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Ausstellung

Lithographien von Armin Mueller-Stahl

14.04.2010 | 17:12 Uhr

Neunkirchen. „Sparkassen haben Sinn für Bildkunst”, sagte Wolfgang Franz, Vorstand in Neunkirchen, in seiner Begrüßungsansprache für die vielen Gäste der Vernissage „Lithographien von Armin Mueller-Stahl”.

Die zeichnerische Auseinandersetzung mit Literatur und Literarten von Armin Mueller-Stahl .

Und er wies auf die gelungene Vorjahresausstellung mit Werken von Marc Chagall hin: Mehr als 1000 Besucher waren allein zu den Führungen gekommen.

„Mit den Künstlern wächst der Anspruch.” Damit leitete er über zur Präsentation von Werken des vielseitigen Schauspielers, als den ihn die meisten kennen. Auch als bildender Künstler hat Müller-Stahl sich intensiv mit Literatur und Literaten auseinandergesetzt. In Neunkirchen konnte man die gesamte „Urfaust”-Serie studieren – 20 Blätter mit Erläuterungen – und dazu Skizzen zu den „Buddenbrooks”, die in den Drehpausen auf Blättern des Rollenbuchs entstanden sind.

Hinter dunklen Flächen etwas Bedrohliches

Der Galerist Hans-Georg Hunold aus Greven, der die Ausstellung im Sparkassenfoyer (bei sehr ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen) ausgerichtet hat, wies die Besucher in seiner Werkbetrachtung nachdrücklich auf die eigenwillige Technik dieses Künstlers hin, der zunächst immer mit wenigen Strichen das Charakteristische seines Gegenstands beziehungsweise der darzustellenden Personen umreißt und bestimmte Partien dann mit Tusche übermalt – also dunkle Flächen gegen filigrane Zeichnung setzt.

Im „Urfaust”-Zyklus ist das nicht in jedem Bild so; aber dort, wo dieser Kontrast erscheint, möchte man ihm interpretative Wirkung zusprechen, auch wenn viele Entscheidungen mehr ästhetische als moralische Gründe haben mögen – immer scheint sich hinter den dunklen Flächen etwas Bedrohliches zu verbergen.

Im Übrigen muss man nicht versuchen, alle Rätsel zu lösen, die Mueller-Stahl dem Betrachter aufgibt. An vielen Stellen blitzt der Schalk hervor und lässt uns wissen, dass hier weder Goethe interpretiert noch eine Bühnenaufführung illustriert werden soll. Und da Goethes „Urfaust” recht deftig ist, sind es die Lithographien auch - nicht zuletzt, weil jedes einzelne Blatt eine ungemeine Dynamik hat: Zeugnisse künstlerischen Könnens.

Die „Buddenbrooks”-Blätter sind scheinbar etwas fili-graner, aber auch ihnen fehlt es nicht an prallem Leben, das nicht unbedingt eine Widerspiegelung von Thomas Manns Charakterzeichnungen sein muss. Thomas Mann ist auch eine der Personen, die Mueller-Stahl im Porträt festgehalten hat. Ihm leisten Sigmund Freud und Joseph Beuys Gesellschaft, Letzterer sogar als Original (in Mischtechnik auf Papier). Es fehlt auch nicht an ironisierenden und stilisierenden Selbstbildnissen.

Dazu mit erfrischender Respektlosigkeit Konterfeis von Literaturgrößen und Landschaften mit dekorativem Charme. Hingehen lohnt sich – vielleicht sogar kaufen.

Knut Lohmann

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