Letztes Angebot für ein Altenheim
08.12.2011 | 18:13 Uhr 2011-12-08T18:13:00+0100
Freudenberg.Jochen Sting macht Ernst: Der Projektentwickler aus Wiesbaden mit Freudenberger Wurzeln hat der Stadt Freudenberg ein ultimatives Kaufangebot für das so genannte „Hotelgrundstück“ in der Gambach unterbreitet. Bis Mitte nächsten Jahres erwartet Sting eine Entscheidung vom Rat für eine längerfristige Kaufoption. Auf der 8500 Quadratmeter großen Fläche gegenüber dem Freibad will er mit Hilfe eines Investors eine Seniorenwohnanlage errichten lassen.
In seinem Schreiben an Bürgermeister Eckhard Günther macht Sting seine Zielsetzung deutlich: „Das Anliegen... ist eine letztmalige Erklärung meiner Kaufabsicht in Bezug auf das Grundstück, das seit über 20 Jahren wie sauer Bier angeboten wird. Ich möchte das Grundstück zeitnah erwerben und erwarte eine Entscheidung der Stadt bis zum 30. Juni 2012.“
Salzburger wolltenkostenlosen Bauplatz
Jochen Sting stößt mit seiner erneuten Initiative in die Lücke, die das Salzburger Unternehmen „Jugend- und Familiengästehaus“ hinterlassen hat. Trotz einer aufwändigen Machbarkeitsstudie, die die Stadt Freudenberg 28 000 Euro (bei einem Drittel Kreisbeteiligung) gekostet hat, zog sich JuFa Anfang des Jahres von dem Projekt eines Hotelneubaus mit 180 Betten in der Gambach zurück. Die Bedingungen der Österreicher waren für Freudenberg unannehmbar: So sollte die Stadt ihnen das Grundstück, dessen Wert mit 850 000 Euro in den Büchern steht, kostenlos überlassen und ferner die „öffentlichen“ Bestandteile des Hotelprojekts in eigener Regie realisieren.
Das wären etwa eine Kletter- oder Sporthalle gewesen. Freudenberg hat aber als Nothaushaltskommune keinen finanziellen Spielraum, um eine solche Investition zu schultern. So setzte die Stadt zeitweise Hoffnung auf die Siegerländer Sektion des Deutschen Alpenvereins, der als Träger der Kletterhalle in Frage kam. Doch der DAV entschied sich letztlich für einen Standort in der Stadt Siegen.
Nachdem also die Hotelansiedlungspläne vorläufig geplatzt sind, steht das einst teuer erworbene Grundstück zur Verfügung. Jochen Sting hatte sich bereits vor fast vier Jahren erfolgreich darum beworben. Der Kaufpreis, so erinnert Sting in seinem Schreiben an den Bürgermeister, sei bereits im Haushalt 2009 als Einnahme berücksichtigt worden.
Nach mehrjährigem Vorlauf sei nun das an Stelle des Altenheims getretene JuFa-Projekt „auf ganzer Linie gescheitert“, stellt Sting fest, und kann sich die Anmerkung nicht verkneifen, dass „selbst bei einer Realisierung aufgrund der Wettbewerbsverzerrungen durch die Subventionen das regionale Hotelgewerbe massiv geschädigt“ worden wäre.
Chinesen waren anHotelbau interessiert
Geplant hat der Wiesbadener eine Pflegeeinrichtung mit 80 Betten und ebenso vielen Arbeitsplätzen. Siebeneinhalb Millionen Euro sollen die Investitionskosten betragen. Jochen Sting, der derzeit als Geschäftsführer für die Domicil Senioren-Residenzen Süd GmbH in Hamburg tätig ist, hat zahlreiche Kontakte in der Branche und ernsthafte Interessenten für das Projekt an der Hand, wie er unserer Zeitung sagte.
Für Freudenberg bedeutete der Verkauf des Hotelgrundstücks das Ende eines bislang wenig einträglichen Geschäftes. Immer wieder hat es Nachfragen gegeben, zuletzt sogar von einem Hotelkonzern aus China, der via Internet auf das Areal aufmerksam wurde. Bürgermeister Eckhard Günther berichtet von einem intensiven Austausch zwischen der Stadt und den Chinesen, wozu zahlreiche Übersetzungen der E-Mails erforderlich wurden. Letztlich sprangen die Interessenten aus Fernost jedoch ab.
Jetzt will Günther das Kaufangebot von Jochen Sting an die Ratsfraktionen weiterleiten. Eine Entscheidung soll im Laufe der Haushaltsplanberatungen im neuen Jahr getroffen werden.
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