Kinder schnitzen mit dem Ranger auf der Ginsberger Heide

Ranger Matthias Speck zeigt den Kindern den richtigen Umgang mit dem Messer.
Ranger Matthias Speck zeigt den Kindern den richtigen Umgang mit dem Messer.
Foto: Hendrik Schulz
Was wir bereits wissen
Matthias Speck zeigt Kindern an der Rangerstation den richtigen Umgang mit dem Messer – und welches Holz am besten zum Schnitzen geeignet ist.

Grund..  Die Mama steckt Nina schnell noch ein paar Pflaster in die Tasche ihres Wintermäntelchens. Sicher ist sicher. Matthias Speck hat gerade erklärt, dass sich beim Schnitzen nicht ausschließen lässt, dass man sich auch mal schneidet. Nina ist 7, hat dichte blonde Haare, die unter ihrer Kapuze hervorquellen und noch nie geschnitzt. Die Mama aber, erzählt sie, als die Gruppe über die Ginsberger Heide zur Rangerstation stapft. Was sie schnitzen will? Weiß sie noch nicht. Mal gucken, einen Pfeil vielleicht.

Peter und sein jüngerer Bruder kommen aus Allenbach und haben ihre Schweizer Offiziersmesser vorschriftsmäßig mit einer Kette am Gürtel befestigt. „Wir können das schon“, sagt Peter (12) übers Schnitzen, meistens werden es Schwerter. Damit kämpfen sie dann manchmal im Dorf, sagt er, grinst schelmisch und zeigt eine rote Stelle am Knöchel. „Das ist nichts“, sagt er, ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Die Gruppe zieht los, Holz suchen, Matthias Speck vorneweg. Er haut eine junge Esche aus dem Gestrüpp. „Sehr gerade“, sagt er, „fast schon ein Spazierstock.“ Für Maja ein bisschen groß, aber man kann ja kürzen. Spitze dran, Verzierungen einbrennen – den Namen zum Beispiel – oder ein Loch bohren und einen Riemen durchziehen. Speck erzählt, dass er früher aus nicht zu dünnen gegabelten Ästen ein Gerät gefertigt hat, mit dem man Schlangen fangen kann. Etwas zurechtschnitzen und die Schlange am Kopf damit zu Boden drücken. „Wir haben nie eine gefangen“, sagt er und grinst – aber am Werkzeug hat es schon mal nicht gelegen.

Dann geht’s zurück zur Rangerstation, jeder bekommt ein blaues oder rosa Schnitzmesser, das ein Junge gleich bei Matthias Speck kaufen will und dann fliegen die Späne, die emsige Zungenspitze immer im Mundwinkel. Nina stellt irgendwann fest, dass sie mit der stumpfen Klingenrückseite besser zurechtkommt. Peter hat sein Stück Lindenholz im Handumdrehen soweit, dass es schon aussieht wie ein Räubermesser. Sein Bruder überlegt noch. Ein Boot? Ein Schwert? Ein Tier? Irgendwie sieht dieses Stück Fichte ja aus wie ein Elefant, sagt ja auch der Ranger.

Maja hat das Mark innen aus der weichen Holunderscheibe gedrückt und außen sorgfältig die Rinde abgeschält. Jetzt sucht sie für ihren Kreisel einen passenden Ast und Matthias Speck findet auch prompt einen. „Den musst du jetzt noch anspitzen“, sagt der Ranger und Maja sagt, dass sie das gut kann. Sie geht nämlich oft in den Wald und da schnitzt es sich dann im Grunde von allein. Zum Beispiel braucht man ja Äste, mit denen man Stockbrotteig übers Feuer halten kann.

Ruckzuck ist der Kreisel spitz, aber auf der knorrigen Bank vor der Rangerstation dreht er sich nicht. Maja will sich schon ein wenig enttäuscht einer Halskette widmen und probiert den Kreisel dann doch nochmal auf dem ebenen Boden der Station aus: „Es geeeeht“, juchzt sie.

Ein Junge hat sich geschnitten. „Auaauaaua“, ruft er und starrt auf seinen Finger. Seine Schwester schaut kurz auf und widmet sich dann wieder ihrem Stock, der schon ziemlich nach Bogen aussieht. „Lutsch mal dran“, sagt sie.

„Wir schnitzen im Sitzen“

H wie Holz: Je heller und leichter, desto weicher – und damit besser schnitzbar. „In der Mitte sind die abgestorbenen Zellen, die dem Baum Stabilität geben“, erklärt Matthias Speck – die sind dunkler. Außen transportiert der Baum Wasser und Nährstoffe.

M wie Messer: Kindermesser natürlich, mit abgerundeter Spitze – eine Verletzungsgefahr weniger. „Aber sehr scharf“, sagt Speck, denn je schärfer, desto vorsichtiger hantiert man damit – weil man weiß, dass es scharf ist. Wichtig: feststehende Klinge. Nicht dass das Messer mitten im Schnitzen auf die Finger klappt.

T wie Technik: „Immer vom Körper weg“, das weiß Nina schon. Wer mal in Gegenrichtung schnitzen will: Das Holz drehen, nicht das Messer. Und: „Wir schnitzen im Sitzen“, sagt Speck.

Folgen Sie der Lokalredaktion Siegen auch auf Facebook.