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Missbrauchsstudie

Katholische Kirche im Kreuzfeuer

11.01.2013 | 18:38 Uhr
Katholische Kirche im Kreuzfeuer
Vielfach sind Missbrauchsopfer schwer traumatisiert, leiden an Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen oder AngststörungenFoto: Bauer, Dirk

Siegen.   Die katholische Kirche ist in die Kritik geraten, weil sie eine Studie zur Klärung von Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen gestoppt hat. Wie Siegener Amts- und Würdenträger das Vorgehen beurteilen, erfahren Sie hier.

Nachdem die katholische Kirche die von ihr in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie gestoppt hat, ist in der Öffentlichkeit eine heftige Kontroverse entbrannt. Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, warf der Kirche Vertuschung vor und zweifelte am Aufklärungswillen der Bischöfe hinsichtlich der Taten. Die Kirche wehrte sich unterdessen mit einer Unterlassungserklärung gegen die Vorwürfe des Kriminologen Christian Pfeiffer. Der Direktor des ursprünglich mit der Studie beauftragten Forschungsinstituts hatte der Kirche nach der Kündigung der Zusammenarbeit Zensur vorgeworfen. Auf Anfrage der WAZ Mediengruppe bezogen Siegener Amts- und Würdenträger zu der Debatte Stellung.

Dechant Werner Wegener sagte, er finde es bedauerlich, dass die Kirche die Studie gestoppt habe. Allerdings habe er keine genauen Informationen zu den Gründen, warum die Kirche aus dem Vertrag mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) ausgestiegen sei. „Ich selbst habe davon ebenfalls nur aus den Medien erfahren“, sagte Wegener. Der Dechant betonte, es müsse um das Wohl der Opfer gehen, Aufklärung sei dringend geboten.

Maren Niemeyer ist Mitarbeiterin der Kreuztaler „Beratungsstelle für Mädchen in Not“, die sich um Opfer sexuellen Missbrauchs kümmert. Sie sagte, dieser Schritt der Kirche könne für die Betroffenen des Missbrauchs belastend sein. Viele Kinder und Jugendliche, die sich mit ihrer Geschichte offenbaren, hätten zunächst darum zu kämpfen, dass ihnen überhaupt geglaubt werde. Schließlich handelt es sich um schwerwiegende Vorwürfe, die geprüft werden müssen.

Missbrauch verhindern

Thomas Wüst, stellvertretender Jugendamtsleiter des Kreises Siegen-Wittgenstein, ist in seiner täglichen Arbeit vielfach mit Missbrauchsfällen konfrontiert. Entsprechend kritisch beurteilt Wüst das Vorgehen der Kirche. „Es hat den Anschein, dass es der Kirche eher um Täter- als um Opferschutz geht“, sagte Wüst. Er erinnerte daran, dass je nach Umständen, Art und Schwere einer Missbrauchstat, die Opfer mit vielfältigen Problemen zu kämpfen hätten. Vielfach seien die Opfer schwer traumatisiert und litten an Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen oder Angststörungen. Daher sei ein besonders sensibler und umsichtiger Umgang mit dieser Thematik geboten, sagte Wüst.

Für Jens Kamieth (CDU), der im Landtag Mitglied des Jugendhilfeausschusses ist, sind Aufklärung und Prävention besonders wichtig. „Um Missbrauch aufzuklären und zu vermeiden, muss alles getan werden“, sagte Kamieth. Dies sei nicht nur auf die Kirche bezogen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Man müsse die Kinder stärken, so dass sie – wenn sie sich Situationen wiederfinden, die ihnen unangenehm sind – selbstbewusst genug sind, sich zu wehren.Hier seien die Schulen, Jugendkreise und Sportvereine in der Pflicht, sagte Kamieth.

Timo Baudzus



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