Keine guten Zeiten für den Bus

Bahnhof Hilchenbach mit Rothaarbahn
Bahnhof Hilchenbach mit Rothaarbahn
Foto: WP

Kreuztal..  Walter Köllen freute sich: „Das fasziniert uns“, sagte der Kreuztaler SPD-Politiker, als Michael Roggenkamp im Beirat des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS) seine Studie für mögliche neue Bahnhaltepunkte vorstellte. Klaus-Dieter Wern, Inhaber der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), und sein Prokurist Stephan Degen dürften geschluckt haben. Denn der größte Teil der neuen Fahrgäste, die die Bahn mit einem neuen Haltepunkt am Bahnübergang Moltkestraße gewinnen würde, sind schon Kunden des öffentlichen Nahverkehrs: Schüler des Schulzentrums, die bisher von den VWS zur Stählerwiese gebracht werden.

Weitere Kürzungen im neuen Jahr

ZWS-Geschäftsführer Günter Padt bremst die Begeisterung für die Wiedereröffnung des 1979 aufgegeben Bahnhaltepunkts Kreuztal-Ost ein wenig: „Erste Priorität“, so Padt, sollen Buschhütten und Niederdielfen haben. Für Buschhütten — auch dort gab es bis 1979 einen Haltepunkt – spricht aus Sicht von Gutachter Michael Rogenkamp („Ederlog“, Bad Berleburg) vor allem das Angebot, das die Bahn Pendlern nach Siegen machen könnte: Elf Minuten braucht der Zug, 33 Minuten der Bus. Auch in Richtung Stadtmitte wäre der Zug fünf Minuten schneller als der Bus. Nur, dass der Fahrgast dann noch den Fußweg vom modernisierten Bahnhof durch den Heugraben vor sich hat: „Wer den Weg mal nachts gegangen ist, fühlt sich bei dem funzligen Licht sehr einsam.“

Der neue Haltepunkt an der Moltkestraße wäre, am anderen Ende des Einkaufszentrums, eine Alternative — die ursprüngliche Idee, die Rothaarbahn direkt am Rathaus halten zu lassen, findet auch in Kreuztal keine Freunde mehr: Zu viel haben Stadt, Bahn und ZWS in die Erneuerung des gerade einmal 400 Meter entfernten Bahnhofs und dessen Anbindung an die Innenstadt investiert.

Dass es die Bahn nicht als Zusatzangebot gibt, haben Bus-Fahrgäste schon vor einigen Jahren erfahren müssen: Die Siegen-Wittgensteiner Nahverkehrsplaner wurden gezwungen, „Parallelverkehr“ auf Straße und Schiene aufzugeben. Seitdem fährt die Linie R 11 nur noch stündlich statt bis dahin halbstündlich zwischen Hilchenbach und Kreuztal. Die R 50, einst ein Schnellbus von Olpe über Wenden nach Siegen, wendet nun schon am Kreuztaler Bahnhof. In eine Taxibusverbindung umgewandelt wurde bereits im Herbst die frühe Busverbindung von Hilchenbach nach Kreuztal. Die neue L 170, die erstmals den Dahlbrucher Bahnhof an das Busnetz angebunden hat, ist auch schon wieder amputiert. Die Busse fahren nur noch für Schüler und zu den Berufsverkehrszeiten — ansonsten ebenfalls nur noch als Rufbus. Zum Fahrplanwechsel am 11. Januar müssen sich Fahrgäste auf weitere Einschränkungen einstellen. In Zukunft fährt die R 10 sonntags morgens um 6.09 Uhr von Siegen nach Burgholdinghausen sowie um 6.15 und 7.15 Uhr von dort nach Siegen nur noch als Rufbus auf Vorbestellung.