Mangel an Facharbeitern wird in acht Jahren extrem

Die Lehrlingswarte aus der Region tragen sich zum Erfahrungsaustausch: Sorgen bereitet der Facharbeitermangel.
Die Lehrlingswarte aus der Region tragen sich zum Erfahrungsaustausch: Sorgen bereitet der Facharbeitermangel.
Foto: Hendrik Schulz
Was wir bereits wissen
Fachkräftesicherung stand oben auf der Agenda beim Treffen der Lehrlingswarte der Kreishandwerkerschaft. Verstärkt sollen junge Leute aus dem Ausland geworben werden.

Kreuztal..  Es ist das große Thema und zugleich die große Sorge vieler Handwerksbetriebe: der Fachkräftemangel. Schon jetzt macht er sich in einzelnen Branchen bemerkbar. Doch das ist erst der Anfang; die demografische Entwicklung spricht eine deutliche Sprache. Und so befassten sich auch die Lehrlingswarte der südwestfälischen Innungen bei ihrer Tagung im Kreuztaler Aus- und Weiterbildungszentrum Bau (AWZ) mit dem Thema.

Motivierte junge Leute aus Spanien

Die Dringlichkeit, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen, hoben der Kreislehrlingswart Helmut Schrey und der Leiter des AWZ, Horst Grübener, hervor. Im Baubereich, so Grübener, gelinge es trotz großer Anstrengungen nicht, die erforderlichen Fachkräfte bereitzustellen. Er beschrieb die Bemühungen, auf europäischer Ebene junge Erwachsene anzuwerben, um sie in Deutschland auszubilden (siehe Infobox). Die Jugendlichen aus Spanien seien hoch motiviert, arbeiten hart an sich, um die sprachlichen Barrieren schnell zu überwinden. Doch aller Anfang sei erst einmal schwer, deshalb seien die Helfer in der Region gefordert, berichtete Horst Grübener: „Wir müssen zunächst bei allem helfen - Bankkonto einrichten, Rundfunkgebühren anmelden – bei allem, was das tägliche Leben ausmacht.“ Horst Grübeners Fazit: „Es wird nicht leicht, den Fachkräftemangel zu bewältigen. Ich hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommen würde.“

Über Wege bei der Lehrlingsakquise im Handwerk referierte Simone Stuhrmann von der Agentur für Arbeit. Grundsätzlich sei der Arbeitsmarkt in der Region gut aufgestellt. „Und das Handwerk spielt dabei eine sehr wichtige Rolle.“ Doch gingen in den nächsten fünf Jahren allein durch die demografische Entwicklung zehn Prozent der Fachkräfte verloren, im selben Zeitraum reduziere sich die Zahl der Schulabgänger um 17 Prozent. „Ab 2022 bis 2023 nimmt der Zugang in den Arbeitsmarkt ganz rapide ab, dann öffnet sich die Schere enorm.“

Jugendliche mit Ecken und Kanten

Deshalb sei es wichtig, künftig das gesamte Bewerberpotenzial einzubeziehen. Dazu gehörten beispielsweise auch „schwächere Jugendliche mit Ecken und Kanten.“ Das Zeugnis sei ja nur ein Aspekt. „Sie müssen fragen, welche Kompetenzen sonst noch dahinter stecken.“ Auch junge Menschen mit dem Handicap Lernbehinderung seien für viele Berufe durchaus geeignet. „Dafür sind Hilfen mit berufsvorbereitenden Maßnahmen möglich.“ Machbar sei zum Beispiel eine individuell zugeschnittene Lernunterstützung der Auszubildenden durch eigens beauftragte Träger, eine assistierte Ausbildung mit speziellem Coaching, aber auch eine Begleitung im Betriebsalltag. Die Expertin riet außerdem dazu, Langzeitpraktika (Einstiegsqualifizierung) zu ermöglichen. „Das ist eine Chance für Sie, passende Auszubildende für Ihr Unternehmen zu gewinnen“, sagte Simone Stuhrmann. Einen Zuschuss zur Vergütung gibt es dann auch, und eine Anrechnung der Praktikumszeit auf eine anschließende Ausbildung ist möglich. Eine weitere Möglichkeit ist die Weiterbildung ungelernter Kräfte, die bereits im Betrieb beschäftigt sind – auch dafür gewährt die Agentur Unterstützung.

Verena Kurth, Expertin der Handwerkskammer, hob hervor, dass die Anwerbung und Förderung von Studienabbrechern für das Handwerk eine wichtige Möglichkeit ist. In den mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sei die Zahl der Abbrecher groß. Solchen jungen Erwachsenen bei einer beruflichen Neuorientierung zu helfen sei eine große Chance: „Sie sind erwachsen und reifer, sie haben eine Krise überwunden und wollen sich verändern, und sie wissen genauer als Jüngere, was sie nicht wollen.“ Auch sei damit zu rechnen, dass sie nach der vorangegangenen Erfahrung bei der Stange bleiben: „Die wollen nicht mehr zur Uni.“ Vor allem: „Gehirn schließt Geschicklichkeit nicht aus.“

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