Kunst vereint Architektur im Museum für Gegenwartskunst

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Was wir bereits wissen
Die neue Ausstellung in Siegen wurde von Künstlern aus aller Welt mitgestaltet. Künstlerin und Kuratorin Ingibjörg Jónsdóttir aus Island ergänzt die Ausstellung mit einem eigenen Werk

Siegen..  Ingibjörg Jónsdóttir reist viel. Die Künstlerin und Kuratorin verlässt ihre Heimat Island und sucht weltweit nach besonderen Künstlern. Gefunden hat sie Menschen aus Japan, Brasilien, Argentinien und dem Libanon. Auch Werke einer deutschen Künstlerin sind in „Wie Raum wird“ im Museum für Gegenwartskunst zu sehen. Die Arbeit von Ingibjörg Jónsdóttirmacht die Ausstellung komplett. Auch wenn es dafür einige Überredungskunst brauchte.

Ingibjörg Jónsdóttir

Die Isländerin lässt die Betrachter an ihrem Experiment teilhaben: „Die Erforschung von der Interaktion zwischen Materie, Struktur und Raum und wie sie den sinnlich wahrnehmenden Körper ansprechen.“ In der Ausstellung, aber auch in ihren eigenen Werken, die sie aus Röhren herstellte, sind Bezüge zu Naturphänomenen zu entdecken. Ihre Skulpturen ähneln wuchernden Pseudokristallen. „Ingibjörg Jónsdóttir arbeitet intuitiv, dabei geht sie von wissenschaftlichen Theorien aus“, erläutert Museumsmitarbeiterin Ines Rüttinger.

Monika Grzymala

Die deutsche Künstlerin hat einen Raum mit verschiedenen Klebebändern verklebt, die sich von einer Wand zur anderen spannen. Vier Tage und mehr als 7,5 Kilometer Klebeband brauchte sie. Dass die Schwerkraft ihr Kunstwerk mit der Zeit verändert, gehört für sie zum künstlerischen Prozess.

Rintaro Hara

Der Japaner studierte Kunst in Tokio und am Sandberg Institut in Amsterdam. 15 Styroporbälle schickt er auf einer Installation von miteinander verbundenen Fäden auf eine Reise durch den ganzen Raum. Es erscheint fast, als würden die Kugeln in der Luft schweben.

Mona Hatoum

Mit dem Exil, Verlusten und Erfahrungen von Gewalt und Angst beschäftigt sich die Skulptur der Libanesin. Sie hat für ihre Skulptur ein in Jerusalem gefundenes Bettgestell verwendet. Nylonfäden fixieren das Bett und – symbolisch – den Körper an Eisenhaken. Ihr Werk hat sie „Lili (stay) out“ genannt, eine Anspielung auf Gullivers Werk.

Ryuji Nakamura

Der zweite japanische Künstler arbeitet eigentlich als Architekt in Tokio. Seine räumliche Wahrnehmung spiegelt sich in seinen Plastiken wider, die eine Wiederholung des immer gleichen Musters sind und sich so zu einer Säule stapeln. Ihre fragile Erscheinung macht ihre Funktion als Träger fast unmöglich.

Ernesto Neto

Mit Feinstrumpfhosen und Sand hat der Brasilianer eine echsenartige Installation geschaffen, die sich durch den ganzen Raum windet. Der Gegensatz von leichter Hülle und dem sandigen Inhalt betont den Kontrast zwischen Zartheit und Spannung.

Ragna Róbertsdóttir

Die älteste Künstlerin der Ausstellung hat Hanfstränge gebündelt und gestapelt. Der intensive Duft versetzt Besucher in eine andere Welt. Der Kontrast zwischen sauber gestapelten Bündeln auf der einen Seite und der nur halb, unfertig ausgerollten Rolle auf der anderen Seite des Raums erweckt den Eindruck, als wäre Ragna Róbertsdóttir noch bei der Arbeit.

Tomás Saraceno

Inspiriert von Spinnennetzen schuf der Architekt ein Netzwerk, das sowohl biologische als auch kosmologische Bezüge herstellt. Dazu beobachtet er verschiedene Spinnenarten und lässt sie komplexe dreidimensionale Netze spinnen. Im Museum für Gegenwartskunst stellt er zudem ein kleines, sehr filigranes Netz gesponnen von der Cyrtophora citricola aus. Die Baumeisterin ist mit ihrer bei der Häutung abgestreifte Haut im Schaukasten präsent.

Die Ausstellung „Wie Raum wird“ ist vom 21. Juni bis zum 18. Oktober im Museum für Gegenwartskunst zu sehen; Vernissage ist am Sonntag.