Kafka Band präsentiert in Siegen eine geniale Mischung

Die Kafka Band mit dem Frontmann Jaroslav Rudis bei ihrem Auftritt im Rahmen des Literatur-Festivals Vielseitig in Siegen. Die Musiker liefern eine
Die Kafka Band mit dem Frontmann Jaroslav Rudis bei ihrem Auftritt im Rahmen des Literatur-Festivals Vielseitig in Siegen. Die Musiker liefern eine
Foto: Wolfgang Leipold
Literatur, Musik und Bilder: Die Kafka Band aus Prag hat beim Festival „vielSeitig“ das Publikum im Lyz herausgefordert und unterhalten.

Siegen.. Es waren nicht die beliebtesten Deutschstunden, in denen die Texte Franz Kafkas behandelt wurden. Die wirkten zu rätselhaft, sperrig, düster. Vielleicht auch ein Grund, warum beim Auftritt der Kafka Band im Lyz sehr viele Plätze leer blieben. Die nicht gekommen waren, haben eine geniale Mischung aus Literatur, Musik und Bildern versäumt.

Ein Mann auf der Flucht

Es geht um den rätselhaftesten Kafka-Roman „Das Schloss“, 1922 entstanden, als Franz Kafka sich im Gebirge von einer Lungenentzündung erholen wollte. Der Landvermesser K. ist ein Mann auf der Flucht, nirgendwo willkommen. Vielleicht das Alter Ego Kafkas. Jaroslav Rudis, der vorher schon aus seinem Roman „Nationalstraße“ gelesen hatte, spricht und singt als Frontmann der Band die Textauszüge aus dem Roman auf Deutsch, der Dichtersprache Kafkas.

Die Band begleitet ihn instrumental und vokal in Tschechisch, des Dichters zweite Sprache. Teils zart-lyrisch und balladenhaft, dann wieder leidenschaftlich rockig. Texte und Musik werden ergänzend illustriert von scherenschnittartigen schwarz-weiß Video-Einblendungen, die dem Geschehen eine visuelle Kulisse geben.

So wird der Landvermesser K. musikalisch und optisch auf einem langen Schneespaziergang begleitet. So authentisch-realistisch, dass man schon beim Zuschauen ins Frösteln gerät. Aber dann muss K. feststellen, dass das Schloss, das Ziel seines Weges, verfallen und verschlossen ist. Doch ganz düster ist der Abend nie. Dafür sorgen sowohl Tanzlieder im Country-Stil wie auch der Titel „Frieda“, der fröhlichste Song des Programms. Denn in Frieda, die in einer Dorfkneipe Bier ausschenkt, hat sich K. verliebt. Natürlich unglücklich, wie das in Böhmen so ist. Und nur in der Heimat Kafkas ist es möglich, dass ein weiteres Liebeslied die Überschrift „Grab“ hat. „Der Graf“ lässt grüßen. Daneben kommen in den Liedtexten immer wieder Wetterbeobachtungen vor: Kafka als Meteorologe, Jaroslav Rudis wird Kachelmann.

Ohne glückliches Ende

Franz Kafka hat „Das Schloss“ nie vollendet. Aber fest steht: Die Liebe des Landvermessers nimmt kein glückliches Ende. Die Kafka Band jedoch kann zumindest den musikalischen Kreis schließen. „Der Winter ist zu lang, der Schnee zu hoch“ in einer Kombination aus Deutsch und Tschechisch. Der Abend hat die Literatur- und Musikfreunde herausgefordert wie auch unterhalten und das Phänomen Franz Kafka zumindest teilweise entschlüsselt.