Komasäufer immer jünger - Bericht der Kinderklinik Siegen

Komasaufen ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland wieder auf dem Vormarsch.
Komasaufen ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland wieder auf dem Vormarsch.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zwischen 45 und 55 jugendliche Komasäufer werden pro Jahr in der DRK-Kinderklinik Siegen behandelt. Gerade jetzt vor Karneval warnen die Mediziner. Bewusstlose Mädchen, die mit zwölf Jahren eingeliefert werden, seien keine Seltenheit. Die Patienten werden immer jünger, warnen die Suchtexperten.

Siegen.. Zwischen 45 und 55 jugendliche Komasäufer werden pro Jahr in der DRK-Kinderklinik behandelt. Das entspricht einem Anteil von weniger als ein Prozent der 6100 Patienten, die stationär am Wellersberg versorgt werden. Laut Statistischem Landesamtes wurden 2012 in Siegen-Wittgenstein 0,17 Prozent der Kinder zwischen zehn und 20 Jahren mit Alkoholvergiftung eingeliefert – landesweit die zweitniedrigste Quote. Im Kreis Soest waren es zum Beispiel 0,5 Prozent. Jedoch sind diese Zahlen kein Grund zur Entwarnung an der DRK-Kinderklinik.

Karneval eine Hochzeit für Trinker

Denn: „Die Patienten werden immer jünger“, sagt Arnd Dickel, Kliniksprecher Arnd Dickel. Kinder, die mit zwölf Jahren bewusstlos eingeliefert werden, sei keine Seltenheit. Auch der Anteil der Mädchen sei gestiegen. „Früher waren es eher 75 Prozent Jungs, jetzt sind liegt der Geschlechteranteil bei 50:50.“ Hochzeiten sind Karneval, Zeugnisvergabe, Ferienbeginn und der 1. Mai.

Ratgeber Sorgen macht den Medizinern das Verhalten der jungen Komasäufer. Eltern und Gesellschaft schauen zu selten hin. Im Umfeld der Jugendlichen gelte der Aufenthalt im Krankenhaus „eher als Trophäe denn als Niederlage“. Selten trete ein Lernprozess ein. „Wir hatten einen Patienten hier und ein paar Wochen später seinen Kumpel.“

Die Kosten, die pro Komasäufer entstehen, liegen schnell im vierstelligen Bereich, so Dickel. Denn Transport und Behandlung in der Klinik (wenn nötig: Magen auspumpen, Infusionen, Schmerzmittel) zahlt die Krankenkasse. Die Klinik arbeitet mit dem Projekt „HaLT“ (Hart am LimiT) des Kreises zusammen, das Jugendliche und deren Eltern nach einem solchen Vorfall unterstützt. „Das Angebot wird allerdings zu selten wahr genommen“, sagt Dickel.