Kluge Kinder in Siegen gesucht

Die Begabtenförderung in Siegen nimmt zukünftig auch Haupt-und Realschulen in den Fokus.
Die Begabtenförderung in Siegen nimmt zukünftig auch Haupt-und Realschulen in den Fokus.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Die Begabtenförderung in Siegen nimmt zukünftig auch Haupt-und Realschulen in den Fokus, kündigen die Verantwortlichen an.

Siegen..  Die Begabtenförderung in Siegen nimmt inzwischen auch Gesamtschüler in den Blick. Mittelfristig sollen zudem Real- und Hauptschüler zur avisierten Zielgruppe zählen.

Wer kümmert sich um begabte Kinder und warum?

Das ist im Wesentlichen privates Engagement. Der Verein zur Förderung begabter Kinder und Jugendlicher Südwestfalen bietet Kurse. Mathe, Physik, Sprachen. Aber auch Dinge, die „nicht so kopflastig sind“, wie Marianne Broer, Geschäftsführerin und schulfachliche Beraterin, anlässlich einer Ergebnispräsentation kürzlich im Museum für Gegenwartskunst sagte. Zum Beispiel kreatives Schreiben. In der Begabtenförderung beklagen die Vereinsverantwortlichen strukturelle Mängel, die erst Stück für Stück abgearbeitet würden. „Bislang lag der Fokus eher auf den Schwachen“, sagte Vorsitzende Sibylle Schwarz.

Wie äußern sich Hochbegabungen?

Mathematische Probleme zum Beispiel. Kinder, die eine besondere Neigung zu Zahlen haben, kommen meist schneller zur Lösung, schildert Beate Schwagmaier, psychologische Beraterin des Vereins. „Sie sind kreativ und können quer denken“. Allerdings brauchen sie stete Herausforderungen. Am besten Herausforderungen, die aber gut zu meistern sind, so Beate Schwagmaier weiter. Das will der Verein in seinen Kursen und Workshops schaffen. Und setzt dafür auch auf die heterogene Zusammensetzung der Gruppen. Zum Beispiel treffen ältere auf jüngere Kinder und Jugendliche. „’Das konnte jemand schneller als ich’, ist auch eine wichtige Erfahrung für sie.“

Ist Begabtenförderung noch immer abhängig von sozio-ökonomischen Faktoren?

Letztendlich entscheiden die Eltern, ob ihr begabtes Kind gefördert wird – oder eben nicht. Im Museum für Gegenwartskunst sitzt am Tag der Ergebnispräsentationen im Wesentlichen Bildungsbürgertum. Kinder zeigen, was sie in ihren Kurse und Workshops gelernt haben. Die Frage ist, ob sich Eltern Bildung für ihr Kind leisten können. Und ob sich Eltern Bildung für ihr Kind leisten wollen, „den Wert von Bildung erkennen“, wie Beate Schwagmaier es ausdrückt.

Die klassische Klientel besucht das Gymnasium. Will der Verein sein Engagement ausbauen?

Das Angebot wird auch auf Gesamtschulen ausgeweitet, bestätigt Beate Schwagmaier. Zudem rücken Haupt- und Realschule in den Fokus. Denn auch dort schlummern Talente. Häufig werde die Bildungskarriere von einer Generation an die nächste weitergegeben, nach dem Motto: Papa war schon auf der Realschule, dann machst du das auch. Neigungen oder Fähigkeiten spielen eine eher untergeordnete Rolle, zum Nachteil der Kinder.

Was geschieht mit den Kindern von Flüchtlingen und Asylsuchenden?

Man muss sich ansehen, welche Zeugnisse die Kinder mitbringen, sagt die Psychologin. Wichtig ist es zudem, deutsch sprechen zu können. Allerdings ist eine fremde Sprache für ein hochbegabtes Kind in aller Regel kein Problem – und nicht lange fremd.

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