Manchmal genügt ein Lächeln

Siegen..  Bei einer Diskussionrunde des Evangelische Kirchenkreis Siegen zum Thema Flüchtlinge ist deutlich geworden: Politik und Gesellschaft stehen vor Herausforderungen. Experten standen den Besuchern Rede und Antwort.

„Zwei Welten treffen aufeinander“, gibt Ulrich Schlappa, Pfarrer der Kirchengemeinde Freudenberg, der durch den Abend führte, zu. Kein Wunder, dass der interkulturelle Dialog mit Menschen unterschiedlichster Herkunft – besonders zu Anfang – schwierig ist. Dass es trotzdem große Bereitschaft dazu gibt, zeigt die Tatsache, dass der Begegnungsabend wegen des Zuspruchs nicht wie geplant im Haus der Kirche stattfand, sondern in den größten Raum des Gemeindehauses Altstadt an der Nikolaikirche verlegt werden musste. Es hatten sich nicht nur Menschen aus dem Siegerland, sondern unter anderem aus Haiger und Dillenburg angekündigt.

Wer an Flüchtlingsheime im Siegerland denkt, dem kommt als erstes Burbach in den Sinn. Von dort ist Hans-Peter Ginsberg, Ehrenamtskoordinator für die Flüchtlingshilfe der Evangelischen Kirchengemeinde Burbach, angereist. Er kümmert sich neben vielen anderen Ehrenamtlichen um Menschen in dem Flüchtlingsheim, dessen Kapazität eigentlich mit 400 Menschen ausgelastet ist und in dem teils 700 untergebracht wurden. Menschen aus dem Iran, Irak und Syrien, aus China und Tibet, aus nordafrikanischen Staaten wie Ägypten und vom Balkan leben dort auf engstem Raum zusammen. Was Ginsberg auch weiß: Nachdem Burbach in den Schlagzeilen auftauchte, hat sich dort einiges verändert. Im Mai wird Burbach Erstaufnahmelager. Dann sollen alle wesentlichen Schritte, von der ärztlichen Untersuchung bis zum Asylantrag, für die die Flüchtlinge bisher durch ganz NRW fahren mussten, vor Ort geregelt werden.

Ginsberg empfindet die Menschen in „seinem“ Flüchtlingsheim in den meisten Fällen als höflich und offen – auch gerade in religiösen Dingen. „Besonders für Menschen aus muslimischen Ländern ist eine Selbstverständlichkeit, offen über Gott zu sprechen.“ Allerdings sei es wichtig, auch von Anfang an das Gespräch zu suchen. Geschehe dies nicht, verschlössen sich die Menschen. „Der erste Eindruck ist das wichtigste“, ist sich Ginsberg sicher. Er plädierte dementsprechend dafür, „Flüchtlinge anders aufzunehmen, als Deutschland das in der Vergangenheit getan hat.“

Unterkünfte in Siegen sind voll

André Schmidt ist als Fachbereichsleiter Soziales bei der Stadt Siegen zuständig für die Unterbringung und Begleitung von Flüchtlingen. Er machte auf die schwierige Wohnungsmarktsituation in Siegen aufmerksam. Wer im Asylverfahren einen Schritt weiter kommt, es also aus dem Flüchtlingsheim heraus und einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit schafft, bekommt einen neuen Wohnort zugeteilt. 2014 wurden Siegen 200 Asylbewerber zugewiesen, die Zahl vom Januar 2015 liegt schon bei 60. Die zur Verfügung stehenden Unterkünfte seien schon lange voll, sagte André Schmidt klar: „Alles, was jetzt kommt, ist irgendwie improvisiert.“ Er appellierte an Privatpersonen, die eine Wohnung zu vermieten haben, sich zu melden.

Nicht nur auf politischer und organisatorischer, vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene müssen Strukturen für Menschen geschaffen werden, die ihre Heimat hinter sich gelassen haben: Stichwort Willkommenskultur. Willkommen heißen, so sieht es zumindest Christoph Reifenberger vom Netzwerk der Flüchtlingshilfe in Freudenberg, das bedeutet Kontakt herstellen und vor allem Verständnis zeigen für Menschen, die weitaus mehr durchgemacht haben, als es sich viele Menschen in Deutschland vorstellen können.

Schritt auf Flüchtlinge zuzugehen

Sein Netzwerk organisiert unter anderem Begrüßungsteams für Flüchtlinge, die gerade erst in Freudenberg ankommen. So soll von Anfang an Integration stattfinden. Ähnlich sieht es Dorothee Kahm, Sozialarbeiterin bei der Integrationsagentur der Diakonie Südwestfalen. Sie forderte dazu auf, Sprachbarriere und Scheu vor fremden kulturellen Riten zu überwinden und einen Schritt auf Flüchtlinge zuzugehen, anstatt es stets andersherum zu erwarten. Man müsse nicht „viel“ tun, um Flüchtlinge in Deutschland willkommen zu heißen. Manchmal genüge das freundliche Lächeln im Alltag. So könne jeder einen Beitrag zur Integration leisten.