Mann aus Siegen bietet 100 Euro für Charlie Hebdo

Einige Siegener Zeitschriftenläden werden überhäuft mit Bestellungen.
Einige Siegener Zeitschriftenläden werden überhäuft mit Bestellungen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In Kiosken ist die Nachfrage nach der Satirezeitschrift Charlie Hebdo groß. Siegener Kioskbesitzer werden mit Anfragen überhäuft. „Ich hab das Zählen aufgegeben“, sagt Udo Richstein.

Siegen..  Nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris am vergangenen Mittwoch ist das Blatt gefragter denn je. Die erste Ausgabe nach dem Attentat erschien am Mittwoch (14. Januar) und war in Frankreich innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Auch in Deutschland ist die Nachfrage groß. Einige Siegener Zeitschriftenläden werden überhäuft mit Bestellungen. Wann sie überhaupt beliefert werden und wie viele Ausgaben sie bekommen, ist jedoch unklar.

Hauptsächlich Studenten

„Hallo, bekomme ich bei Ihnen eine Charlie Hebdo?“, fragt eine ältere Frau. Die Frage des Tages. Udo Richstein muss sie vertrösten. „Die bekomme ich frühestens Samstag rein“, sagt der Geschäftsführer von Tabakwaren Richstein an der Berliner Straße. Über 100 Leute haben an diesem Tag schon nachgefragt. 20 bis 30 per Telefon. Etliche Studenten, aber im Grunde geht es durch alle Altersklassen. „Das Attentat hat mich betroffen gemacht“, begründet ein Mann seine Frage nach der Zeitschrift.

„Ich hab das Zählen aufgegeben“, sagt Richstein. „Ich kann auch keine Reservierungsliste machen, das geht nicht.“ Jemand habe ihm schon 100 Euro hingelegt, damit er auf jeden Fall eine Ausgabe bekommt. „Behalt’ den Rest“, hat er gesagt. „Ich habe welche bestellt“, verrät Richstein. Wie viele Exemplare kommen, sei aber unklar.

Telefon steht nicht mehr still

Ähnlich geht es Peter Oziomek, dem Filialleiter der Relay Bahnhofsbuchhandlung am Siegener Hauptbahnhof. „Ich habe allein heute 53 Vorbestellungen“, sagt er. „Am Telefon nehme ich schon gar keine mehr an.“ Seit Freitag stehe es nicht mehr still. „Die Leute nehmen alles, wo Karikaturen drauf sind“, sagt Oziomek. „Jeder dreht den Zeitschriftenständer um.“ Auch er bekommt die Lieferung frühestens am Samstag rein. Die Exportmengen müssten in Frankreich erst verarbeitet werden, teilte ihm sein Vertrieb via E-Mail mit. Welche Mengen letztlich kämen, sei ungewiss, heißt es dort weiter.

Nebenan in der City-Galerie fragen die Leute ebenfalls nach. Auch da ist die Zeitschrift schon bestellt. Samstag oder Montag solle Charlie Hebdo geliefert werden.

Vertrieb weiß selbst nichts Genaues

„Es ist schwer zu planen, weil der Pressevertrieb selber noch nichts Genaues weiß“, verrät Margot Klappert, Inhaberin von Tabak-Lotto-Zeitschriften Klappert in der Kölner Straße. „Hier fragen überwiegend Franzosen oder Leute, die Französisch sprechen, nach.“ Vorbestellungen seien bisher hauptsächlich aus ihrem Bekanntenkreis gekommen.

Lediglich für einen Zeitschriftenladen in der Bahnhofstraße scheint Charlie Hebdo kein Thema zu sein. Es gebe keine Nachfragen, hieß es dort.