Marode Brücken auf Sauerlandlinie bremsen Schwertransporte aus

Siemag Tecberg liefert Spitzentechnik in alle Welt. Dieser Schwertransport peilt Kanada an.
Siemag Tecberg liefert Spitzentechnik in alle Welt. Dieser Schwertransport peilt Kanada an.
Foto: Funke Foto Services
  • Ein Prestigeaufttag aus Russland
  • Sauerlandlinie als logistische Herausforderung
  • Die Apple-Generation im Blick
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Haiger.. Marode Brücken auf der Sauerlandlinie zwingen Unternehmen, Maschinen kleinteiliger und somit teurer zu produzieren, damit Schwerlasttransporte die Hochsee- und Binnenhäfen erreichen können. Klingt verrückt! Ist für Unternehmen wie den Maschinen- und Anlagenbauer „Siemag Tecberg“ mit Hauptsitz auf der Kalteiche in Haiger bittere Realität und bei jedem Großauftrag aufs Neue eine logistische Herausforderung.

Erhebliche Mehrkosten durch A45-Problematik

„Durch die Problematik auf der A 45 entstehen uns erhebliche Mehrkosten“, berichtet Detlef Scheppe. Das Mitglied der Geschäftsleitung des bis 2009 noch in Netphen beheimateten Unternehmens nennt „die Baustelle A 45“ in einem Atemzug mit dem Prestigeauftrag, den man an Land gezogen hat: der Lieferung von fünf Schachtförderanlagen an das Bergwerk Ust-Yayvinsky in der russischen Region Perm. Mit 20 Millionen Euro wird das Auftragsvolumen beziffert.

1000 Frachttonnen, Maschinenbauteile mit einem Durchmesser von bis zu fünf Metern müssen bis zu 4000 Kilometer von 70 Schwertransportern bewegt werden. Die nächsten 15 Lkw sind nächste Woche unterwegs. Richtung Lübeck, von wo es per Fähre weiter nach St. Petersburg geht. Die Fahrer mit den „leichteren Gewerken“ nehmen eine Strecke quer durch Deutschland, Polen, Weißrussland und Russlands auf sich und sind acht bis zehn Tage unterwegs.

Schwertransport eine Herausforderung

„Uns war von Anfang an klar, dass der Transport zu einer Herausforderung wird“, so Scheppe. Die Mehrkosten ergäben sich eben nicht nur durch die Umwege, die so mancher Schwertransport vor allem jenseits der A 45 fahren müsste. „Teurer kommt uns, dass wir die Gewerke nicht in einem Stück transportieren können.“ Die Fertigung mehrerer Teile sei teurer, außerdem müsste alles vor Ort wieder aufwändig zusammengebaut werden. Das sei ein „klarer Wettbewerbsnachteil“.

Früher, so Dirk Zeppenfeld, ebenfalls Mitglied der „Siemag Tecberg“-Geschäftsleitung, habe das Unternehmen zum großen Teil Förderanlagen für den Bergbau hergestellt. Nun sei man für alles zuständig, was mit Heben oder Senken zu tun habe. „Wir bieten Komplett-Systeme an. Förderanlagen für Goldminen, Maschinen für ein Schiffshebewerk in Mecklenburg-Vorpommern oder Tunnelkühlungssysteme.“

In Haiger werden Bauteile, die im Ausland produziert werden, zusammengebaut. Im Wettbewerb mit Anbietern wie China setze man auf „Made in Deutschland“. Der Blick für neue Märkte und neue Rohstoffe, die es zu fördern gilt, sei dabei überlebenswichtig: Es lockten der Iran und Myanmar und Gebiete, in denen neben Gold, Platin und Kohle eben auch Kali (Rohstoff für die Düngemittelproduktion) abgebaut wird. Kali soll mit den neuen Schachtförderanlagen aus Haiger in Perm ans Tageslicht gelangen.

Der russische Auftrag sei ein Meilenstein, erzählt Scheppe. „Die logistische Herausforderung bestand in der Kürze der Zeit, in der der Auftrag zu erfüllen ist. 2010 vergeben, 2017/18 in Betrieb.“ Da habe sich, so Zeppenfeld, die A 45 als eine „echte Hürde aufgebaut“.

Apple-Generation im Blick

Scheppe lobt „die Problemlöser“, die Ingenieure, die zurzeit auch an einem Rettungskabinen-System für Bergleute arbeiten und die die größte und stärkste Förderanlage der Welt für South Deep Gold in Südafrika gebaut haben. Selbst in Vietnam tun sich neue Absatzmärkte auf. „Auch dort möchte die Apple-Generation einen Audi fahren“, sagt Detlef Scheppe. Und alles muss über die Bypässe der A 45, um rechtzeitig anzukommen und um hohe Konventionalstrafen zu entgehen.

IHK-Geschäftsführer: Infrastrukturprobleme gefährden Arbeitsplätze

„Die Infrastrukturprobleme auf der A 45 führen zu Logistikproblemen. Und die geben mittlerweile die Fertigung von Maschinen und Anlagen vor.“ Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, zeigt wenig Verständnis für diese Situation, vor allem für die Unternehmen im Siegerland. Dass die Arbeitsgruppe aus dem Landesverkehrsministerium seit vier Jahren an ausreichend Ausweichrouten für Schwertransporte entlang der Sauerlandlinie arbeitet, findet er skandalös. Immerhin gebe es einen Verkehrswegeplan.

Der Ausfall der Hauptmarginale koste, so Gräbener, zurzeit allein die 50 Unternehmen aus dem Produktions-, Bau- und Logistikbereich im Siegerland mit seinen mehr als 10 000 Beschäftigten und drei bis viel Milliarden Euro Umsatz Jahr für Jahr Millionen. Die Probleme mit den maroden Brücken auf der Sauerlandlinie seien ein Problem für „Made im Siegerland“. Einige Firme nähmen mittlerweile spezielle Aufträge nicht mehr an, weil sie eine fristgerechte Lieferung nicht zusichern könnten. „Die Konventionalstrafen können schon mal bei 500 000 Euro liegen.“

Gräbener kritisiert auch die behördliche Überregulierung: „Die Genehmigungsverfahren für die Routen von Schwertransporten müssen oft bei mehreren Behörden eingeholt werden. Sagt die Siebte nein, fängt das Rechnen von vorn an.“ Dann müsse eine neuer Ausweichkorridor ausgearbeitet werden.

Noch mehr Druck auf Düsseldorf machen

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen begrüßt den Vorstoß durch eine parlamentarische Anfrage der heimischen Abgeordneten: „Der Druck auf Düsseldorf kann nicht groß genug sein. Immerhin hängen viele Arbeitsplätze im Siegerland an einer verbesserten Infrastruktur.“

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