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„Komm, Jenny, streng dich an“

22.02.2016 | 18:14 Uhr
Volontärin Jennifer Wirth trägt eine spezielle Weste, die Stromimpulse leitet. Jedes Körperteil kann vom Steuergerät einzeln angewählt werden und die Intensität individuell eingestellt werden.Foto: Florian Adam

Siegen.   Teil zwei der Serie „Jumping Journalist“. Diesmal im Test: EMS-Training in Siegen. Mit Strom zur Traumfigur.

Es ist feucht und kühl. Die nasse schwarze Weste schmiegt sich an meinen Körper. Ich schaue an mir hinunter. Ein bisschen sehe ich aus wie eine tropfende Presswurst, finde ich. Je eine Manschette trage ich um die Oberschenkel und Arme. Das elastische breite Band um meinen Po tut sein Übriges. Vorteilhaft ist anders, aber immerhin wirke ich auf Außenstehende wie ein Roboter: Rote Kabel hängen an meinem Korsett herunter. Sie verbinden Manschetten und Weste mit dem EMS-Gerät, quasi der Schaltzentrale meines Trainers. Das Gerät wird gleich ungefährlichen Reizstrom abgeben, der direkt auf meine angespannten Muskeln trifft, während ich Übungen durchführe. Dadurch sollen die körpereigenen Impulse verstärkt werden und das Training intensiver werden. Ich bin gespannt. Sogar ein bisschen nervös. Tut das nicht weh?

Keine Unterwäsche

„Elektro-Muskel-Stimulation (EMS) ist ein intensives Personaltraining, dass nur 20 Minuten pro Woche dauert. Es ist ein Muskeltraining, bei dem die Tiefenmuskulatur durch Elektroimpulse stimuliert wird“, sagt Michael Othmer, Trainer und Leiter des Bodystreet Zentrums Siegen. Er führt mit mir zunächst ein Vorgespräch. Das sei wichtig, um herauszufinden, wie sportlich sein Kunde ist und ob es Problemstellen gibt. Dann geht es ab in die Kabine. Er reicht mir eine enge schwarze Hose und ein Shirt, beides aus Baumwolle. „Am besten trägst du darunter keine Unterwäsche“, sagt er. Ich bin verwirrt. Keine Unterwäsche beim Sport? „Wenn du dich wohler fühlst, kannst du sie anlassen, aber dann werden die Impulse schlechter übertragen und sie wird nass.“ Oh. Na gut.

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Zur Traumfigur mit Strom? Elektro-Muskel-Stimulation (EMS) ist ein intensives Personaltraining, dass nur 20 Minuten pro Woche dauert.

Auf Anti-Rutsch-Socken laufe ich zum Trainingsgerät und erhalte meine Weste. Michael Othmer besprüht sie mit viel Wasser. „So leitet sie besser.“ Festgeschnallt und voll ausgestattet stehe ich nun vor dem EMS-Gerät. Es hat zwei Griffe und eine digitale Anzeige. „Und jetzt gehst du in die Ausgangsposition: Beine hüftbreit auseinander, tief gehen, Arme vor den Oberkörper“, sagt Othmer. Mein Coach dreht den Strom auf. Uhhhhh, das kribbelt. Ich muss lachen. Mindestens tausend Ameisen scheinen über meinen Körper zu laufen. Vier Sekunden lang muss ich die Muskeln anspannen und meine Übung durchführen. Dann darf ich vier Sekunden pausieren.

Jedes Körperteil kann individuell angesteuert werden. Foto: Florian Adam

Gegen Vorurteile kämpfen

16 Übungen in nur 20 Minuten. Der Schweiß tropft. Immer wieder gehen Menschen am Fenster vorbei und belächeln mich. Sie ahnen nicht, wie viel Kraft es mir abverlangt, die Übungen richtig auszuführen. „Wir erleben es häufig, dass Leute gucken und denken, dass es nicht anstrengend ist. Einige denken auch, dass es sich anfühlt, als wenn man in die Steckdose fasst – das sind Vorurteile“, so Othmer. Das Workout passt er dem Leistungsstand seines Gegenübers an. So kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, mitmachen Alle Daten werden auf einer Chipkarte gespeichert, sodass man sich nach und nach steigern kann.

Der einzige Haken: dem Training sind Grenzen gesetzt. „Je mehr Körperfett jemand hat, desto schwieriger ist es den Impuls zu setzen.“ Wer zu viel Masse mitbringt, kann also nur bedingt trainieren. Mittlerweile mache ich Kniebeugen mit gehobenen Armen. „Komm Jenny, streng dich an. Drück fester. Gerader Rücken. Los. Komm“, ruft Othmer. Das treibt mich voran. Ich gebe alles. Es fühlt sich an, als würde mein Körper beben. Von außen sieht man allerdings nichts. „Ich biete dir jetzt einen Widerstand. Drück dagegen. Los Jenny.“ Puh, mir ist heiß. Als nächstes ziehe ich mein rechtes Bein hoch und den linken Arm Richtung Bauch. Position halten. Wieder ein Stromstoß. Und durchatmen. Wiederholung. Dann ist es geschafft.

Positives Fazit

Mein Fazit fällt positiv aus. EMS macht Spaß. Mit Michael Othmer an meiner Seite habe ich durchgehalten und fühle mich wie nach einem zweistündigen Workout. Über die vollen zwanzig Minuten trainiert man fast alle Muskeln: Po, Beine, Bauch, Arme, Brust sowie Ober-, Unter- und Seitenrückenmuskulatur. Wer wenig Zeit hat und trotzdem intensiv an seinem Körper arbeiten möchte, ist im Bodystreet Zentrum in der Sandstraße gut aufgehoben.

Allerdings kostet ein Personal Training natürlich auch mehr als ein herkömmlicher Fitnessstudio-Besuch. „Keine Ausrede zählt mehr“, sagt Michael Othmer. Und ich gehe erst einmal duschen...

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Jennifer Wirth

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„Komm, Jenny, streng dich an“
„Komm, Jenny, streng dich an“
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2016-02-22 18:14
Nachrichten aus Siegen, Kreuztal, Netphen, Hilchenbach und Freudenberg