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Neues Quartier

Malteser verlassen Schwesternhaus

24.05.2012 | 16:49 Uhr
Malteser verlassen Schwesternhaus
Reinhard Biel, Michael Maria Beutler, Robert Krawiec

Netphen. Der Malteser Hilfsdienst sucht ein neues Quartier: Zum 31. Dezember verlassen die Ehrenamtler ihre Veranstaltungs- und Schulungsräume am Seitenweg; einen Monat später endet auch der Mietvertrag im Gewerbegebiet am Bernstein, wo die Malteser-Profis ihren Stützpunkt mit Fahr-, Mahlzeiten- und Hausnotrufdienst sowie dem Fuhrpark haben.

Nicht ausgeschlossen ist, dass beide Bereiche wieder unter ein gemeinsames Dach ziehen — so wie damals, vor 29 Jahren, im Seitenweg, diesmal eben am Bernstein. Wenn aber umgezogen wird, sei es „völlig offen, ob das ein Netphener oder ein Siegener Stadtteil wird“, sagt Malteser-Kreisgeschäftsführer Michael Maria Beutler.

Fuhrpark ist geschrumpft

Erst vor neun Jahren war die Kreisgeschäftsstelle vom Seitenweg an den Bernstein übergesiedelt. Damals hatten die Malteser Fahraufträge für Behinderteneinrichtungen im Siegerland und in Olpe, die sie nach der turnusmäßig erforderlichen Neuausschreibung verloren. Der Fuhrpark schrumpfte von 80 auf nun noch 25 Fahrzeuge – der Standort, an dem zwei Vollzeit- und fast 70 Teilzeitkräfte arbeiten, muss sich verkleinern.

„Finanziell wird es immer enger“, stellt Beutler fest. Vor noch nicht allzu langer Zeit, bestätigt Malteser-Kreisbeauftragter Reinhard Biehl, seien die Fahrdienste eine Domäne der Hilfsorganisationen gewesen. „Jetzt sind viele private Mietwagenunternehmen in diesen Bereich hineingedrängt.“

Für die einen ist der Wettbewerb, für die anderen die Demografie der Auslöser für den Einschnitt: Weil die Kirchengemeinden kleiner werden und der Personalstamm schrumpft, rücken die Katholiken zusammen: Bis Ende 2014 sollen die Pastoralverbünde Netpherland und Johannland-Siegtal zu einem „Pastoralen Raum“ fusioniert werden. Die bisher vier Pfarrbüros in Dreis-Tiefenbach, Irmgarteichen, Walpersdorf und Netphen werden im bisher von den Maltesern gemieteten Haus zusammengelegt. Nach einer Grundrenovierung, so Dechant Werner Wegener, werde in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres mit den Umzügen begonnen.

50 aktive Malteser werden in Netphen von 2500 fördernden Mitgliedern unterstützt. Sie engagieren sich in der Erste-Hilfe-Ausbildung, im Katas­trophenschutz und im Sanitätsdienst, leisten Jugendarbeit, haben kürzlich gar eine Kindergruppe eröffnet. Vor 29 Jahren haben sie sich am Seitenweg in dem Haus eingerichtet, das älteren Netphenern noch als „Schwesternhaus“ bekannt ist: Im Jahr 1910 hatte die katholische Kirchengemeinde das dreigeschossige Fachwerkhaus gebaut, um dort einen Krankenpflegedienst aufzubauen. In das Schwesternhaus St. Anna zogen die Vinzentinerinnen ein.

Die Ordensschwestern liefen anfangs noch zu Fuß zu den Krankenbetten im ganzen Amt Netphen, pflegten die Patienten zu Hause und hielt Nachtwachen. Als es an Nachwuchs für das Kloster fehlte, wurde die Gemeinschaft aufgelöst. Ihre Arbeit übernahm der – ökumenische – kirchliche Pflegedienst.

Von Steffen Schwab

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