Lebensader für Wittgenstein oder Ärgernis?
15.05.2008 | 21:31 Uhr 2008-05-15T21:31:00+0200Siegen-Wittgenstein. (wp) Roland Abel nannte es „mutig”, dass Willi Brase gestern Abend zum Thema Ortsumgehungen und B62n in den Gasthof Merje in Kredenbach eingeladen hatte.
Gekommen waren Vertreter aus Politik und Verwaltung vieler betroffener Kommunen, außerdem von Bürgerbewegungen, die sich gegen den Straßenbau richten. Nach mehr als zwei Stunden Diskussion stand eines fest, die Positionen sind ziemlich verhärtet. Trotz aller Appelle, füreinander Verständnis zu haben.
„Wir warten auf diese Straße, je schneller, desto besser”, sagte Karl-Ludwig Völkel, Bürgermeister von Erndtebrück. Um die Arbeitsplätze im Wittgensteinschen auf lange Sicht zu sichern, müsse endlich eine vernünftige Verkehrsanbindung für die Industrie geschaffen werden, außerdem für die Bürger ans Oberzentrum Siegen. Willi Brase äußerte Verständnis für jeden, der vom Straßenbau betroffen sei. Er müsse aber den Gesamtkreis im Blick haben und sei auch den Wittgensteinern verpflichtet. „Mit welchem Recht bestreiten Sie diesen Menschen ihr Anrecht auf ein vernünftiges Leben, dass sie ohne diese Straße nicht haben”, wehrte er sich gegen den Vorwurf, mit dem Ja zu den Umgehungen geradezu ein Verbrechen an den Buschhüttenern zu begehen. Dort soll die Kreuztaler Südumgehung zur Entlastung des Ferndorftales beginnen.
„Wir haben in Buschhütten schon die Belastung durch einen Rangierbahnhof und durch unverantwortlich schlecht geplante Brücken, mehr brauchen wir nicht”, schimpfte ein Anlieger. Der Sprecher der vereinigten Bürgerinitiativen Dieter Binger fühlte sich am Ende des Abends bestätigt, dass es nicht nur um bloße Umgehungen gehe, „sondern um eine Fernstraße als Ersatz für die A4”. Und dagegen müssten sich die betroffenen Bürger auf das Äußerste wehren. Ludger Siebert, Leiter des Landesbetriebes Straßenbau NRW, stellte die Planungen vor und nannte die Kette der Ortsumgehungen von Kreuztal bis Erndtebrück unumgänglich. Die Menschen müssten entlastet werden, der Ist-Zustand der Straßen sei eine Zumutung. Niemand müsse einen vierspurigen Ausbau befürchten. Geplant seien drei Spuren, die allerdings nicht einmal komplett durchgehalten werden könnten.
Im Bereich Lützel etwa gehen die Planer durchgehend von zwei Spuren aus. Der Bürgerbeteiligung für den Kreuztaler Abschnitt soll Anfang 2009 erfolgen, der Bau könne 2011 fertiggestellt sein, stellte Siebert in Aussicht. Für Aufregung sorgte die Ankündigung, in Erndtebrück müssten drei Tunnels gebaut werden. „Das wird die Diskussion auch in Kreuztal noch einmal anheizen”, kündigte Karl-Heinz Schleifenbaum für die SPD an. Endgültig „gestorben” sei der Kreuztaler Tunnel in der Planung noch nicht, antwortete Ludger Siebert.
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