Laute Kritik von Wenigen

Siegen..  Wenn es nach Kreisdirektor Frank Bender geht, ist das Planfeststellungsverfahren für den Weiterbetrieb der Deponie Fludersbach bis Ende des Jahres mit einem positiven Bescheid der Bezirksregierung in Arnsberg abgeschlossen. Gemeinsam mit Siegens Stadtbaurat Michael Stojan und einigen Mitarbeitern aus Kreis- und Rathaus stellte er die Hintergründe am Mittwochabend in der ehemaligen Feuerwache in der Fludersbach der Öffentlichkeit vor. Das Interesse hielt sich in Grenzen.

Die Organisatoren hatten mehr als 100 Stühle bereitgestellt, maximal 40 davon waren besetzt. Ein großer Teil der Besucher waren zudem Ratsmitglieder.

Für Mensch und Tier ungefährlich

Zunächst machten Frank Bender und sein Team deutlich, dass die Deponie für den anfallenden Erdaushub der heimische Bauwirtschaft und der privaten Häuslebauer gleichermaßen wichtig sei. Die Erweiterung des Annahmekataloges vom jetzigen Zustand DK0, der eben Baustoffe schon umfasst, mit der die ehemalige Mülldeponie seit 2009 „profiliert“ wurde, auf DK1, dazu gehören Schlacke, Filterstaub, Gießformen und –sande, betrachtet Bender ebenfalls als Service für die Unternehmen aus der Region. Eine Kontaminierung des Bodens durch etwaige giftige Rückstände, wie sie Martin Gräbener, Vorsitzender der Linken-Fraktion im Rat Siegen und Anwohner, lautstark kritisierte, befürchtete Bender ausdrücklich nicht. Jeder Betrieb, der etwas anliefere, müsse ein entsprechendes Gutachten vorlegen, werde ansonsten abgewiesen.

Die Beamten aus dem Kreishaus unterrichteten über die Ergebnisse von fünf Fachgutachten. Die Ergebnisse seien eindeutig. Ein Weiterbetrieb der Anlage sei für Mensch und Tier ungefährlich, die errechneten Zahlen für Staubentwicklung und Lärm blieben allesamt weit unter den erlaubten Grenzwerten. Diverse Szenarien für eine alternative oder zusätzliche Zuwegung als Entlastung für die Fludersbach wurden im Gutachten von Prof. Jürgen Steinbrecher als teuer und zugleich nicht entlastend verworfen. Dass der Professor der Siegener Uni wegen eines Vortrages auf Malta seine Ausführungen nicht persönlich erklären konnte, wurde von Martin Gräbener bedauert, der den Vertretern auf dem Podium Verschleierung der eigentlichen Tatsachen vorwarf und Frank Bender auch persönlich angriff. Dieser habe sich im Vorfeld ausdrücklich gegen eine Bürgerinformation ausgesprochen, so Gräbener, und zweifelte unter Beifall der wenigen anwesenden Fludersbacher die vorgebrachten Verkehrszahlen an. Das Aufkommen sei viel höher und schon jetzt unerträglich.

Klagen über Lärm und Verkehr

Gräbener kenne die Zahlen und Fakten besser, als er vorgebe, wies Bender den Vorwurf zurück. Anwohner der Fludersbach klagten unisono über die Verkehrs- und Lärmsituation. „Wir sind nicht die einzigen, die Verkehr verursachen“, antwortete Frank Bender. Kreisdirektor und Stadtbaurat versprachen aber, in Sachen Verkehrskontrolle noch einmal tätig zu werden. Ansonsten habe jeder Bürger in den kommenden Wochen das Recht, seine Einsprüche vorzubringen. Ein anderer Anwohner hielt nichts davon, viel Geld für Gutachten auszugeben, die doch nur das bestätigten, was der Auftraggeber lesen wolle. Er habe vor sechs Jahren ein Haus in der Fludersbach gekauft, im Bewusstsein, dass die Deponie geschlossen werde.