Keine Jungfrau mehr – Legte Mann aus Wut Feuer?

Der Hochhausbrand in Hilchenbach: Angeklagt ist ein Mann (24), der sich vor Gericht verantworten muss.
Der Hochhausbrand in Hilchenbach: Angeklagt ist ein Mann (24), der sich vor Gericht verantworten muss.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Vor dem Siegener Landgericht muss sich seit Dienstag ein Mann (24) verantworten, weil er im Sommer 2014 in einem Hochhaus Feuer gelegt hat. Ihm wird auch sexueller Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen.

Siegen/Hilchenbach..  Vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Siegen muss sich seit Dienstag der türkische Staatsbürger Burak Y. (24) verantworten. Staatsanwalt Patrick Baron von Grotthus klagt ihn wegen schwerer Brandstiftung, sexueller Nötigung und Körperverletzung an. Burak Y. streitet fast alles ab. Das Feuer soll er aus Frust gelegt haben, weil seine Ex-Freundin, eine Deutsch-Türkin (24), gesagt hatte, sie sei keine Jungfrau mehr.

In einem Punkt ist Burak Y. geständig: Nach einer richterlichen Vernehmung am 4. September fällt er noch im Raum über die zierliche Frau her, reißt ihr an den Haaren, so dass Büschel am Boden liegen. Die Frau hat nachher Wunden im Gesicht und ein Hämatom am Auge. „Dafür entschuldige ich mich“, sagt Burak Y., der wegen des Vorfalls in Fußfesseln in den Saal geführt wird.

Einige Unbeherrschtheiten

Zweimal verliert Burak Y., der kaum Deutsch spricht, gestern die Beherrschung: Er schlägt fest mit den flachen Händen auf den Tisch, beugt sich nach vorn, fixiert den Staatsanwalt. Er solle ihn ausreden lassen, raunzt der schlaksige Mann mit dem dunklen, fusseligen Drei-Tage-Bart auf Türkisch. Gegen Ende des ersten Tags, bei der Befragung des mutmaßlichen Opfers, gibt es Tumulte. „Das war eine Beleidigung“, schreit einer im Zuschauerraum. Er zeigt auf Burak Y. Richter Wolfgang Münker ruft ihn zur Ordnung: „Setzen Sie sich. Sie sind jetzt still.“ Die Dolmetscherin übersetzt, was den Mann in Rage brachte. „Sie schläft doch mit Jedem.“ „Das kann für Sie noch ein Nachspiel haben“, sagt Münker zornig zum Angeklagten.

Ist es diese Reizbarkeit, die den 24-Jährigen auf die Anklagebank gebracht hat? Er soll vormittags am 22. Juli 2014 in der Wohnung seiner Ex-Freundin Feuer gelegt haben. Das Hochhaus an der Ferndorfstraße wurde evakuiert. Kurz zuvor hatte ihm die 24-Jährige im Park an der Neurologischen Klinik gesagt, sie sei keine Jungfrau. Burak Y. soll sie daraufhin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit der Hand in ihre Jogginghose gefasst haben, um das zu prüfen. Die Frau war nach eigener Aussage aufgewacht, als er seine Hand in ihrem Schritt hatte. Sie konnte sich befreien und Hilfe rufen. Ein Angestellter der Klinik ging dazwischen, und rief die Polizei. Burak Y. soll sich im Gerangel die Jacke der Frau mit ihren Schlüsseln geschnappt und Feuer in der Dachgeschosswohnung gelegt haben, in der sie mit ihrer Mutter lebte.

Burak Y. streitet das ab. Beide lernten sich im Mai in Berlin kennen – da war er ein paar Tage illegal in Deutschland. Und beide – soweit stimmen die Versionen überein – kamen sich näher. Burak Y. machte ihr sofort einen Antrag. Das habe sie nicht ernst genommen. Ihr sei später bewusst geworden, er habe darauf nur wegen der Aufenthaltserlaubnis gedrängt, so die zierliche Frau mit den tiefschwarzen Haaren.

„Du gehörst mir oder der Erde“

Der Kurde, der in der Türkei per Haftbefehl gesucht wird, stellte im Juni Asylantrag. Er wurde nach Göttingen verwiesen. Mitte Juli kehrte er ins Siegerland zurück. Das sei ihr nicht recht gewesen, so die Deutsch-Türkin. Telefonisch und per SMS hätten sie zwar Kontakt gehalten. Eine Beziehung aufrecht halten wollte sie nicht, sagt sie mit zittriger Stimme. Einmal habe Burak Y. heimlich in der Wohnung übernachtet – ihrer Mutter habe sie die Beziehung, die sie nicht wollte, verschwiegen. Die anderen Nächte habe er wohl draußen verbracht. Intim seien sie nie geworden. Sie habe Angst vor seiner Unbeherrschtheit gehabt. Am Tag vor dem Brand habe er im Streit zwei Handys auf den Boden geworfen und zerstört – ihres und seins. „Entweder Du gehörst mir oder der Erde“, habe er gedroht.

Am 22. Juli habe sie sich dann entschlossen, sich endgültig zu trennen. Die Behauptung, sie sei keine Jungfrau mehr, sollte Burak Y. abschrecken. „Er hat am Anfang gesagt, dass ihm das sehr wichtig sei.“ Der Angeklagte stellt über die Dolmetscherin die Beziehung und den Vorfall am 22. Juli anders dar. Die junge Frau habe stets einer Ehe zugestimmt. Dass sie ihm am 22. Juli gesagt habe, sie sei keine Jungfrau, habe er nicht geglaubt. Mit ihrem Einverständnis habe er das mit der Hand überprüft. Mit der Brandstiftung habe er nichts zu tun.

Fortsetzung am 28. Januar.

Folgen Sie uns auch auf Facebook.