Kirchen im Siegerland klagen über Austritte

Die Kirchengemeinden verzeichnen zusehends mehr Austritte.
Die Kirchengemeinden verzeichnen zusehends mehr Austritte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die großen Kirchen verzeichnen zusehends mehr Austritte pro Jahr. 2014 haben so viele Menschen beiden Kirchen den Rücken gekehrt wie lange nicht.

Siegerland..  Katholiken und Protestanten verfolgen ähnliche Strategien, mit dem Mitgliederschwund umzugehen.

Warum scheint Kirche für viele keine große Rolle mehr zu spielen?

Das ist häufig eine Vertrauensfrage. Peter-Thomas Stuberg, Superintendent des Kirchenkreises Siegen, geht von einem jährlichen Rückgang der Gemeindegliederzahlen von 1,5 Prozent aus. Die Zahl der Beerdigungen ist regelmäßig höher als die der Taufen. Die Demografie-Falle: Es werden immer weniger Kinder geboren.

Dazu kommen die Ausreißer bei den Austritten. Im vergangenen Jahr etwa schlugen sich der Ärger über Bischof Tebartz van Elst und seinen allzu sorglosen Umgang mit Geld oder die geänderte Art des Einzugs von Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer in den Zahlen nieder.

Wie reagieren die Kirchen darauf?

Sie müssen neue Wege gehen. Werner Wegener etwa, Dechant im Dekanat Siegen, bietet angesichts leerer werdender Kirchen Gottesdienste an eher ungewöhnlichen Orten. Auch die Online-Variante scheint nicht ausgeschlossen. „Im Pastoralraum Netphen haben wir rund 500 bis 600 Gottesdienstbesucher“, sagt der Dechant. Bei den evangelischen Kollegen gebe es Kirchen, wo „häufig nur 20 Besucher im Gottesdienst“ seien.

Zudem wird die Infrastruktur angepasst. Sie stammt in großen Teilen aus den 1960er Jahren – nicht qualitativ, aber quantitativ. Der Kirchenkreis zählte damals rund 180 000 Gemeindeglieder. Mit Stand 21. Juni sind es 121 792. Die Kirchengemeinde Klafeld zum Beispiel zog sich aus der Fläche zurück und positionierte sich mit einem Gemeindezentrum-Neubau unweit der Talkirche in Geisweids Mitte neu. Auf der katholischen Seite wird 2019 aus den drei Siegener Pastoralverbünden Mitte, Süd und Hüttental-Freudenberg ein großer Verbund.

Hat das personelle Konsequenzen?

Im Fall des neuen Pastoralverbunds wird es drei Priester und zwei Gemeindereferenten geben, sagt Werner Wegener. Derzeit sind in den drei kleineren Einheiten zwölf Hauptamtliche beschäftigt. Es geht allerdings auch umgekehrt. Der Kirchenkreis findet nicht genug Bewerber für Pastorenstellen, sagt Peter-Thomas Stuberg. In Westfalen wären 35 Theologieabsolventen pro Jahrgang nötig, um die Pensionslücken schließen zu könne. Verfügbar seien derzeit aber nur 20. Im Siegerland werde sich nicht zuletzt deshalb das Verhältnis von Geistlichen zu Gemeindegliedern ändern müssen. Zur Zeit kommen auf einen Pfarrer 3000 Gläubige.

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