Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge

Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann lehnt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu religiösen Beschneidungen von Jungen ab.
Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann lehnt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu religiösen Beschneidungen von Jungen ab.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann lehnt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu religiösen Beschneidungen von Jungen ab. „Das ist ein weiterer Tabubruch“, sagt der Präsident des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte. Er fordert, mit der Beschneidung bis zu Religionsmündigkeit zu warten.

Kreuztal.. Zwar heiße es, dass der Eingriff verboten sei, wenn er „das Kindeswohl gefährdet“. Was das aber bedeute, werde im Entwurf nicht genau definiert, bemängelt Hartmann. In 32 Jahren habe er in seiner Praxis „zig Kinder gesehen“, die unter Entzündungen und Vernarbungen litten, so dass Nachoperationen notwendig wurden.

„Viele Jungen wollten sich aus Angst nicht mehr untersuchen lassen“, berichtet der Kinderarzt. Welche Folgen die Beschneidung für die Psyche hat, darüber gebe es in Deutschland keine Untersuchungen.

Mit Beschneidung bis zu Religionsmündigkeit warten

Dem Gesetzentwurf zufolge ist eine Betäubung oder Schmerzbehandlung „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ nötig, um möglichst Schmerzfreiheit zu erreichen. Das aber könne nur eine Vollnarkose gewährleisten, sagt Hartmann. Dies sei bei einem Neugeborenen oder Säugling ein Risiko.

"Das ist unverantwortlich“, betont Hartmann. Und für ihn nicht damit zu vereinbaren, dass dem Gesetzentwurf zufolge der Eingriff bei Kindern unter sechs Monaten nicht nur von Ärzten, sondern auch von religiösen Beschneidern durchgeführt werden darf, die dafür besonders ausgebildet sind. Hartmann fordert, mit Beschneidungen bis zur Religionsmündigkeit zu warten, also bis zum 14. Geburtstag.