Kleiner Prinz – große Leistung
22.02.2012 | 15:06 Uhr 2012-02-22T15:06:00+0100
Siegen.„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Und: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir gezähmt hast.“ Sätze, wie sie für das Europa der Neuzeit nicht untypischer sein könnten. Anders gesagt: Sätze, die Antoine de Saint-Exupéry zur Zeit des Zweiten Weltkriegs seiner Leserschaft schenkte – gewissermaßen als ein Vermächtnis für ein besseres Europa.
Zugang zu europäischer Sprach- und Geisteswelt
Vielleicht ist diese Dichtung deswegen geeignet, jungen Menschen, die nicht im europäischen Bildungskanon großgeworden sind, den Zugang zum Verstehen der europäischen und besonders deutschen Geistes-und Sprachwelt zu öffnen. Jedenfalls hat die Theaterpädagogin Beate Gräbener dieses Werk gewählt, um ausländische Studierende – überwiegend chinesischer Herkunft – sicherer zu machen im Gebrauch der deutschen Sprache und im Kommunikationsverhalten.
Jetzt wurde das Produkt intensiver Bemühungen eines ganzen Semesters im Lyz vorgestellt und fand – das war deutlich zu spüren – die volle Anerkennung der Theaterbesucher. Zweifellos hat es einen besonderen Reiz, den weitgehend bekannten Text dieses modernen Märchens von Schauspielern zu hören, die sich beim Sprechen in unserer Sprache sehr konzentriert anstrengen müssen.
Der Text gewinnt auf diese Weise nochmal eine neue Dimension; die manchmal allzu glatt polierte Sprache verlangt plötzlich wieder genaues Hinhören. Und die Schauspielerinnen und Schauspieler wissen sehr genau, dass sie mit ihren Sprechkünsten keine Modulation leisten können und deswegen den Zuschauern durch Körpersprache Spannung vermitteln müssen.
Wer das Stück, das von seinem Autor ja nicht für das Theater geschrieben wurde, gut kennt, weiß, dass es dafür sehr ergiebige Szenen gibt, aber auch manche, wo sich die Dramatik schnell erschöpft. Die waren aber auch kurz gehalten.
Hip-Hop-Choreografie als Schlusspunkt
Bei der Ausstattung der Bühne und bei den Kostümen – in der Hauptsache Eigenleistungen der Studierenden – war viel Einfallsreichtum zu bewundern. Insbesondere aber verdient die sprachliche Umsetzung aller Beteiligten größte Anerkennung. Wenn trotzdem die Darstellerin des Prinzen – die Chinesin Yayu Jiang – hervorgehoben werden soll, so gilt das insbesondere ihrer Gedächtnisarbeit, aber auch ihrer wunderbaren Verkörperung dieser Rolle.
Nach dem Schlussapplaus war noch eine Zugabe angesagt: In einer Choreografie von Franziska Gräbener gab es – unter Beteiligung mehrerer Theatermitwirkenden – auf der Lyz-Bühne noch ein bisschen Hip-Hop: ein nicht alltäglicher Schlusspunkt besonderer Art.
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