Kunst von der Himmelsleiter zum Planetenmodell

Auf der Schemscheid steht ein Modell des Sonnensystems, wie es in Europa kein zweites gibt: Der alte Gasbehälter ist die Sonne, drum herum sind Kugeln als Planeten angeordnet. Es ist eines der Projekte von Bernd Rabanus.
Auf der Schemscheid steht ein Modell des Sonnensystems, wie es in Europa kein zweites gibt: Der alte Gasbehälter ist die Sonne, drum herum sind Kugeln als Planeten angeordnet. Es ist eines der Projekte von Bernd Rabanus.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Bernd Rabanus greift nicht nach den Sternen – sondern nach Planeten. Auf seine Initiative entstand das Planetenmodell auf der Schemscheid. Und vieles mehr.

Siegen..  Man muss schon einige Kilometer durch Siegen gehen, um all das zu bewundern, was Bernd Rabanus in den letzten Jahren ins Rollen gebracht hat. Am Fuße des Fischbacherbergs, wo er vor 66 Jahren geboren wurde, beginnt der Weg. Dort steht der große Gasballon, einer der ältesten genieteten Behälter der Welt, mit einem Durchmesser von knapp 16 Metern, gebaut 1934/35.

Das Planetenmodell

1999 hatte Bernd Rabanus die Idee, diesen stillgelegten Ballon als Erdkugel zu bemalen und dadurch einen riesigen Globus zu schaffen. Antwort der zuständigen Behörde: „Das geht nicht. Der Gasballon ist ein Industriedenkmal.“
Idee Nr. 2: Ein Planetenmodell zu entwickeln mit dem Gasbehälter als Sonne. Mit Schülern des Peter-Paul-Rubens-Gymnasiums berechnete er, wie groß die einzelnen Planeten im Vergleich zur Sonne werden müssten: Von Erbsengröße bis Kürbisdicke ist alles dabei. So entstand das größte Anschauungsmodell des Sonnensystems in Europa. Nur der Jupiter mit einem Durchmesser von 1,60 Metern fehlt. Die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

Von der Planung über den Antrag der Baugenehmigung bis zur Umsetzung: Die Schüler waren immer eingebunden. Praktischer und anschaulicher kann Unterricht nicht sein. Für die Herstellung der Edelstahlkugeln fand Bernd Rabanus eine Siegerländer Spezialfirma, die Betonsockel der Planeten stellte eine Lehrwerkstatt in Kreuztal her. Finanzielle Unterstützung kam von vielen Seiten. 800 Firmen spendeten im Schnitt 90 Euro und unterstützten ein Planetenmodell, das in Europa einmalig ist.

Die Himmelstreppe

Der Weg führt durch die Innenstadt in die Nähe des Arbeitsamts zur längsten und steilsten Treppe Siegens, von der Nordstraße hinauf zur Marburger Straße. Diese Treppe, auch „Asthmapfad“ genannt, hat Bernd Rabanus gemeinsam mit Schülern der Nordschule in eine Himmelsleiter verwandelt: Sternbilder zieren den Weg nach oben.

Das Städtewappen

Ganz oben, am höchsten Punkt des Schlossparks, auch „Krebs“ genannt, setzt Bernd Rabanus eine Idee um, die er beim Einsammeln von Sponsorengeldern bekam: „Ich habe viele Firmen kennengelernt, die Weltmarktführer sind. Meine Idee: Man könnte die Verortung Siegens auf der Erde sichtbar machen, etwa durch die Wappen von Städten aus aller Welt.“

Für dieses Projekt, mit dem er 2001 begann, hat der damalige Bürgermeister Ulf Stötzel die Schirmherrschaft übernommen. Auch hier hat Rabanus Schulklassen Siegerländer Schulen eingebunden. Diese erbitten durch Briefe an die jeweiligen Stadtoberhäupter deren Einwilligung zum Verwenden ihrer Stadtwappen. Die Brieftexte werden im Unterricht in der Sprache des Empfängerlandes erarbeitet. 168 Briefe in 15 Sprachen für 168 Wappen, von Englisch über Norwegisch bis Koreanisch. Viele Antworten der Bürgermeister sind zurückgekommen. Alle sehr freundlich, in der Landessprache, auf offiziellem Briefpapier – und mit der Genehmigung, dass ihre Wappen auf Siegens schönstem Aussichtsplatz angebracht werden können: Als Bronzetafel, gegossen von der Glockengießerei Rincker in Sinn. Im Siegerland gibt es keine Firma, die diesen speziellen Auftrag hätte erfüllen können. So weiß der aufmerksame Besucher des „Krebs“ genau, in welcher Himmelsrichtung und in welcher Entfernung von dort aus die Städte der Welt von Bern über Peking bis Sidney zu finden sind.

Warum noch nicht alle 168 Wappen angebracht sind? Bernd Rabanus ganz gelassen: „Ich suche noch Sponsoren. Eine Tafel kostet 480 Euro.“

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