Karstadt schließt Filialen – Häuser in Iserlohn und Siegen bleiben

Foto: Oliver Mengedoht
Was wir bereits wissen
Der Warenhauskonzern Karstadt kämpft ums Überleben und schließt Filialen. Die Häuser in Siegen und Iserlohn sind vorerst nicht betroffen.

Essen/Siegen/Iserlohn.. Es gehe „ums Überleben des Gesamtkonzerns“, hatte Stephan Fanderl gleich nach seiner Berufung zum Karstadt-Chef angekündigt, dies gelinge „nicht ohne schmerzhafte Einschnitte“. Schnitt eins war die Schließung von sechs Filialen. Schnitt zwei der Abbau von mehr als 2000 Stellen samt 960 Kündigungen. Mit dem Schließungsentscheid für weitere fünf Filialen hat der Karstadt-Aufsichtsrat gestern den nächsten Schnitt getan. Betroffen von den Plänen sind die Standorte Bottrop und Dessau sowie die Filialen in Recklinghausen, Neumünster und Mönchengladbach.

Laut Verdi sind von den Schließungen mehr als 500 Beschäftigte betroffen. Die Zahl der Warenhäuser des Unternehmens sinkt damit auf bundesweit 76. Was kommt als nächstes – oder war es das?

Diese Frage konnten weder der Konzern noch die Gewerkschaft Verdi beantworten. Nach Informationen dieser Zeitung sind aber absehbar keine weiteren Schließungen geplant. Damit hätten sich zumindest die schlimmsten Befürchtungen der Arbeitnehmervertreter nicht bewahrheitet. Die interne „Fokusliste“ mit defizitären Standorten sei von 21 auf 28 Häuser gewachsen, hatte Verdi im April erklärt. Von acht bis zehn akut bedrohten Häusern hatte Fanderl selbst gesprochen und diesen Filialen eine Frist bis zum Sommer 2015 gesetzt.

Vertrauensbruch

Die Arbeitnehmervertreter werteten die neuen Schließungen als Vertrauensbruch. Der Kurs der neuen Eigentümer und der Geschäftsführung bestehe „vor allem aus einer rigiden Spar- und Kürzungspolitik auf dem Rücken der Mitarbeiter“, sagte Gesamtbetriebsratschef Patzelt. Damit meinte er den österreichischen Investor René Benko.

Für die Betroffenen gelten laut Karstadt die mit Betriebsrat und Verdi im Frühjahr ausgehandelten Sozialpläne. Sie scheiden demnach entweder sozialverträglich aus, etwa über Vorruhestandsregelungen, oder wechseln im Kündigungsfall in eine Transfergesellschaft und erhalten Abfindungen.

Mit Erleichterung ist im südwestfälischen Einzelhandel registriert worden, dass die Karstadt-Häuser in Iserlohn und Siegen von der neuen Schließungswelle verschont worden sind. „Gut, dass dieser Kelch an uns vorübergegangen ist“, sagt Karina Brühmann, Sprecherin des Einzelhandelsverbandes Südwestfalen. Die Schließung eines Warenhauses in der Innenstadt sei oftmals mit einer hässlichen Brache verbunden: „Dort etwas Neues zu entwickeln, dauert lange, wie man an vielen Hertie-Flächen gesehen hat.“

Viele junge Leute

Besonders in Siegen profitiere die unter dem Bau der City-Galerie am Bahnhof leidende Oberstadt von der Existenz des Karstadt-Hauses am Fuß des Berges. In Bezug auf Bevölkerungsentwicklung und Kaufkraft sieht der Einzelhandelsverband für die beiden Häuser mittelfristig Zeichen der Hoffnung: Siegen wie Iserlohn seien Hochschulstädte mit vielen jungen Leuten, die einkaufen wollten.

Als „stille Vereinbarung“ bezeichnete Astrid Schneider vom Siegener Stadtmarketing die jetzt bestätigte Standortsicherung. Die Stadt habe dem Konzern ihr „vitales Interesse“ vermittelt, das Warenhaus zu halten - „das versetzt uns in die Lage , weiter in die Oberstadt als Einzelhandels-Standort zu investieren.“ Eine Rolle habe sicherlich gespielt, dass ein Teil der Verkaufsfläche künftig von der Universität genutzt werde und dass demnächst 3500 Studierende im Unteren Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft arbeiteten und lebten.

Die Stadt Iserlohn hat das Karstadt-Grundstück im vergangenen Jahr gekauft, und an das Unternehmen zurückvermietet, um schneller handeln zu können - ein seltener Vorgang in deutschen Kommunen. Martin Bußkamp vom Iserlohner Stadtmarketing: Falls es doch noch zum Schlimmsten komme, habe die Stadt „das Heft des Handelns in der Hand“.