Kneipenabend endet in Schlägerei

Siegen..  Mit bleichem Gesicht sitzt Kevin L. auf der Anklagebank. Allerdings hat nicht drohendes Ungemach die Farbe weichen lassen. Sein Magen ist es, der rebelliert. „Möglicherweise muss mein Mandant zwischendurch mal nach draußen“, kündigt Verteidiger Andreas Trode an.

Wie in der Nacht des 7. Januar vergangenen Jahres. Damals allerdings ging er nicht der frischen Luft wegen ins Freie, sondern für eine Zigarette. Was sich nach den fünf Tabakminuten auf der Hagener Straße abspielte, ist an diesem Morgen Thema vor dem Amtsgericht.

Qualitätsprüfer Kevin L. ist im Januar mit einer alten Schulfreundin unterwegs, sagt er. Sie machen Station in einer Kneipe an der Hagener Straße. Das spätere Opfer kommt an die Theke und unterhält sich mit den beiden. Der 23-jährige Beschuldigte sagt, er habe den 51-Jährigen schon in der Gaststätte provoziert: „Ich habe ihn heftig beleidigt.“ Davon weiß das Opfer nichts. Allerdings decken sich die Aussagen der beiden insoweit, als dass es vor der Tür – irgendwie haben es die drei zum Rauchen nach draußen geschafft – zu einer Begegnung der unschönen Art kam.

Backpfeife: ja oder nein?

Der 23-Jährige hat seinen Kontrahenten zu Fall gebracht. Kevin L. sagt, er habe eine Backpfeife einstecken müssen und den 51-Jährigen umgeschubst. Er stürzt und zieht sich laut ärztlichem Attest ein Schädel-Hirn-Trauma zu. Zudem klagt der Kaufmann, der die Backpfeife abstreitet, über geprellte Rippen. Er soll getreten worden sein. Zumindest ist das die einzige Erklärung für das Opfer, wie es zu den Schmerzen am Brustkorb gekommen sein könnte.

Von einem Tritt indes will der Beschuldigte nichts wissen. Er sei nach dem Schubser gleich mit seiner Begleitung getürmt. „Irgendjemand kam mit Pfefferspray, wir sind sofort weg.“ Wer der Pfefferspray-Mann oder die Pfefferspray-Frau ist, bleibt ungeklärt. Möglicherweise ein Bekannter des Opfers. Der jedoch ist zur Zeit in Nordamerika unetwegs, sagt der 51-Jährige: „Er ist, glaube ich, gerade in Arizona.“

Die Attacke mit dem Fuß bleibt letztendlich ungeklärt. Nach den Einlassungen der beiden, die zudem aussagen, dass sie alkoholisiert waren, ist für Richterin Dr. Hanne Grüttner unstrittig, dass Kevin L. den 51-Jährigen attackierte. Drei Monate Haft auf Bewährung lautet am Ende das Urteil. Wegen Körperverletzung. Dem bereits mehrfach juristisch in Erscheinung getretenen – unter anderem ist von gemeinschaftlichem Verwenden von Symbolen verfassungswidriger Organisationen die Rede – kommt die günstige Sozialprognose zugute, die ihm sein Bewährungshelfer bescheinigt. Er sei derzeit, so erläutert der Experte, inmitten eines Antiaggressionstrainings.

Und er habe dem Alkohol ade gesagt: „Sein Bewährungsverhalten ist tadellos.“