Krombacher-Pionier Friedrich Schadeberg feiert 95. Geburtstag

62 Jahre stand Friedrich Schadeberg mit an der Spitze des Unternehmens. Nun feiert er seinen 95. Geburtstag.
62 Jahre stand Friedrich Schadeberg mit an der Spitze des Unternehmens. Nun feiert er seinen 95. Geburtstag.
Foto: Krombacher
Was wir bereits wissen
Friedrich Schadeberg, der Krombacher als Marke groß machte, feiert am 23. April seinen 95. Geburtstag - wie passend: denn es ist auch "Tag des Bieres".

Kreuztal.. Er würde wahrscheinlich abwinken, wenn man ihn als Doyen der deutschen Brauwirtschaft bezeichnen würde. Führende Persönlichkeit und Ältester - beide Bedeutungen treffen auf Friedrich Schadeberg zu, den Seniorchef der Krombacher Brauerei.

Fußball-WM An diesem Donnerstag, dem Tag des Bieres, feiert er seinen 95. Geburtstag. Und vor 499 Jahren, am 23. April 1516, erließ Herzog Wilhelm IV. von Bayern das für die Brauszene immer noch bedeutungsvolle deutsche Reinheitsgebot - ein glücklicher Zufall.

Pionier der Brauwirtschaft

62 Jahre mit an der Spitze eines Unternehmens - das ist ein sehr seltenes Ereignis in der deutschen Wirtschaft. Zumal, wenn es mit einer stetigen Weiterentwicklung verbunden ist. Schadeberg führte das Unternehmen von einer kleinen regionalen Dorfbrauerei zu einem der ersten Anbieter in der deutschen Getränke- und Brauwirtschaft. Dafür müssen viele Weichen richtig gestellt werden. Die erste war, sich auf Bier nach Pilsener Brauart als einziges Produkt zu konzentrieren und es zu bewerben.

Brauereien „Ich habe Krombacher frühzeitig als Markenartikel begriffen und mit einer gezielten Werbung für die Konsumenten begonnen. Erst in der Heimatregion, dann im Ruhrgebiet und in Westfalen, schließlich auf nationaler Ebene.“ Die Werbung aus den späten 60-er Jahren mit dem Förster und dem Spruch „Freunde, lasst uns einen krombachern“ - Ältere erinnern sich noch - war seine Idee. Ebenso die Naturpositionierung der Marke mit der Krombacher Insel.

Dabei ist Schadeberg gar kein Siegerländer. 1920 in Neuwied geboren, studierte er nach dem Krieg in München Brautechnologie und arbeitete ab 1953 mit den Titeln Diplom-Braumeister und Diplom-Brauingenieur als Prokurist bei der damals noch überregional unbekannten Krombacher Brauerei. Eigentümer ist er, zusammen mit seiner Schwester, der Kunstmäzenin Barbara Lambrecht-Schadeberg, seit 1961. Später kam dann noch Sohn Bernhard, der im Oktober dieses Jahres 50 wird, als Gesellschafter hinzu. Ihm übertrug Friedrich Schadeberg 2001 die Geschäftsführung. Dessen Schwester Petra vertritt die Interessen der Brauerei im Ausland.

Bier-Markt im Wandel

Wie stark der Markt im Wandel ist, das weiß Friedrich Schadeberg am besten. 1967 wurde beim Ausstoß die Grenze von 500.000 Hektoliter übertroffen - Krombacher gehörte damit zu den 20 größten Brauereien Deutschlands. Der Erfolg des Krombacher Pilses beruhe auch auf den „diätetischen Bedürfnissen des Publikums, das in einer Zeit des Wohlstandes den mastigen Bieren weniger hold ist und stattdessen ein Bier mit betontem Erfrischungscharakter bevorzugt“, kommentiert die Fachzeitschrift „Die Brauerei“ schon 1960.

Brauerei Die Konkurrenz aus Dortmund bekommt das von Jahr zu Jahr mehr zu spüren. 1972 beträgt der Ausstoß erstmals mehr als eine Million Hektoliter, 2006 über sechs Millionen Hektoliter. Aber das veränderte Verbraucherverhalten und der insgesamt sinkende Bierdurst zeigen auch bei Deutschlands führender Biermarke erste Spuren. Die jährlichen Zuwachsraten vor allem beim Pilsausstoß schäumten zuletzt nicht mehr über wie noch vor Jahren. Was will der Kunde? Schadeberg: „Der Verbraucher ist das Maß aller Dinge. Aufgabe eines Markenartiklers wie Krombacher ist es, die Veränderung der Verbraucherwünsche zu analysieren. Der Verbraucher erwartet neue Produkte und neue Gebinde“.

Klingt wie ein Vermächtnis an die nachfolgende Generation.