Kleinodien alter Musik für einen kleinen Hörerkreis
20.06.2007 | 08:37 Uhr 2007-06-20T08:37:30+0200Neunkirchen. (Loh) Die Verlockung, alte Musik auf historischen Instrumenten zu hören, zog nur wenige Neugierige ins Otto-Reiffenrath-Haus. Dabei hätte der Besuch sich gelohnt - schon wegen der nicht alltäglichen Gelegenheit, Traversflöte und Barockgeige i
Aber es war auch ein ansprechendes Programm, das vom Ensemble "szene barock" vorgetragen wurde: im ersten Teil Leclair, Bach und Rameau, im zweiten Teil dreimal Telemann. Allerdings bot das sechste Werk gegenüber dem davor gespielten eigentlich keine Steigerung mehr, außer dass beim Schlussstück, Telemanns Pariser Quartett, alle Künstler beteiligt waren.
Völkerübergreifende Verständigung durch die Musik
Da die Flötistin Agnes Waehneldt das Ensemble je nach Anlass neu zusammenstellt, lautet der vollständige Titel der Musiziergruppe etwas umständlich "szene barock und Moskauer Bach-Zentrum".
Aus Moskau waren nämlich für die jetzt abgeschlossene Tournee angereist die beiden Gambenkünstler Aleksandra Drozdova für die Solostimmen und Vladimir Drozdov für die Basso-Continuo-Aufgaben.
Verbindungsmann nach Moskau ist der Cembalist Sergey Myasoedov, der etliche Jahre das Bach-Zentrum geleitet hat und jetzt in Gelsenkirchen lebt. Dort lebt inzwischen auch die Violinistin Yulia Rivina.
Das wurde so ausführlich dargestellt, weil Agnes Waehneldt mit dieser Personalkonstellation die Idee einer völkerübergreifenden Verständigung durch das Medium Musik verbindet. Die Fünf spielten also Musik aus Deutschland und aus Frankreich, und zwar in wechselnden Kombinationen der zur Verfügung stehenden Instrumente.
Man spürte bei allen die Bereitschaft zur lebendigen, auch persönlich geprägten Gestaltung der ausgewählten Werke. Die meisten Chancen dazu hatte die Geigerin, obwohl sie sich an keiner Stelle romantisierende Subjektivismen leistete.
Von der Flöte hätte man stellenweise mehr Darstellungsvariation durch Artikulationswechsel und dynamische Abstufung erhoffen können.
So blieb das Flötenspiel zwar lebendig und musikalisch eindrucksvoll, aber doch ohne eigentliche Überraschungsmomente.
Die Gambistin setzte ihre persönlichen Akzente durch Nutzung ihrer technischen Möglichkeiten. Und der Continuo-Gambist erwies sich im Verein mit dem Cembalospieler als treuer Sachwalter des Generalbasses. Der Cembalist hat - abgesehen von der Registrierung - die geringsten Möglichkeiten subjektiver Ausdrucksdarstellung.
Wirkung des Ensembles geprägt
Aber er prägte natürlich durch das Temperament seines Spiels auch die Wirkung des Ensembles im Ganzen. Die Anwesenden empfanden den Abend als musikalische Bereicherung und spendeten dafür herzlichen Applaus.
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