Knast und Klinik für Heroin-Trio

Siegen..  Klinik und Knast: Die Urteile gegen das „Drogen-Trio“ entsprachen am Freitag genau dem, was Staatsanwalt Manfred Lischeck am Donnerstag gefordert hatte. Nach der Vorstellung der 1. Großen Strafkammer unter Leitung von Richterin Sabine Metz-Horst soll Haupttäter Ramazan Ö. wegen der Einfuhr von Heroin in vier Fällen und des Handeltreibens für sechs Jahre ins Gefängnis. Seine Lebensgefährtin Alexandra L. bekam für Beihilfe in einem minderschweren Fall ein Jahr und drei Monate. Kurier Burkhard S. muss insgesamt fünf Jahre und vier Monate hinter Gitter. Für alle drei wurde zudem die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung angeordnet.

Gebrochene Lebensläufe

Die Angeklagten hatten zwischen September 2013 und November 2014 viermal Heroin in Mengen zwischen 150 und 506 Gramm nach Siegen gebracht. Ebenfalls im November 2014 seien die Siegener Behörden vom Zoll in Regensburg informiert worden, dass Ramazan Ö. (40) nach Informationen aus einer Telefonüberwachung unter Verdacht stehe, sagte die Vorsitzende. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten schnell gehandelt. Leider habe sich der Prozess selbst „sehr schleppend“ gestaltet. Der Aachener Burkhard S. habe zunächst mit Blick auf die strafmildernde oder sogar –befreiende Regelung des § 31, Betäubungsmittelgesetz, sehr weitreichende Angaben gemacht, diese aber vor Gericht deutlich revidiert. Das Siegener Paar hingegen hatte vorher überhaupt nichts gesagt. Damit hätten sich alle auseinandersetzen müssen, aber dennoch eine Übereinkunft getroffen, stellte Metz-Horst fest.

Alle drei Verurteilten wiesen gebrochene Lebensläufe auf und hätten erhebliche Erfahrungen mit Drogen gemacht. Allerdings seien die beiden Männer trotz ihrer Sucht über lange Phasen ihres Lebens in der Lage gewesen, ein normales Leben zu führen und zu arbeiten. Die 29-jährige Alexandra S. hingegen habe berichtet, noch nie gearbeitet zu haben. Die junge Frau sei mit 17 von zu Hause fortgelaufen, habe Missbrauchserfahrungen gemacht und ihr Leben mehr oder weniger durch die Abhängigkeit von Männern bestritten. Sie leide neben ihrer Sucht an einer Borderline-Störung.

Lebensstil von Drogengeld finanziert

Deshalb sei auch bei ihr trotz der geringen Strafe eine Bewährung nicht möglich. Sie. habe eingeräumt, nach einer Entgiftung wieder Drogen zu nehmen. Sie beziehe Hartz-IV, trotzdem seien bei ihr drei Mobiltelefone, ein Laptop und ein Tablet beschlagnahmt worden. Dieser Lebensstil, der überwiegend von Drogengeld finanziert worden sei, „hat uns schon erschüttert“, so die Richterin.

Immerhin seien alle drei therapiewillig, es gebe also Hoffnung. Während Ramazan Ö. ein Jahr absitzen muss, sollen die anderen beiden zügig in die Behandlung, die vom Sachverständigen und vom Gericht jeweils mit zwei Jahren geschätzt wurde. Auch Burkhard S. (55) muss trotz seiner 29 Voreintragungen nicht sehr lange im Gefängnis bleiben.