Lokales Engagement bietet Kliniken Chancen

Das Kreisklinikum Siegen
Das Kreisklinikum Siegen
Foto: Jens Plaum
Die Geschäftsführer der Kliniken in Siegen-Wittgenstein informierten über die Krankenhaus-Strukturgespräche.

Siegen-Wittgenstein..  „Wir sind nur Nuancen von einem Ergebnis entfernt“, sagt Hans-Jürgen Winkelmann, Chef des St. Marien-Krankenhauses.

Ende März soll das Papier präsentiert werden, mit dem die Klinikleitungen hoffen, die Anforderungen des Krankenhausrahmenplans NRW zu erfüllen. Dieser sieht unter anderem vor, 160 Betten in Siegen-Wittgenstein abzubauen. „Das entspricht einem Minus von 8,5 Prozent“, rechnet Hans-Jürgen Winkelmann vor.

Nüchtern betrachtet, so führt er weiter aus, sei das zur Zeit eigentlich nicht notwendig, denn, „wir haben eigentlich eine gute Auslastung“. Welches Haus indes in welchem Maße von den Maßnahmen betroffen sein wird, wollen Winkelmann und Kollegen nicht so recht mitteilen. Nur so viel: Die 50 Betten, auf die bereits das Diakonie-Krankenhaus Kredenbach nach der Schließung der Chirurgie verzichtet, seien in das Minus eingerechnet.

Knackpunkt bei den weiteren Verhandlungen sei die Vorgehensweise in den unterschiedlichen Abteilungen. Denn es seien, so die Erwartung der Experten, wegen des demografischen Wandels und der älter werdenden Krankenhaus-Klientel operative Bereiche eher von Einschnitten bedroht als internistische. Nichtsdestotrotz „soll sich keiner als Verlierer fühlen“, so Hans-Jürgen Winkelmann weiter.

Punkt zwei der Gespräche hinter verschlossenen Türen ist der so genannte geriatrische Versorgungsverbund. Im Blickpunkt steht dabei die kreisweite Organisation geriatrischer Medizin. „Hauptversorger ist die Geriatrie in Kredenbach, dort werden Betten zugewiesen“, betont Hans-Jürgen Winkelmann. „Das Kreisklinikum und das St. Marien-Krankenhaus ergänzen.“

Ein „schwieriges Einigungsumfeld“ sei das Thema Perinatalzentrum, also die Versorgung der Kleinsten. Der St. Marien-Krankenhaus-Chef sichert zwar den Status Quo zu – die DRK-Kinderklinik unterhält ein Perinatalzentrum Level 1 im Jung-Stilling-Krankenhaus an der Wichernstraße. Er prognostiziert allerdings schwierige Verhandlungen, die auch auf anderen Ebenen geführt werden müssten.

Der Grund: ein hoher Investitionsbedarf: „Da brauchen wir mehr Zeit.“ Alles in allem, meinen die Klinik-Leitungen, seien die Strukturgespräche – inklusive Absprachen zu einem Psychiatrie-Konzept in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe – ein geeignetes Mittel, um die Landesplanungsvorgaben zu erfüllen und die Folgen für Träger einigermaßen erträglich zu gestalten. „Wir finden eine Lösung, ohne dass sie uns von Politik oder Krankenkassen diktiert würde“, sagt Winkelmann.

Finanzen sind Thema

Diakonie-Sprecher Stefan Nitz bringt es mehr oder weniger dramatisch auf den Punkt: „Die Krankenhäuser sind gnadenlos unterfinanziert.“ Ein Beispiel: Pro Patient in der Notfallversorgung würden die Kliniken 32 Euro kassieren. Um auskömmlich arbeiten zu können, müssten das jedoch rund 120 Euro sein, zitiert Hans-Jürgen Winkelmann ein Studie, die am Dienstag vorgestellt wurde. Regionales Engagement indes berge echte Chancen auf Verbesserung, sagt er und verweist auf eine Studie der Uni Siegen. Aus Sicht der Geschäftsführer sind die Krankenhäuser „wesentlicher Pfeiler für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Siegen-Wittgenstein“.

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