerlichen Zustand der heimischen Infrastruktur in den Fokus.

Siegen-Wittgenstein.. Am Montag legten Vertreter der drei Organisationen Probleme und Forderungen dar. Der sechsspurige Ausbau der A 45 von Hagen bis über die Landesgrenze nach Hessen kommt. Gut. Weniger gut: der Zustand der nachgeordneten Straßen in Siegen-Wittgenstein und Olpe. Dieses Netz aus Landes- und Kreisstraßen ist aus Kammer-, Gewerkschafter- und Arbeitgebersicht allerdings enorm wichtig für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region – industriell immerhin die drittstärkste in Deutschland.

Im Vergleich zu den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr mit ihrer Vielzahl an Autobahnen und Bundesstraßen hätten diese Straßen im Süden Westfalens eine „Versorgungs- und Erschließungsfunktion“, sagt Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein: Sanierte Autobahn, schön und gut.

30 bis 50 Prozent höhere Transportkosten

Allerdings nützt es Unternehmen aus Neunkirchen, Deuz, Dahlbruch oder Erndtebrück nichts, wenn ihre Lastwagen dort nicht hinkommen. Der bemitleidenswerte Zustand vieler Straßen ist eng mit Problemen im Schwerlastverkehr verbunden. 15 Schwertransporte pro Nacht verlassen Siegen-Wittgenstein, rechnet der Siegener IG-Metall-Chef Hartwig Durt vor. Die Schwierigkeit: Will etwa Anlagenbauer SMS seine Fracht von Dahlbruch aus nach Hamburg auf die Reise schicken, war das vor wenigen Jahren in einer Nacht erledigt. „Heute können das drei oder vier werden“, betont Hartwig Durt. Das macht alles in allem 30 bis 50 Prozent höhere Transportkosten.

Wie sehr Siegerland und Wittgenstein auf eine gute Infrastruktur angewiesen sind, zeigt ein weiterer Blick auf die Zahlen. 50 Firmen im Kreis haben regelmäßig mit Schwerlastverkehr zu tun. Diese Unternehmen allein beschäftigen etwa 10 000 Mitarbeiter. „Investitionen in Beton und Asphalt“, wie es IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener beschreibt, werden so zu einem Standortaspekt.

Nicht zuletzt, weil die Interessenvertreter von Städten und Gemeinden an Rhein und Ruhr heimische Firmen abklappern und mit exzellenten Lagen an ausgebauten Verkehrswegen werben, wie IHK-Kollegin Sabine Buchheim berichtet.

Forderungskatalog

Das Bündnis – Gräbener: „Wir haben dieses Thema streitfrei gestellt“ – formuliert verkehrspolitische Kernforderungen. Der Bund soll erheblich mehr Geld für die Straßen in NRW bereitstellen. Als Transitland sei das bevölkerungsreichste Bundesland in besonderem Maß belastet. Bauen und Planen müsse vereinfacht, von bürokratischen Zwängen „weitgehend befreit werden“. Zudem müsse der „überfällige Ausbau des Schienennetzes vorangetrieben“ werden. Ruhr-Sieg-Strecke und Siegstrecke seien in einem ähnlichen Zustand wie ihre Asphaltkollegen. Nicht zuletzt sei der Öffentliche Personennahverkehr „als Standortfaktor für die regionale Lebensqualität unverzichtbar. Trotzdem müsse der Individualverkehr, im Wesentlichen Autos, in die Innenstädte kommen. Schwerlasttransporte brauchen dringend eine funktionierende Infrastruktur, fordern IHK, IG Metall und Arbeitgeber. Und zwar inklusive eines Verzichts auf „überbordende Bürokratie in Form eines Genehmigungsmarathons“.

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