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Luckau sitzt für Stars im Sattel

08.02.2012 | 17:26 Uhr
Luckau sitzt für Stars im Sattel
Michael Luckau bei den Dreharbeiten zum Film Anonymus.

Freudenberg.„Mein Hauptjob besteht darin, möglichst unbeschadet irgendwo durchzureiten.“ So unaufgeregt beschreibt Michael Luckau seine Arbeit. Der 52-Jährige ist Stuntman und spezialisiert auf Reiten und Fechten. Wenn er über den Dreh zum aktuellen Roland Emmerich-Film „Anonymus“ spricht, wird schnell klar, dass sein Job alles andere ist als ein Ausritt ins Grüne.

Es habe in dem Film nur eine große Actionsequenz gegeben – aber die hatte es in sich. „Wir haben in einer Greenbox gedreht, etwa so groß wie ein Handballfeld“, sagt der gebürtige Düsseldorfer, der seit sechs Jahren in Freudenberg lebt.

Plötzlich erscheinen Schützen und feuern

In der Box hatte man unter anderem Burgtore platziert. Und dann begann der dreitägige Dreh: „Wir ritten mit 22 Pferden durch das Tor, flankiert von etwa 15 Hellebardenträgern. Auf den Zinnen über uns erschienen plötzlich Schützen und begannen in den engen Hof zu feuern“, beschreibt er das Szenario. Schussgeräusche, Explosionsgeschosse, Bodenexplosionen und der enge Raum – all das mussten die Reiter, darunter Luckau, sowie die Hauptdarsteller Xavier Samuel und Sebastian Armesto mit ihren Tieren bewältigen – immer wieder. Es sei seine bislang größte Herausforderung gewesen, denn Pferde seien Fluchttiere.

Seit 32 Jahren arbeitet Michael Luckau als Reiter-Stuntman. Seinem Vater folgend machte er zunächst eine klassische Ausbildung zum Dressurreiter. Im Jahr 1971 trat er der ersten deutschen Rittergruppe bei, mittlerweile gehört er dem einzigen europäischen Stuntreiterteam mit einem Pool von 250 Pferden und 120 Reitern an. „In Deutschland gibt es etwa sechs, die das Gleiche können wie ich“, schätzt er. Man müsse sich da rein entwickeln , am besten in einem professionellen Team. Stuntschulen vermittelten nur Basiswissen. Allein eine fundierte Reitausbildung dauere bis zu zehn Jahren. Hinzu käme außer Fitness vor allem die permanente mentale Kontrolle. Man dürfe bei einem Stunt nie die Kontrolle über seine Aktion verlieren. Vor allem bei der Anonymus-Actionsequenz war die permanente Kontrolle gefragt. Denn in den Drehpausen mussten die Reiter versuchen, ihre Tiere wieder zu beruhigen – für alle bedeutete das volle Konzentration, und zwar 16 Stunden täglich. „Den beiden Schauspielern rechne ich das hoch an.“ Es sei nicht selbstverständlich, dass sich Darsteller so gut bewähren. Vor allem in deutschen Produktionen werde zu wenig vor ab trainiert. Ganz im Gegenteil zu amerikanischen Drehs – für den aktuellen 3D-Streifen „Die drei Musketiere“ mit Orlando Bloom, Mads Mikkelsen und Christoph Walz habe er mit den Schauspielern vier Wochen geprobt. Diven gebe es bei Stars übrigens selten.

„Am befriedigendsten ist meine Arbeit, wenn ein Schauspieler alles selbst macht“, so Luckau. Er probe dann mit dem Pferd die Szene und gebe es dann dem Darsteller. Gefährlich werde es allerdings, wenn dieser beim Ritt zu viel Eigeninitiative entwickele. Luckaus schlimmste Verletzung in 32 Jahren sei ein Fingerbruch gewesen. Seine Gesundheit sei eben das Wichtigste, deshalb überdenke er Stunts mehrfach. „Wer unvorsichtig ist, macht den Job nicht lange“, weiß der 52-Jährige.

Irmine Skelnik

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