Keine Umkehr vom Trend zur Ganztags-Kita

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Siegerland..  Der Trend, das Betreuungsangebot von Kindertageseinrichtungen maximal auszuschöpfen, kehrt sich noch nicht um. Unverändert 37,8 Prozent der über dreijährigen Kinder ( „Ü 3“) in Kindertageseinrichtungen werden dort auch im nächsten Kindergartenjahr 45 Stunden in der Woche sein; bei den unter Dreijährigen („U 3“) wächst der Anteil sogar von 40,9 auf 42,8 Prozent.

Betreuungszeiten:45 oder 35 Stunden?

Politisch gewünscht ist das nicht – die Zuwachsraten sind gesetzlich limitiert, werden aber im Kreisgebiet noch nicht gerissen. Das Jugendamt möchte von den 35-Stunden-Angeboten überzeugen. Wozu aber gehört, dass diese Betreuungszeit den Mittag einschließt und nicht mit einer Unterbrechung auf den Vor- und Nachmittag verteilt wird. „Immer mehr Kindergärten gehen dazu über“, sagt Jugendamtsleiterin Pia Cimolino, „wir drängen darauf, weil das angemessen ist, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.“

Die Entscheidung liegt allerdings beim Träger der Kindergärten. Und bei den Eltern. Gerade im ländlichen Raum werde die Betreuung über Mittag nicht immer verlangt, sagt Pia Cimolino. „Erheblich“, so der jetzt dem Jugendhilfeausschuss vorgelegte Bedarfsplan, unterscheidet sich die Situation in den Kommunen: In Netphen zum Beispiel werden für 49,1 Prozent der U-3-Kita-Kinder 45 Stunden gebucht, in Freudenberg nur für 30,5 Prozent. In Bad Berleburg, Bad Laasphe, Hilchenbach und Kreuztal bleiben über 40 Prozent der Ü-3-Kinder 45 Stunden pro Woche in der Einrichtung, in Erndtebrück und Freudenberg weniger als 30 Prozent.

Der Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze wird überall erfüllt — was in den Einrichtungen fehlt, wird mit Tagespflegeangeboten ausgeglichen: Für über Dreijährige liegt der Versorgungsgrad überall annähernd bei 100 Prozent oder darüber. Bei unter Dreijährigen darf gerechnet werden: in Kitas gibt es Platz für fast jedes dritte Kind (32 Prozent). Oder fast für jedes zweite (49,7 Prozent), wenn man die Einjährigen zu Hause lässt. Oder sogar für 56,8 Prozent der Zwei- und Dreijährigen, indem die Reserven der Kindertagespflege ausgeschöpft werden.

Baustellen:Provisorisch oder optimal?

Manches Angebot wird derzeit aber immer noch nur unter unzureichenden Bedingungen oder in überbelegten Gruppen realisiert. Das sind die Siegerländer Baustellen:
Burbach: Im August wird im Zentralort der neue Caritas-Kindergarten fertig, dort sind noch Plätze frei. Die halbe Notgruppe im DRK-Kindergarten bleibt. „Eine Wechselbereitschaft in die neue Einrichtung ist nicht gegeben.“ Umgebaut werden muss noch der evangelische Kindergarten.
Freudenberg: Der Kindergarten am Hohenhainsgarten wird abgerissen und neu gebaut, eine Übergangseinrichtung steht in Containern auf dem Marktplatz. In Alchen und Oberholzklau sind die Räume für unter Dreijährige nicht geeignet. „Dringend“ müsse eine Verständigung zwischen dem Kirchenkreis als Träger der Einrichtungen und der Stadt als Eigentümer des Gebäudes in Alchen herbeigeführt werden. U-3-Kinder werden ab Sommer wohl in einem Container betreut.
Kreuztal: Neben der städtischen Kita Erlersiedlung muss auch die ALF-Kita Kasimir um eine dritte Gruppe erweitert werden. Weil es bisher mehr U-3- als Ü-3-Plätze gibt, müssten Kinder sonst mit dem dritten Geburtstag den Kindergarten wechseln.
Netphen: Nach wie vor werden Einrichtungen überbelegt, immer noch steht der Neubau eines Zwei-Gruppen-Kindergartens aus. Nachdem sich die Planung am Dreis-Tiefenbacher Bahnhof wegen einer Altlast im Boden zerschlagen hat, wird nun ein Standort in der Stadtmitte favorisiert. 509 U-3-Kinder leben in der Stadt, 69 mehr als im Vorjahr.
Wilnsdorf: In Rudersdorf fehlen U-3-Plätze, der Ausbau der katholischen Kita steht noch aus. Einen Engpass gibt es in Obersdorf und Niederdielfen. Die Nachfrage nach U-3-Plätzen liege „deutlich über den Kapazitäten des Ausbauprogramms“. Das Angebot sei angepasst worden: Jetzt stehen in Obersdorf 20 Plätze zur Verfügung (Anmeldungen: 23), in Niederdielfen 21 (Anmeldungen: 27); ursprünglich geplant waren je 16 Plätze. Im Rinsdorfer „Meisenhaus“ steht für 31 Kinder ein Gruppenraum zur Verfügung. Der Mehrzweckraum wird als Übergangslösung zweiter Gruppenraum, mitgenutzt wird die Turnhalle im Bürgerhaus.
Hilchenbach und Neunkirchen gelten als ausreichend versorgt.