Krankenhaus-Krach in Siegen - Kreisklinik plant Kardiologie

Das St.-Marien-Krankenhaus kritisiert Pläne des Kreisklinikums.
Das St.-Marien-Krankenhaus kritisiert Pläne des Kreisklinikums.
Foto: Irmine Skelnik
Was wir bereits wissen
Die Geschäftsführer des St.-Marien-Krankenhauses in Siegen kritisieren Pläne des Kreisklinikums, eine eigene Kardiologie aufzubauen. Das sei ein sinnloses Wettrüsten, werfen sie Landrat Breuer vor, der auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Kreisklinikums ist.

Siegen.. Die Geschäftsführung des St.-Marien-Krankenhauses kritisiert Planungen des Kreisklinikums zum Aufbau einer eigenen kardiologischen Abteilung. Die Kardiologie ist seit Jahrzehnten medizinischer Schwerpunkt und wirtschaftlicher Grundpfeiler des katholischen Krankenhauses. Dass das Kreisklinikum gerade in diesem Bereich „ohne Absprache mit den Betroffenen und ohne erkennbare Defizite in der bisherigen kardiologischen Versorgung“ eine Konkurrenzsituation aufbaue, schwäche alle Krankenhausträger in Siegen gleichermaßen.

Mit dem Aufbau einer Kardiologie wolle man nicht in einen Wettbewerb treten, betont Bertram Müller, Geschäftsführer des Kreisklinikums. Die Abteilung solle vielmehr die Neurologie des Hauses stärken.

In einem Schreiben an Landrat Paul Breuer, das dieser Zeitung vorliegt, fordern die Geschäftsführer des Marien-Krankenhauses, Hans-Jürgen Winkelmann und Christoph Rzisnik, „auf destabilisierende, unnötige Eingriffe dieser Art zukünftig zu verzichten.“ Breuer ist auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Kreisklinikums. Mit dem Vorhaben verlasse das Kreisklinikum den bislang erfolgreichen Weg der einvernehmlichen Strukturgestaltung für die Krankenhausversorgung in der Region. Die Geschäftsführer warnen vor einem Abdriften in ein „sinnloses Wettrüsten“. Die von Breuer 2011 initiierten Krankenhausstrukturgespräche für die Region würden durch solche Vorhaben konterkariert. Verwaltungsrat, Geschäftsführung und Chefärzte seien enttäuscht, dass „ausschließlich auf Kosten unseres Unternehmens Fakten geschaffen wurden, die zum Zeitpunkt ihres Bekanntwerdens umumkehrbar waren.“

Im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Kardiologie am Kreisklinikum sollen Mitarbeitern der kardiologischen Abteilung am Marien-Krankenhaus Vertragsangebote vorgelegt worden sein, heißt es in dem Schreiben: „Zutiefst irritiert nehmen wir zur Kenntnis, dass der Aufbau dieser Kardiologie ausschließlich mit Mitarbeitern des St.-Marien-Krankenhauses vollzogen wird, die zu diesem Zwecke bereits mit entsprechenden Vertragsangeboten versehen wurden.“

„Es gab keine Abwerbung“

„Es ist noch überhaupt nichts entschieden. Die Darstellungen der Geschäftsführung sind auch nicht korrekt“, sagte Breuer auf Nachfrage. Die Planungen stünden auch ganz am Anfang. Der Geschäftsführer des Kreisklinikums, Bertram Müller sagte dieser Zeitung, ein Oberarzt des Marien-Krankenhauses sei mit dem Wunsch zu Wechseln auf das Kreisklinikum zugekommen. Von einer Abwerbung seitens seines Hauses könne also keine Rede sein. Das Kreisklinikum suche seit langem einen Kardiologen. „Wir haben eine große Neurologie. Dort benötigen wir kardiologische Kompetenz.“ Die Suche sei in der Vergangenheit aber nicht erfolgreich gewesen. „Wir haben die Stelle ausgeschrieben und Headhunter engagiert. Ohne Ergebnis“, so Müller. Dass das Kreisklinikum eine kardiologische Station plane, habe man außerdem gegenüber der Geschäftsführung des Marienkrankenhauses offen kommuniziert.