Lernen unter Kronleuchtern
09.02.2012 | 16:39 Uhr 2012-02-09T16:39:00+0100
Hilchenbach.Die Orgelpfeifen an der Stirnwand verleihen der alten Aula fast einen kirchlichen Charakter; die Kronleuchter passen in einen Festsaal – und das knarzende Eichenparkett in eine Lehranstalt aus der Zeit der „Feuerzangenbowle“. „Ein Schmuckstück des Hauses“, sagt Renate Setzer, Rektorin der Carl-Kraemer-Realschule. Und das soll es auch bleiben.
Aula war dieser Saal, aus dem sich aus hohen Rundbogenfenstern auf Hilchenbach herabblicken lässt, nur in den Jahren 1876/77, als das Lehrerseminar die Räume bezogen hatte. Für das Jung-Stilling-Gymnasium war die alte Aula Musikraum, für die Realschule, die 2008 hier einzog, Schülerbibliothek. Dem Bauausschuss stellte Renate Setzer eine Baustelle vor: Der wohl schönste Raum der Schule wird als „Selbstlernzentrum“ neu eingerichtet.
Mit der Technik des 21. Jahrhunderts
Die Jugendlichen finden hier in Zukunft nicht nur Bücher, sondern auch Platz zum Lesen und Lernen; die Ausstattung mit PCs gehört auch dazu. „Wir haben ein breit angelegtes Förderkonzept“, berichtet Rektorin Setzer. Eigenständiges Lernen zu lernen, ist seit jeher wichtiges Ziel.
Seit diesem Schuljahr kommt die besondere Unterstützung für die Schüler hinzu, die eigentlich eine Hauptschule besuchen sollten – eine Schulform, die es ab Sommer 2013 im Stadtgebiet nicht mehr geben wird.
Der Hauch der Stadt- und Schulgeschichte wird aber weiter durch die Aula wehen: Der Konzertflügel behält seinen Platz, damit hier auch in Zukunft musikalische Veranstaltungen stattfinden können. Und auch der Spieltisch der Orgel wird aus dem Flur wieder hereingeschoben, wenn die Maler ihre Arbeit getan haben. Mehr als eine Attrappe ist das imposante In-strument allerdings längst nicht mehr – es fehlt das Gebläse, das den Pfeifen Töne entlocken könnte.
Nicht nur in der alten Aula bewegen sich die rund 400 Schüler und ihre Lehrer auf historischem Boden. Auch in anderen Klassenzimmern wurden die noch nie abgeschliffenen Holzdielen wieder freigelegt. „Die waren alle mit PVC oder Linoleum verklebt“, berichtet Katrin Baldursson-Schütz, Architektin in der städtischen Bauverwaltung. Technisch hat sich das Baudenkmal allerdings längst für das 21. Jahrhundert gemausert: Letzte Errungenschaft ist die Einzelsteuerung der Heizung für jeden Klassenraum, die der Hausmeister vom Computer aus erledigt.
Die Stadt hat sich ihre letzte weiterführende Schule etwas kosten lassen. Nach der Neueinrichtung der Fachräume für die Realschule kam zuletzt 2009 die aus dem Konjunkturpaket finanzierte Fassadenerneuerung hinzu, 2011 die Lüftung für die Aula. „Wir sind noch lange nicht am Ende“, sagt Baudezernent Michael Kleber. Weitere Lüftungsanlagen müssen ausgetaucht werden, Dach und Fassade der Aula stehen zur Sanierung an. Immer noch mit rund 500 000 Euro schließt allein die Bedarfsliste für die Bauunterhaltung ab.
Dass alle Wünsche schnell erfüllt werden können, schließt Baudezernent Kleber aus. Auf Puffer im Budget kann er nicht verzichten: Denn dass hier mal eine Decke herunterkommt oder da ein Dach den Regen durchlässt, ist längst mehr ausgeschlossen. „Und damit sind eigentlich auch schon die Haushaltsberatungen für 2013 und 2014 abgeschlossen.“
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