Liebe, Lust und Lüge: Earnest hat viel zu tun
19.02.2010 | 18:23 Uhr 2010-02-19T18:23:00+0100
Siegen. Eine alte Komödie begeisterte vor allem die Jugend. Ocar Wildes Drei-Akter „The Importance of being Earnest”, uraufgeführt 1895, lockte am Donnerstag vor allem Schüler und Studenten ins Apollo-Theater.
Und obwohl die Irrungen und Wirrungen der High Society des Viktorianischen Zeitalters eigentlich so gar nicht in die Realität der Teenager von heute passen, haben diese sich köstlich amüsiert.
Jack Worthing führt ein Doppelleben: Auf seinem Landsitz sorgt er aufopferungsvoll für sein Mündel Cecily. Doch immer wieder muss er die 18-Jährige verlassen, weil sein kleiner Bruder Earnest in London in Schwierigkeiten steckt. Den hat Jack frei erfunden, um in Englands Hauptstadt unbemerkt auf den Putz hauen zu können. Sein bester Freund Algernon kommt ihm auf die Schliche – und hat Verständnis: Denn um seiner Erbtante zu entkommen, hat er seinerseits einen kranken Freund auf dem Land erfunden. „Bunburing” nennt er das Versteckspiel – nach seinem imaginären Kumpel Bunbury.
Englischer Originaltext machte kaum Probleme
Die Tour De Force Theatre Company zeigte das Stück im englischen Original – sehr zur Freude des Publikums. Denn Wortwitze, wie Wilde sie geschaffen hat, lassen sich nur schwer übersetzen. Das beginnt schon beim Titel: „Earnest” ist nicht nur eine Schreibweise des Vornamens, sondern bedeutet übersetzt „aufrichtig”.
Die Texte der britischen Muttersprachler machten den meist jungen Zuschauern kaum Probleme. Und wer einmal nicht mitkam, konnte dennoch herzhaft lachen: Der leicht panische und deswegen oft quietschende Jack, seine wollüstige Angebetete Gwendolin oder die schrullige Bedienstete Merriman, die keine Gelegenheit ausließ, um über den Teppich-Rasen zu stolpern – alle fünf Darsteller spielten fröhlich, ungezwungen und unter vollem, auch nonverbal urkomischen Körpereinsatz die kleinen Probleme einer Gesellschaftsschicht, die zu ihrer Zeit kaum ernste Sorgen hatte.
Stück mit viel Witz und Situationskomik
Ein Streit um Muffins konnte da schon mal außer Kontrolle geraten und mit einem Krümel-Fontänen spuckenden Jack enden. Ebenso schön war der Kampf der Herren, der in einem unmännlich-kläglichen Gerangel auf dem Bühnenboden endete.
Die Zuschauer belohnten mit langem Applaus ein Stück, das einen großen Autor wie Oscar Wilde mit viel Witz und Situationskomik umsetzte, ohne dabei jemals lächerlich zu wirken.
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