Lebensmittel sind zu gut für die Tonne

Supermärkte mit großem Angebot können oft nicht ihre gesamten Bestände verkaufen. Die „Foodsaver“ wollen verhindern, dass die Reste auf dem Müll landen.
Supermärkte mit großem Angebot können oft nicht ihre gesamten Bestände verkaufen. Die „Foodsaver“ wollen verhindern, dass die Reste auf dem Müll landen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die Organisation „Foodsaving“ will Nahrungsmittel vor dem Müll bewahren. Auch in Siegen versuchen Mitglieder, Supermärkte von ihrer Idee zu überzeugen.

Siegen..  200 Gramm Reis hat Esteban Shure in seinem Mülleimer gefunden. 200 Gramm Reis, die ihn ärgern, die er nicht im Mülleimer finden wollte. Sein Mitbewohner hat sie gedankenlos weggeworfen. „Mit dem muss ich nochmal reden“, sagt er. Esteban Shure ist gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln. Er ist in der Organisation Foodsaving aktiv, die verhindern will, dass Lebensmittel weggeworfen werden.

Die Organisation

Um Lebensmittel zu retten gehen die Mitglieder nicht in private Haushalte und belehren die Menschen, sondern wenden sich an direkt an die Supermärkte vor Ort. Mit ihnen wird eine Kooperation geschlossen. Lebensmittel, die die Unternehmen eigentlich wegwerfen wollen, werden von den „Foodsavern“ kostenfrei abgeholt.

Die Unternehmen

„Die Unternehmen haben durch unsere Arbeit nur Vorteile“, erklärt Oliver Stickel, der ebenfalls mitmacht. „Für die Unternehmen fallen Entsorgekosten weg und sie fördern sogar ihren sozialen Ruf.“ Doch trotz der Vorteile, die die Unternehmen durch die Beteiligung an Foodsaving hätten, funktioniere das Projekt in Siegen nicht auf dem Level, auf dem Oliver Stickel es sich wünscht.

„Die Unternehmen unterschreiben natürlich einen Haftungsausschluss. Uns ist bewusst, dass die Risiken bei älteren Lebensmitteln erhöht sein können. Die Läden sind aber aus der Haftung raus“, versichert Esteban Shure. Trotzdem bestehe zur Zeit keine Kooperation in Siegen. Angefragt habe man, aber die Filialstrukturen seien sehr kompliziert und man habe nur Absagen bekommen, so die Foodsaver. Klaus Wolf, Filialleiter vom Denn’s Biomarkt in Weidenau, räumt ein, dass es so eine Anfrage gegeben haben könnte. An und für sich sei Foodsaving eine gute Sache, führt er aus, aber die Menge an Lebensmitteln, die hier übrig bleibe, sei für solche Organisationen zu gering. „Wir kooperieren außerdem mit einem Nichtsesshaften-Café in der Nähe. Die kommen her und holen Lebensmittel ab, die wir auch reduziert nicht mehr verkaufen können“, erzählt er.

Die Abnehmer

Oliver Stickel kann verstehen, dass Supermärkte Lebensmittel eher an Bedürftige verteilen wollen. „Die Tafel leistet zum Beispiel gute Arbeit, aber sie geht den Standardweg, die Menschen brauchen einen Bedürftigenschein.“ Den Foodsavern gehe es aber nicht darum, den Bedürftigen zu helfen, sondern das Bewusstsein gegen Verschwendung von Lebensmitteln zu wecken und die Leute selbst zu aktivieren.

Die Szene

Oliver Stickel und Esteban Shure sind nicht nur bei Foodsaving aktiv. In Siegen gebe es eine ganze Gemeinschaft von Menschen, die sich einen urbanen Lebensstil wieder aneignen möchte. Dazu gehört das gemeinsame Gärtnern, aber auch die digitale Freiheit und Kreativität. Die Mitglieder dieser Szene seien eng vernetzt erklärt Oliver Stickel: „Wir wollen als Bürger mehr Teilhabe an Aspekten des täglichen Lebens, in denen wir sonst ohnmächtig sind, besonders auf industrieller und wirtschaftlicher Ebene.“

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