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Leerer Zug hat keine Chance

15.11.2010 | 17:29 Uhr
Leerer Zug hat keine Chance
Werbung für Eurocity: Landrat Paul Breuer, Robert Ohler (DB) Foto: Steffen Schwab

Siegen.Im Schnitt 40 Fahrgäste steigen morgens um 6.18 Uhr in Siegen in den Eurocity aus Klagenfurt ein, etwa genau so viele kommen abends um 21.57 Uhr mit dem Gegenzug zurück. Das sind zu wenige, um das Angebot auf Dauer zu sichern.

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 läuft der Testbetrieb. Aber bis April wird die Bahn AG sich entscheiden müssen, ob sie den Fernverkehrszug für den übernächsten Fahrplan anmeldet. „Wir brauchen hundert Fahrgäste in Siegen“, sagt Robert Ohler vom Netzmanagement des DB-Fernverkehrs.

„Der Zug ist aus unserer Sicht sehr attraktiv“, sagt Ohler: Die Siegerländer könnten „morgens früh in die Welt hinausfahren und abends nach Hause kommen“. Berufspendler und Geschäftsreisende erreichen Frankfurt gegen 8, Heidelberg gegen 9, Stuttgart noch vor 10 Uhr. An der weiteren Strecke liegen attraktive Feriengebiete wie das Chiemgau, die Tauern, das Salzburger Land und der Wörthersee. Und gerade jetzt, im Advent, die Weihnachtsmärkte in Würzburg, Nürnberg und Salzburg.

„Region ist vom
Fernverkehr entwöhnt“

„Es war nicht leicht, diesen Zug zu bekommen“, erinnert Landrat Paul Breuer an die zähen Verhandlungen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) – der hatte natürlich wenig Lust, sich seinen Nahverkehr zu den Stoßzeiten durch einen Fernzug aus dem Takt bringen zu lassen. Der schnellste Zug ist der EC 113 denn auch nicht; für die Strecke von Siegen nach Frankfurt braucht er zehn Minuten mehr als der Regionalexpress. Dafür reist es sich dann auch bequem – mit dem Komfort, den ein Zug der österreichischen Bundesbahn mit „echtem“ Speisewagen halt hat.

Für Günter Padt, den Geschäftsführer des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS), ist der Fernverkehr auch wichtig, um den Nahverkehr attraktiv zu halten. Für den 6.18-Uhr-Zug hat der ZWS Bahn- und Bus-Zubringer bis hinauf nach Eslohe sichergestellt.

Eigentlich ist der EC der Nachfolger des alten Schnellzugs über Weidenau nach Oberstdorf, erinnert sich Padt an eigene Kindheits-Ferienerlebnisse: „Der war immer bis unters Dach voll.“ Landrat Paul Breuer tut sich schwer, Erklärungen für den zögerlichen Zuspruch zu finden: „Die Region ist vom Fernverkehr entwöhnt.“

Fahrgäste nehmen an
Verlosung teil

Kreis und Bahn leisten nun Nachhilfe: Fahrgäste, die vom 20. November bis 19. Dezember in Siegen in den EC einsteigen und mit dem EC in Siegen ankommen, nehmen an einer Verlosung von Bahnfahrten nach Heidelberg, Gruppentickets und Bahncards teil. Wer seine Fahrkarte (oder die Abo-Nummer seiner Zeitkarte) im Reisezentrum in die Losbox wirft, ist dabei. Die Lostrommel dreht sich, sobald die „Zielmarken“ von 1000, 3000 und 5000 Reisenden erreicht sind.

DerWesten

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Kommentare
16.11.2010
19:33
Leerer Zug hat keine Chance
von karlklaus | #5

Sie müsste günstiger sein,keine Frage.
Der Komfort ist nämlich da, vor allem wenn man weiter weg in Richtung Süden möchte. Aber zu den Preisen überlegt man sich das eben. Das alte Problem der Bahn..

16.11.2010
10:56
Leerer Zug hat keine Chance
von Adler Horst | #4

@mandarinenschale13:
Nicht Vernverkehr, sondern Fernverkehr...

Doch BTT: Schade, dass diese Verbindung nicht angenommen wird.

16.11.2010
08:45
Leerer Zug hat keine Chance
von mandarinenschale13 | #3

Oho!
Wer hätte DAS ahnen können, nachdem der Interconnex ja auch schon gescheitert war, weil er immer hinter den Regionalzügen nach Hagen herbummeln musste. Ein Blick in den Fahrplan zeite auch beim Eurocity schon zu Beginn, dass das nichts wird. Wer zahlt denn den Eurocity-Zuschlag, wenn der mit dem Nahverkehr genausoschnell in Giessen und Frankfurt ankommen kann - und dazu noch mehr Zustiegsmöglichkeiten hat? Das war eine Wahlkampfmasche und als ernstzunehmende Bahnverbindung ein totgeborenes Kind. Siegen ist kein Vernverkehrs-Systemknotenpunkt mehr, es gibt ja noch nicht einmal mehr Gepäckbänder im Bahnhof. Das, was es an anderen Bahnhöfen gibt, nämlich Vernverkehrs-Umsteiger, fehlt in Siegen also völlig, besonders um 6 Uhr morgens. Und wer aus dem Siegener Umland fährt morgens mit dem eigenen Auto um vor sechs zum Siegener Hauptbahnhof, wenn er genausogut sofort mit dem Auto Richtung Frankfurt auf die Autobahn gehen kann? Sprich: Die Zielgruppe dieses Zuges dürfte so aussehen: In Siegen Stadt wohnend, um 6 Uhr morgens nach Giessen oder Frankfurt fahren wollend, wohlhabend genug, nicht mit dem genauso langsamen Nahverkehr zu fahren (damit sind alle Studenten ausgeschlossen), aber dennoch nicht gewillt, das Auto zu nehmen. Wieviele das wohl täglich sein mögen?

15.11.2010
23:14
Leerer Zug hat keine Chance
von hannes23 | #2

siegen - köln... stimmt... eine echte zumutung. das wäre ein super zug für pendler. 45 min. nach köln. seufz.

15.11.2010
21:06
Leerer Zug hat keine Chance
von shhhh | #1

In einer Welt, in der ein Zug 1 Stunde und 47 von Siegen nach Köln unterwegs ist, und in der Regel noch nicht mal pünktlich ankommt, sollte man sich nicht wundern, wenn keiner solche Angebote nutzt.

(Protipp: Statt einfach beschließen vielleicht einfach mal die entwöhnten, aber dennoch mündigen Bahnfahrer fragen!)

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