Junges Beienbach mit viel Lust auf Neues

Beienbach..  Sie sind einiges gewöhnt, die Baufachleute und Touristiker, die Landwirtschafts- und Gartenbau-Experten, die Vertreter von Heimatbund, Denkmalpflege und Landjugend, die nun schon am achten Tag als Bewertungskommission unterwegs sind. Sie suchen – nein, nicht nach dem schönsten Dorf Westfalens. Sondern dem mit der besten Zukunftsperspektive. Für Peter Groos ist die Frage schnell geklärt. „Wir haben Kinder ohne Ende.“ Und dann zieht Jörg Flender die Jury im Planwagen mit seinem Trecker auf den Friedhof.

„Das bewahrt vor Überheblichkeit“, erklärt Henner Braach und erzählt, wie wichtig die pietistische Erweckungsbewegung für das Dorf war, wo auch heute noch das Bibelkreisheim mit jährlich 9000 Übernachtungen wichtigster touristischer Faktor ist. Tatsächlich können die Beienbacher aber auch hier vorführen, was sie ihren Besuchern danach noch an vielen anderen Stationen zeigen werden: Sie feiern nicht nur zusammen, sondern sie arbeiten auch gemeinsam. Nachbarn heben das Grab aus, tragen den Sarg, richten die Halle her — „auch eine Möglichkeit, Anteilnahme unmittelbar zum Ausdruck zu bringen.“ Und dabei auch noch Geld zu sparen.

Kinder ohne Ende

„Wir wollen heute nicht allzu dick auftragen“, hat Ortsbürgermeister Walter Nöh zur Begrüßung gesagt, oben auf der Heide, wo es auf der einen Seite ins Dorf mit dem Tal des Katzenbachs heruntergeht, auf der anderen ins Tal des Beienbachs, wo die Geschichte des Orts mit dem 1299 erstmals erwähnten Waldgut ihren Anfang nahm, heute die „Wüste Beienbach“. Aber, so Nöh, „wir wollen Ihnen zeigen, weshalb wir uns mit dem Dorf identifizieren.“ Angefangen beim „Projekt der Generationen“, als das Hartwig Klein den Schutzhütten-Bau vorstellt. Das Fundament ist da, das Holz auch. Die Aktiven haben eigens einen Motorsägenführerschein gemacht. Gemeinsam.

336 Einwohner, 95 Wohngebäude, von denen jedes fünfte von drei Generationen bewohnt wird. Ein Durchschnittsalter von 40,1 Jahren, viereinhalb Jahre unter dem Alterschnitt im Regierungsbezirk. Der Bus kommt an, als die Jury gerade an der Haltestelle ist. Die Schule ist heute eine Stunde früher vorbei, zufällig. Kinder ohne Ende, auf der Straße, auf dem Spielplatz, an der großen Seilbahn hinter der alten Schule, die vom Erlös des Maschinenring-Jubiläums beschafft wurde. Bürgermeister Paul Wagener, der den Rundgang zusammen mit Landrat Andreas Müller begleitet, hat der Kommission schon zur Begrüßung gesagt, wie „ganz besonders stolz“ er auf Beienbach ist. Einer von zwei Ortsteilen der Stadt, die stetig wachsen. Der andere ist Brauersdorf. Und da wohnt der Bürgermeister.

Dreschschuppen und Mühle, Backes, Kühlhaus. „Wir erhalten unsere Einrichtungen nicht als Museum“, betont Oliver Schneider. Der Backes raucht. „Gleich backen wir noch den Kuchen für heute Nachmittag“, lockt Reinhard Bender. Schade, dass der Besuch dann schon längst in Feudingen ist. Martin Helmes und Jörg Flender machen klar, dass Genossenschaftliches Zukunft hat: Das Holzblockheizkraftwerk erzeugt Strom für 40 Einfamilienhäuser und Wärme für zehn Häuser. Das Dorfauto wird folgen — 41 Prozent der Beienbacher wünschen sich das. Sie scheinen richtig Lust auf Neues zu haben. Henner Braach erzählt die Geschichte von den jungen Künstlern, die auf sechs Hektar Weide ausstellen wollten. Kunst sei eigentlich nicht das, was im Ort vermisst werde, habe sein Vater zu bedenken gegeben. Sie kamen trotzdem. Einige ein paar Jahre später noch einmal, als Neu-Beienbacher. „Wir sind froh, dass sie hier sind.“