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Beschneidung

Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge

10.10.2012 | 18:18 Uhr
Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge
Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann lehnt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu religiösen Beschneidungen von Jungen ab.Foto: dapd

Kreuztal.   Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann lehnt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu religiösen Beschneidungen von Jungen ab. „Das ist ein weiterer Tabubruch“, sagt der Präsident des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte. Er fordert, mit der Beschneidung bis zu Religionsmündigkeit zu warten.

Zwar heiße es, dass der Eingriff verboten sei, wenn er „das Kindeswohl gefährdet“. Was das aber bedeute, werde im Entwurf nicht genau definiert, bemängelt Hartmann. In 32 Jahren habe er in seiner Praxis „zig Kinder gesehen“, die unter Entzündungen und Vernarbungen litten, so dass Nachoperationen notwendig wurden.

„Viele Jungen wollten sich aus Angst nicht mehr untersuchen lassen“, berichtet der Kinderarzt. Welche Folgen die Beschneidung für die Psyche hat, darüber gebe es in Deutschland keine Untersuchungen.

Mit Beschneidung bis zu Religionsmündigkeit warten

Beschneidung
Kabinett billigt Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen

Das Bundeskabinett hat die geplante Neuregelung zu Beschneidung von Jungen gebilligt. Danach soll die Beschneidung von Jungen unter bestimmten Voraussetzungen künftig straffrei sein. Der Eingriff darf aber nur religiös motiviert und nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgen.

Dem Gesetzentwurf zufolge ist eine Betäubung oder Schmerzbehandlung „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ nötig, um möglichst Schmerzfreiheit zu erreichen. Das aber könne nur eine Vollnarkose gewährleisten, sagt Hartmann. Dies sei bei einem Neugeborenen oder Säugling ein Risiko.

 "Das ist unverantwortlich“, betont  Hartmann. Und für ihn nicht damit zu vereinbaren, dass dem Gesetzentwurf zufolge der Eingriff bei Kindern unter sechs Monaten nicht nur von Ärzten, sondern auch von religiösen Beschneidern durchgeführt werden darf, die dafür besonders ausgebildet sind. Hartmann fordert, mit Beschneidungen bis zur Religionsmündigkeit zu warten, also bis zum 14. Geburtstag.

Nina Grunsky



Kommentare
12.10.2012
16:25
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Name von Moderation entfernt | #17

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12.10.2012
09:20
Chance
von ergo-oetken | #16


Ein Arzt darf niemandem im Zuge seiner Tätigkeit gesundheitliche Schäden zufügen, andernfalls macht er sich strafbar.

Und um medizinische Eingriffe auszuführen, muss man in Deutschland dazu ausgebildet und befugt sein, also Arzt, Krankenpfleger, MTA oder Heilpraktiker. Andernfalls macht man sich ebenfalls strafbar.

Das sind doch zwei handfeste Dinge, um damit vor das Verfassungsgericht zu ziehen. Kommen dann noch Klagen von Beschneidungsopfern hinzu, dann könnte es zur Abwechslung mal eine Regelung geben, die die Rechte von Kindern wahrt und verfassungskonform ist.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit

11.10.2012
15:07
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1 Antwort
Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge
von wissenhilft | #15-1

Stimmt, hier wird immer mal wieder was entfernt, zumeist aber Kommentare der üblichen Pöbler, die es nicht schaffen, höflich zu bleiben oder schlichtweg nur provozieren wollen. Manchmal übertreiben es die Moderatoren allerdings auch, selbst schon erlebt....

11.10.2012
15:00
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Name von Moderation entfernt | #14

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11.10.2012
14:19
Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge
von wissenhilft | #13

Es ist in der Tat lediglich ein juristisches Problem. Von mir aus kann jeder seine Religion ausüben wie er will, Beschneidung ist jedoch nichts Religiöses, sonder in erster Linie eine Operation, ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, in diesem Fall an Kindern ausgeübt, die sich nicht dagegen wehren können.
Egal ob christliche, jüdische, muslimische oder sonstwie Tradition, hier geht es einfach zu weit, unverantwortlich, dass unsere Bundesregierung plötzlich ganz schnell eine Gesetz aus dem Ärmel schüttelt. Wenn schon "nach allen Regeln ärztlicher Kunst", dann bitte von entsprechend ausgebildeten Leuten, inklusive peinlichst genauer Kontrolle und einer Zwangsberatung der Eltern durch Jugendamt und Gesundheitsamt.

11.10.2012
14:09
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11.10.2012
12:40
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11.10.2012
11:23
Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge
von Der.Luedenscheider | #10

Es ist vollkommen irrelevant, ob es um religiöses oder andere Motive geht. Die Diskussion muss einzig und allein juristisch geführt werden. Und da kommt man unabdingbar zu dem Schluss, dass eine Zirkumzision sogar erst ab Vollendung des 18. Lebensjahres, wenn die betreffende Person selber über einen solchen Eingriff urteilen darf (juristisch gesehen), vorgenommen werden kann.

Das ist wie mit dem Blinddarm. Wer lässt sich den den schon "präventiv" entfernen, weil der sich eventuell irgendwann entzünden könnte. Und welcher Arzt macht das?

Der Verstoss gegen eine UN Konvention ist noch ein weiterer Punkt: am 26. Januar 1990 von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet (Zustimmung von Bundestag und Bundesrat durch Gesetz vom 17. Februar 1992 – BGBl. II S. 121): "Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen."

11.10.2012
11:18
Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge
von holmark | #9

Statt eines Kinderarztes müsste sich eigentlich ein Psychiater zu Wort melden. Schließlich geht es um religiöse Wahnvorstellungen.

11.10.2012
10:01
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Name von Moderation entfernt | #8

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