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Erfolgsgeschichte mit Wermutstropfen: ZWS bekommt vom...

Kreuztaler begießen rollenden „Flirt”

15.09.2008 | 20:30 Uhr
Kreuztaler begießen rollenden „Flirt”

Mit kräftigem Schütteln sorgte Bürgermeister Rudolf Biermann dafür, dass der Schampus nicht nur den Triebwagenzug, sondern gleich auch die ganze Festgesellschaft auf Bahnsteig 3 mit„taufte”: Der „FLIRT”-Triebwagenzug von Abellio trägt nun den Namen Kreuztal.

Info
Zu spät: Kyrill, Streik und Baustellen
  • Im Juni waren nur 62,62 Prozent der Züge auf den Linien RE 9 und RE 99 (Frankfurt-)Gießen-Köln pünktlich (nicht mehr als fünf Minuten verspätet). Die Dreiländerbahn (Siegeb-Bad Berleburg, Finnentrop-Olpe, Siegen-Dillenburg) schaffte im Juli zwar 98,87 Prozent Pünktlichkeit (nicht mehr als drei Minuten später) - aber nur, weil wegen der Baustelle auf der Siegstrecke die Linie Siegen-Au überhaupt nicht fuhr. Die Hellertalbahn schaffte im Juni nur 84,24 Prozent Pünktlichkeit, weil die Züge in Betzdorf zehn Minuten auf die verspäteten Anschlüsse der Siegstrecke warteten.
  • Im Jahr 2007 waren im ZWS-Gebiet 85,8 Prozent der Züge pünktlich, im gesamten Zweckverband Westfalen-Lippe 88,13 Prozent (2006: 89,39 Prozent). Neben dem Lokführerstreik hat sich Kyrill ausgewirkt. In Westfalen-Lippe sind 1,45 Prozent der bestellten Züge nicht gefahren, im ZWS 2,89 Prozent, auf der Dreiländerbahn sogar fast vier Prozent.

„Ein sehr schönes Stadtwappen, das auf dem Zug sehr gut aussehen wird”, fandRonald R.F. Lünser, Geschäftsführer von Abellio Rail. Für Günter Padt, Geschäftsführer des Zweckverbandes Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) war es - nach „Siegen-Wittgenstein”, „Siegen” und „Finnentrop” die vierte Zugtaufe im Ver bandsgebiet, seit der neue Vertragspartner die Züge auf die Linien RE 16 (Siegen-Essen) und RB 91 (Siegen-Hagen) schickt. Die Neugestaltung des Kreuztaler Bahnhofs und das Zusammenspiel von DB, Stadt und ZWS sei „ein Vorzeigeprodukt”, sagte Padt. „Das wird dazu beitragen, den öffentlichen Nahverkehr in der Region zu stärken.” Das sah Bürgermeister Biermann nicht anders: Renoviertes Gebäude und neu gestaltetes Umfeld seien „Ergebnis eines hoch ambitionierten und in der Geschichte der Stadt Kreuztal sicher auch einmaligemn Großprojekts”. 60 Mitarbeiter hat Abellio, ein aus den Essener Stadtwerken hervorgegangenes deutsch-britisches Unternehmen, im Ruhr-Sieg-Netz im Einsatz. Hagen ist der Betriebssitz des Verkehrsunternehmens, das wachsen will: „Wir sind weiter auf der Suche”, sagte Geschäftsführer Lünser der WR. Neben ehemaligen Lokführern der Bahn AG haben auch ausgebildete Mechatroniker, Elektriker und Metallbauer die Chance auf die Fortbildung. Seit Abellio Ende 2007 den Betrieb übernommen hat, haben die 17 „Flirts” - die Abkürzung steht für „Flinker Leichter Innovativer Regional Triebzug” - 2,6 Milionen Kilometer zurückgelegt, rund 30 000 Fahrten absolviert und, Stand Sonntag Nachmittag, 8 436 Mal in Kreuztal gehalten. „Die Qualität stimmt, die Pünktlichkeit ist gut.” Dass die Züge auch innen noch wie neu aussehen, führt Lünser neben der Video-Überwachung auch auf die Durchgängigkeit der Züge ohne Abteiltüren durch: „Daraus ergibt sich eine große soziale Kontrolle.”

 Kein Thema auf dem Bahnsteig war die Diskussion, die der ZWS derzeit hinter den Kulissen mit der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) führt, in der die Verkehrsunternehmen VWS, BRS, DB und Hellertalbahn zusammengeschlossen sind. Die VGWS verweigert Abellio die Mitgliedschaft, weil das Unternehmen nicht auf eigene Rechnung, sondern im Auftrag des ZWS fährt. Der ZWS wiederum ist Zweckverband der Städte, Gemeinden und Kreisen - aber kein „Eisenbahnverkehrsunternehmen”. Und bleibt deshalb ebenfalls außen vor.

 Aktuell bezahlt der ZWS zwar seinen Anteil an den Kosten für RE 16 und RB 91, bekommt aber nichts vom Erlös der vor allem von der Bahn AG verkauften Fahrkarten ab. „Das wird auf die Dauer schwierig”, sagte ZWS-Geschäftsführer Padt der WR. Geld fließt derzeit nur aus den Fahrkartenautomaten in den Flirts - bis Jahresende werden zwei Millionen Euro fehlen. Die ZWS-Verbandsversammlung hat jetzt beschlossen, den Einstieg in die Verkehrsgemeinschaft anzustreben, aus der dann ein „echter” Verkehrsverbund würde. Günter Padt: „Wir lassen nicht locker.”

Steffen Schwab


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