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Apollo-Theater

Klassiker zeitlos gut interpretiert

02.02.2012 | 15:17 Uhr
Klassiker zeitlos gut interpretiert
Charly und Artful Dodger demonstrieren Oliver Twist ihre Geschicklichkeit als Taschendiebe.

Siegen.Schüler und Studierende hatten am Mittwochabend im Apollo-Theater die Nase vorn. Auf dem Spielplan stand die englischsprachige Aufführung von Charles Dickens Roman „Oliver Twist“, die statt dröges Bildungstheater Spannung, Emotion, Konflikte und Humor boten.

Darüber hinaus wirkte die brillant inszenierte Geschichte um den unverschuldet in Armut und Heimatlosigkeit abgerutschten Jungen Oliver Twist auch als Parabel auf die wachsende Ungleichheit unserer Tage, in der immer weniger immer mehr haben und immer mehr immer weniger.

Galgen und Sarg auf der Bühne

Nichts Gutes verhieß ein Galgen und ein Sarg auf der Apollo-Bühne, die mit ihrer eindringlichen Präsenz das Menetekel der viktorianischen Ära zeigten: Ein Menschenleben schien nicht viel zu gelten, wenn man auf der falschen Seite des Lebens stand. Fuhr der Moralist und begnadete Schriftsteller Charles Dickens in seiner Oliver-Twist-Novelle rund 50 Charaktere auf über 400 Seiten auf, benötigte das TNT Theatre für seine pralle, zweistündige Bühnenfassung nur fünf Darsteller. Allen Hauptfiguren – von Oliver Twist über Fagin, den Boss einer Bande jugendlicher Diebe, bis zur Diebesgesellin Nancy – wurde ein starker Auftritt verschafft.

Drastisch wie die Themen, Kinderkriminalität, gnadenlose wirtschaftliche Ausbeutung und ein wenig zimperlicher Strafvollzug, war auch die Darstellungskunst von Rebecca Livermore als Oliver, Alan Mirren als Fagin, Gareth Radclifffe als Bill Sikes, Jilly O’Dowd als Nany und Dotty Kultys als Artful Dodger. Sie gaben der Inszenierung von Paul Stebbings ein unverwechselbar britisches Gepräge: schwarzer Humor, moritatenhafter Gesang mit einem Schuss Vaudeville („Jesus said the poor are always here. But we my friends shall make them disappear!“), sowie skurrile und hochdramatische Effekte.

Überschäumende Spielfreude

Da den meisten Zuschauern im gut gefüllten Apollo-Theater die Geschichte von Oliver Twist nicht unbekannt war – der Galgen für Fagin und das Happy End für Oliver Twist-- konnten selbst diejenigen der Bühnenhandlung gut folgen, die nicht über perfekte Englischkenntnisse verfügen. Die Akteure bereiteten dem Publikum in punkto Aussprache und Betonung keine Verständigungsschwierigkeiten. Die drastische Bildsprache, der große körperliche Einsatz und die schier überschäumende Spielfreude der Darsteller taten ihr Übriges, um dem klassischen Stücke die Note „zeitlos gut“ zu verleihen.

Helmut Blecher

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