Mann sitzt immer wieder auf Straßenkreuzung in Siegen

Ein 56-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten.
Ein 56-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten.
Foto: WR
Ein 56-Jähriger nahm immer wieder Platz – auf Kochs Ecke, der meistbefahrenen Kreuzung in Siegen. Am Freitag stand er dafür vor Gericht.

Siegen..  Immer wieder lief der 56-Jährige über die Fahrbahn oder er saß mit einem Klappstuhl mitten auf Kochs Ecke.

Einmal lag er dort gar auf einer Matratze und hatte einen Blumenstrauß dabei, als ihn die Polizei aufgriff. „Ich wollte einfach nur eingesperrt werden“, sagte der 56-jährige Angeklagte vor Gericht. Der schwer alkoholkranke Mann habe sich nicht mehr zu helfen gewusst.

Sieben Flaschen Wodka

Im Januar 2014 wurde er aus der Haft entlassen, danach fühlte er sich völlig einsam und verlassen. „Ich hatte gar nichts“, sagte der Mann, der in der Sowjetunion geboren wurde. Danach begannen seine Sitzblockaden. Die Beamten mussten sich jedes Mal heftig beschimpfen lassen, von dem Mann, der manchmal sieben Flaschen Wodka am Tag trinkt, schwer alkoholkrank ist.

Dazu kamen Ladendiebstähle, Körperverletzungen und ein Ausraster im Bürgerbüro. S. wollte einen neuen Ausweis, bekam keinen und griff die Angestellten an.

60 Zeugen geladen

Die Zeugen passten kaum auf den Gerichtsflur, 60 waren geladen. Fast alle wurden gehört, weil der Angeklagte sich an die Vorfälle kaum erinnert. Meistens hatte er um die zwei Promille. „Er wolle doch nur weggesperrt werden“, sagt er traurig und wischte Tränen aus den Augen. Eine Dolmetscherin übersetzte seine Worte. Derzeit lebt er in einer Betreuungseinrichtung, trinkt auch dort Alkohol.

Am Ende standen zwei Jahre und neun Monate Haft und ein Schöffenrichter, der seine Hilflosigkeit eingestand. Uwe Stark wirkte betroffen. Eine Strafe nütze hier nichts. Er sei leider gezwungen, das Recht anzuwenden. „Letztlich gibt es wohl auf der ganzen Welt keine Hilfe für einen solchen Menschen“, sagte er.

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